Restaurantbesuch nur gegen Nummer oder Adresse

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Die Gaststätten in der Region sind wieder geöffnet. Damit Gäste einen Tisch bekommen, müssen sie jedoch Name und Telefonnummer oder Adresse hinterlassen. Wirte aus der Region kritisieren, dass es zu wenige Informationen zur Vorgehensweise gibt.

Seit etwas mehr als einer Woche dürfen Gaststätten in Baden-Württemberg und der Region wieder öffnen. Allerdings schreibt die Corona-Verordnung zahlreiche Auflagen vor, an die sich die Gastwirte halten müssen. Eine davon: Gäste müssen persönliche Daten wie Name, Telefonnummer oder Adresse angeben sowie den Zeitpunkt ihres Besuchs.

Die Daten müssen vier Wochen lang aufbewahrt werden. Gesundheitsämter sollen im Fall eines Coronavirus-Ausbruchs Kontaktpersonen finden und kontaktieren können, um eventuell Maßnahmen wie häusliche Quarantäne anzuordnen. Wie gehen Gastwirte in der Region mit den Auflagen um?

 


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Wie Wirte richtig mit den Daten ihrer Gäste umgehen


 

  • Adler Gaststube, Bad Rappenau 

Die Gaststätte in Bad Rappenau ist seit Montag vergangener Woche wieder geöffnet. Gäste müssen sich vorher anmelden und bekommen am Tisch ein Formular, in das sie ihre Daten eintragen können. "Die Gäste machen das notgedrungen", sagt Gastwirt Christian Klust. "Wer gibt schon gerne solche Daten weiter?" Die Vorgaben der Corona-Verordnung kritisiert Klust als "nicht durchdacht": "Das haben Menschen beschlossen, die nicht wissen, wie diese Vorgaben umgesetzt werden sollen." Es sei nicht damit getan, den Gästen ein Formular auszuhändigen. Zudem fragt sich Klust, wieso er die Daten seiner Gäste zum Vernichten weitergeben soll. "Ob ich das schreddere oder verbrenne, ist meine Sache."

  • Härdtner-Bäckerei, Neckarsulm  

Wer in dem Café der Neckarsulmer Härdtner-Bäckerei essen möchte, muss telefonisch oder vor Ort reservieren. Das Personal verteilt die Gäste auf die Tische und überreicht das Formular, in dem die Daten eingetragen werden müssen. "Wir konnten das notwendige Vorgehen auf Basis der Corona-Verordnung ableiten", erklärt Nicolas Härdtner. Allerdings hätte er sich konkretere Angaben oder Hilfen für die Umsetzung gewünscht. Die Gäste wüssten über die Auflagen Bescheid. "Wir hatten bislang keine Schwierigkeiten in der Umsetzung." Wer Telefonnummer oder Anschrift nicht angeben möchte, darf derzeit nicht im Café sitzenbleiben. "Ihm bleibt nur die Wahl, Backwaren und Getränke zum Verzehr mitzunehmen", sagt Härdtner.

  • Häußermanns Ochsen, Ilsfeld:

Wenn eine neue Corona-Verordnung erlassen wird, schaut Ralph Häußermann vom Ochsen in Ilsfeld erstmal nach Bayern: "In der bayerischen Verordnung war von Anfang an alles genau erklärt." Etwa, dass die 1,5 Meter Abstand zwischen Gästen und nicht zwischen Tischen gelten. Die baden-württembergische Corona-Verordnung enthalte dagegen unklare Begriffe und zu wenige Erklärungen, sagt Häußermann. Außerdem gebe es keine Übersetzung in polnisch oder türkisch, was die Kommunikation mit seinen Mitarbeitern erschwere. Papierformulare für die Datenerhebung werden Gästen in die Hand gedrückt und liegen an Tischen aus. "Die Gäste akzeptieren das. Wir haben noch keine negativen Rückmeldungen bekommen." Nach vier Wochen würden die Formulare "im Feuer" landen.

Wer in der Gaststätte am Michaelsberg neben dem Freizeitpark Tripsdrill essen möchte, wird am Eingang aufgehalten. Gäste müssen ihre Daten hinterlassen.
Foto: privat
Wer in der Gaststätte am Michaelsberg neben dem Freizeitpark Tripsdrill essen möchte, wird am Eingang aufgehalten. Gäste müssen ihre Daten hinterlassen. Foto: privat  Foto: Donauer, Christoph
  • Gaststätte am Michaelsberg, Cleebronn:

Bevor die Gaststätte am Michaelsberg öffnen konnte, wurde der Eingang abgesperrt. Nun müssen Gäste ihre Daten an einem Stehtisch hinterlassen. Auf dem Weg zum Platz durch den Biergarten müssen sie zur Sicherheit Maske tragen. "Das funktioniert gut, wenn die Leute sie nicht vergessen haben", sagt Inhaberin Sandra Gries. Anfangs konnten sieben Gäste ihre Daten auf einem Formular sammeln. Das habe jedoch nicht funktioniert, viele seien skeptisch gewesen. Jetzt gilt: Pro Person ein Formular. "Das Problem ist: Wir haben nach einer Woche schon anderthalb Ordner gefüllt." Und das, obwohl es wegen des Sicherheitsabstands nur 100 Sitzplätze statt 180 gebe. Die Formulare sollen nach vier Wochen an einen Dienstleister für Aktenvernichtung gehen.

  • Weinhaus Vinum, Heilbronn:
Im Weinhaus Vinum am Heilbronner Marktplatz teilt David Radeljak schmale Zettel aus, auf denen Gäste ihre Daten hinterlassen müssen. Die meisten haben dafür Verständnis.
Im Weinhaus Vinum am Heilbronner Marktplatz teilt David Radeljak schmale Zettel aus, auf denen Gäste ihre Daten hinterlassen müssen. Die meisten haben dafür Verständnis.  Foto: Christoph Donauer

Im Vinum hat das Coronavirus dafür gesorgt, dass es keine Speisekarten mehr gibt. Die Essensauswahl steht nun auf mehreren Tafeln, aus Hygienegründen. Sechs Tische weniger als sonst stehen nun auf dem Heilbronner Marktplatz, im Restaurant fehlen zehn. "Ich bin dennoch froh, dass ich wieder arbeiten kann", sagt David Radeljak, der im Vinum bedient.

Ihre Daten können die Gäste auf langen schmalen Papierzetteln eintragen. "Viele haben gesagt: ,Ihr habt wenigstens kleine Zettel"", erzählt Radeljak. Die meisten hätten nichts dagegen, Kontaktdaten zu hinterlassen. "Die Leute wissen, dass sie es machen müssen und wozu das gut ist."

 

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