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Schnellrestaurants leiden unter den galoppierenden Preisen

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Inflation und Versorgungsengpässe haben die Imbissbetriebe erreicht. Die Preise steigen und die Kunden halten sich zurück.

Auch die Dönerläden in der Sülmer City leiden unter den explodierenden Preisen vor allem für Fleisch, Mehl und Speiseöl.
Foto: Mario Berger
Auch die Dönerläden in der Sülmer City leiden unter den explodierenden Preisen vor allem für Fleisch, Mehl und Speiseöl. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Der Döner im Vorbeigehen, Hamburger und Pommes in der Tüte oder die Currywurst mit Brötchen an der Imbissbude. Die klassischen Fast-food-Angebote sind nicht immer gesund, aber schnell zubereitet und in der Regel preisgünstig.

Der Hamburger für zwei Euro beim Schnellrestaurant, die Currywurst für drei Euro am Stand und der Teigfladen gefüllt mit Fleisch, Soße und Salat für 3,50 Euro, das waren lange Jahre Standardpreise.

Preissprung von 30 Prozent in einer Woche

Doch mit der Corona-Pandemie, der enorm steigenden Inflationsrate und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sind diese Zeiten vorbei. "Die Preise sind überall explodiert", klagt Otto Gollerthan.


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Explodierende Preise und Mangelwaren in der Gastronomie


Dem Inhaber einer Landmetzgerei mit Stammsitz in Bad Rappenau-Obergimpern, der mit seinem Party- und Festservice auch auf zahlreichen Veranstaltungen präsent ist, machen vor allem die Preissteigerungen bei Rindfleisch, Därmen und Dosen zu schaffen. "Bei Putenbrust hatten wir in einer Woche einen Preissprung von 30 Prozent", rechnet Gollerthan vor.

Beim Rindfleisch seien die Preise seit Ausbruch der Pandemie um 40 Prozent gestiegen, bei Därmen um 50 Prozent, bei Dosen für Wurstkonserven gar um 54 Prozent. "Viele Landwirte gerade im nördlichen Landkreis haben auch aufgehört, das verschärft die Lage zusätzlich", erläutert der 62-Jährige.

Speisen werden teurer

Die Konsequenz: Aufschläge sind unvermeidbar. "Im vergangenen Jahr konnte ich die Preise noch halten, jetzt haben auch wir erhöhen müssen, weil es nicht mehr anders geht", sagt Gollerthan. Dabei sei die rund fünfprozentige Preiserhöhung noch moderat. "Ich beliefere auch das Stuttgarter Frühlingsfest mit Steaks und Wurst, auch dort haben alle Stände die Preise erhöht", schildert Gollerthan. Hinzu kämen erhebliche Lieferschwierigkeiten vor allem bei Speiseöl, Mehl und Backwaren.

Und obwohl dieses Problem den 62-Jährigen weniger trifft, weil er seit vielen Jahren mit regionalen Lieferanten wie der Frießinger Mühle und der Bäckerei Härdtner zusammenarbeitet, spürt er den Druck. "Wir sind teilweise wieder dazu übergegangen, zum Braten Schweineschmalz zu verwenden", betont der Metzgermeister, der sicher ist, dass diese Situation noch einige Zeit anhalten wird. "Besser wird es in den nächsten Wochen jedenfalls nicht", sagt Gollerthan.

Vor allem Schüler betroffen

Für die zahlreichen türkischen Restaurants und Dönerläden in der Region ist Schweineschmalz natürlich keine Alternative. "Zur Zeit tut es richtig weh", betont Muhammed Kanjo, der das syrische Schnellrestaurant Aleppo in der Heilbronner Kaiserstraße zusammen mit seinem Vater Ahmed und Bruder Hassan betreibt. "Früher haben wir für einen Eisbergsalat 50 Cent bezahlt, heute kostet er 2 Euro 90", schildert der Syrer die Lage. Für zehn Liter Speiseöl würden 30 Euro fällig, das Dreifache wie vor der Krise. "Und dann bekommen wir nur die Hälfte der bestellten Waren", klagt der Juniorchef. Als in der vergangenen Woche kein Rindfleisch geliefert wurde, gab es Döner nur mit Hähnchenfleisch.

Das gefüllte Fladenbrot kostet jetzt fünf Euro. "Wir mussten praktisch alle Speisen um einen Euro erhöhen. Für die Schüler ist das schlimm", betont Ahmed Kanjo. "Manche kommen, schauen auf die Preise und gehen wieder", beobachtet der 52-Jährige. Die Umsätze seien seitdem deutlich gesunken.

Probleme, die nahezu die gesamte Gastronomie trifft. "Natürlich ist es für eine Konsumbranche nicht gut, wenn es zu einer massiven Inflation kommt", betont Daniel Ohl. 76 Prozent der baden-württembergischen Gastronomiebetriebe hätten in einer aktuellen Umfrage eine massive Verteuerung ihrer Produkte - allen voran Speiseöl und Mehle festgestellt", betont der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg (Dehoga). Hohe zweistellige Preissteigerungen gab es auch bei Fleisch, Butter, Gemüse und Obst. "Hinzu kommen stark steigende Energiekosten und die Personalnot", gibt Ohl zu Bedenken. "Gerade beim Schnellimbiss werden einige das Angebot konzentrieren", ist sich der Dehoga-Pressesprecher sicher.

Immerhin gibt es auch positive Entwicklungen. "Die Unsicherheit der Corona-Monate ist weg und das Bedürfniss nach der Gastronomie ist groß", freut sich Daniel Ohl. Nun muss nur noch Normalität bei den Lebensmittelpreisen einkehren.

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