So kommen Frauen besser durch die Wechseljahre
Die Bad Wimpfener Gynäkologin Jenny Hohlweck spricht bei der Abendvorlesung über nachlassende Lust am Sex und Risiken einer Hormontherapie. Ihr Rat an die Zuhörerinnen: Treiben Sie Sport und seien Sie gut zu sich selbst!

So jung und so weiblich war das Publikum bei einer Abendvorlesung noch nie - und selten wurden im Vorfeld so viele detaillierte Fragen eingereicht. Die Wechseljahre: ein Themen, das Frauen ab 40 umtreibt.
Nur Frauen? Vereinzelt waren Männer unter den Gästen auszumachen. Auch aus ihrer Praxis in Bad Wimpfen weiß die Gynäkologin und Referentin Dr. Jenny Hohlweck: Die Wechseljahre mit all ihren möglichen Beschwerden sind ein Thema, das Frauen vor allem mit sich selbst ausmachen oder höchstens noch mit der Freundin besprechen.
Begleiterscheinungen der Wechseljahre können stark variieren
Das ist schade und sollte sich ändern, sagt sie im Gespräch mit Stimme-Moderatorin Iris Baars-Werner. Denn Begleiterscheinungen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Konzentrationsstörungen, leichte Reizbarkeit, depressive Verstimmungen und ausbleibende Lust auf Sex können das Leben nachhaltig beeinträchtigen: Die Frau leidet und ihr Umfeld hat womöglich wenig Verständnis für das, was gerade passiert.
Stattdessen kommen im Büro Nachfragen wie: "Was ist eigentlich mit Ihnen los, schaffen Sie das überhaupt noch?" Wie sei damit umzugehen, fragt Iris Baars-Werner. Sollten die Wechseljahre als Krankheit bewertet werden, um künftig ernster genommen zu werden?
"Die Wechseljahre sind keine Krankheit", sagt Hohlweck, "sie gehören zu unserem natürlichen Lebensfluss." Es sollte kein Tabu sein, mit dem Chef darüber zu sprechen, dass und warum man gerade schlecht schläft, wegen vermeintlicher Kleinigkeiten an die Decke geht und nicht mehr so belastbar ist, findet sie. "Wertschätzung und den anderen zu sehen mit seinen Problemen, gehören im Berufsleben unbedingt dazu."
Ab 50 spielt Sex keine große Rolle mehr in langjährigen Beziehungen
Auch in der Beziehung sei das der Schlüssel. "Wir Frauen reden gern über das, was uns emotional aufwühlt, und es ist wirklich wichtig, mit dem Partner darüber zu reden. Erklären Sie ihm, dass Sie gerade mehr Umarmungen brauchen, mehr Streicheleinheiten, ein Vorspiel beim Sex, sagen Sie ihm, wie er sie anfassen soll und was Sie geil macht", so Hohlweck.
Eigentlich, findet sie, sollte das Thema Sexualtherapie dringend im Rahmen einer weiteren Abendvorlesung behandelt werden. Denn nach einer langen Beziehung und mit zunehmendem Alter hätten viele Paare höchsten noch "Charity Sex", bei dem die Frau den Akt über sich ergehen lässt. "Ab 50 spielt Sex für viele keine große Rolle mehr."
„Wir Frauen reden gern über das, was uns emotional aufwühlt, und es ist wirklich wichtig, mit dem Partner darüber zu reden.“
von Dr. Jenny Hohlweck
Eine Aussage, für die sie einige Lacher im Publikums erntet. Eine körperliche Ursache ist womöglich Scheidentrockenheit - Cremes, Zäpfchen oder ein Joghurttampon können Abhilfe schaffen. Doch das Problem sei häufig ein anderes, nämlich das, was im Kopf geschieht. Ein Indikator: "Wenn ein neuer Partner ins Spiel kommt, klappt der Sex meist auch in den Wechseljahren wieder." Deshalb gelte es, an der Beziehung zu arbeiten, sich Zeit für gemeinsame Unternehmungen abseits des Alltags zu nehmen und die Sprachlosigkeit zu überwinden.
Immer kommt Hohlweck auf eine Empfehlung zurück, um Beschwerden auf natürliche Weise auszubalancieren: "Bewegen Sie sich", so der dringende Appell ans Publikum. Sport sei essenziell - zum Beispiel als Stimmungsaufheller, fürs Herz-Kreislaufsystem und um das Gewicht zu halten.
Der eindringliche Appell an die Zuhörerinnen: Bewegen Sie sich regelmäßig!
Sie selbst stehe jeden Morgen eine halbe Stunde früher auf, um Gymnastik zu machen, und gehe regelmäßig in den Wald, um dort ihre Runden zu rennen. "Nie hätte ich mir mit 30 vorstellen können, dass ich einmal zwölf Kilometer durch den Wald joggen werde", berichtet sie von ihrer eigenen Strategie - aber das sei letztlich das Mittel, das ihr dabei helfe, gut durch ihren langen Arbeitstag zu kommen. "Ich mache meinen Job sehr gern, aber dabei fällt auch Adrenalin an. Ich merke einfach, dass es mit guttut, wenn ich das abbaue."
Die Hormonersatztherapie und deren Risiken sind weiteres dominierendes Thema des Abends. "Manche Betroffene hat den Eindruck, sie müsse eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera treffen", sagt Iris Baars-Werner. Die Referentin entkräftet diese Sorge. Die Zusammensetzung der Präparate sei eine andere als noch vor einigen Jahren. Heute sei es kein Problem mehr auszuprobieren, ob man mit einer Hormongabe zurechtkommt und beispielsweise die Dosierung bei Gels zu variieren.
Ein Ausschlusskriterium für Hormoneinnahme: eine Therapie gegen Brustkrebs, mit der Östrogene unterdrückt werden sollen. Dadurch versetze man Patientinnen bewusst in die Wechseljahre. Gegen Beschwerden könne man dann mit Medikamenten wenig machen. Auch hier rät Hohlweck zu Sport: "dreimal pro Woche für eine Stunde". Regelmäßiger Ausdauersport könne eine hormonelle Therapie zu einem gewisse Grad ersetzen. Gesunde Ernährung und ausreichend trinken sind weitere allgemeingültige Empfehlungen.
Mehr über die Abendvorlesung
Die Abendvorlesung unter dem Titel "Medizin hautnah" ist ein Kooperationsprojekt von SLK-Kliniken, Kreissparkasse Heilbronn und der Heilbronner Stimme. Im März geht es um das Thema Hüft- und Knie-Endoprothetik. Bei einer Abstimmung gestern regten die Zuschauerinnen mit deutlicher Mehrheit die "Sexualtherapie" als Thema für das nächste Semester an.
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Kommentare
Gerd Hofmann am 30.01.2020 09:52 Uhr
Etwa die Hälfte der Menschen sind Männer.
Jetzt bitte auch einen Artikel über die Wechseljahre des Mannes.