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Frauen setzen sich in den Wechseljahren oft selbst unter Druck

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Die Gynäkologin Jenny Hohlweck rät dazu, die Erwartungen an sich selbst herunterzuschrauben und bewusst Auszeiten einzuplanen.

Die Wechseljahre sind eine höchst individuelle Angelegenheit. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit, gegen Ende des Lebensjahrzehnts werden dann bei vielen Frauen Merkmale sichtbar. Die Periode kommt nur noch unregelmäßig, die Figur verändert sich, das Haar wird dünner. Bei manchen setzen Beschwerden ein und halten drei Jahre an, manchmal auch deutlich länger, unter Umständen sogar bis zum Lebensende, so Referentin und Gynäkologin Jenny Hohlweck. Die Menopause bezeichnet dann die Zeit nach der letzten Regelblutung.


Für ausführliche Gespräche bleibt im Praxisalltag meist wenig Zeit

Klassische Wechseljahrsbeschwerden sind Hitzewallungen, der sogenannte "Flush", Schwitzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen. Hinzukommen können Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Scheidentrockenheit, Libidomangel, Haarausfall und ein verstärkter Haarwuchs im Gesicht. Dabei, das zeigt Hohlweck in Schaubildern, haben ein Drittel der Frauen gar keine Beschwerden, bei einem Drittel sind sie mittelmäßig ausgeprägt und bei einem weiteren Drittel so heftig, dass sie das Leben überschatten.

"Wenn man als Lehrerin vor einer Klasse steht und plötzlich Schweißausbrüche hat und rot wird, ohne sich irgendwie angestrengt zu haben, ist das schon sehr unangenehm." Oft könne man sich in Sachen Wechseljahrsbeschwerden an denen der eigenen Mutter orientieren.

Etwa drei bis vier Patientinnen pro Tag sprechen die Ärztin auf das Thema an, erzählt sie aus ihrem beruflichen Alltag. Meist sei eine ausführliche, individuelle Beratung nötig. "Manchmal hilft es auch schon, wenn man über Dinge spricht." Weil das deutsche Gesundheitssystem solche "sprechende Medizin" innerhalb des regulären Praxisbetriebs nicht vorsehe und auch nicht entsprechend vergüte, sei es häufig nötig, dafür längere Abend- oder Randtermine zu vereinbaren.

Dürfen wir überhaupt noch altern, fragt Moderatorin Iris Baars-Werner

Moderatorin Iris Baars-Werner thematisiert gesellschaftliche Erwartungen an Frauen. Sie fragt: "Haben wir die Selbstoptimierung so sehr verinnerlicht, dass wir Best-Ager sein müssen, statt alt zu sein?" Und würden die Wechseljahre in der medialen Darstellung nicht übertrieben beschönigt als "Chance, endlich etwas zu verändern"?

Hohlweck findet, dass Frauen ihre Erwartungen an sich selbst runterschrauben sollten und "gut zu sich sein". Oft setze Frau sich nämlich unnötig unter Druck, statt gelassen zu bleiben und kleine Misslichkeiten positiv zu nehmen. Ihr Rat: Auszeiten einplanen, um Auftanken zu können und mit einer depressiven Verstimmung auch mal zu Hause bleiben.

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