Ostern in der Fremde: Wie ukrainische Geflüchtete das Fest der Auferstehung in der Region feiern
Auch wenn sie in Gedanken viel in ihrem Heimatland sind, wollen ukrainische Schutzsuchende in der Region schöne Osterfeiertage verbringen. Wir haben drei Familien besucht und sie gefragt, was geplant ist.

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Ostern steht vor der Tür. Das Fest der Auferstehung und der Hoffnung. Wie feiern Schutzsuchende aus der Ukraine? Ist ihnen überhaupt zu feiern zumute, wo doch in ihrem Heimatland Krieg herrscht? Die Heilbronner Stimme hat drei Familien in der Region besucht und nachgefragt.
Wenn Nastia Kolomiiets an Ostern denkt, wie es früher war, dann hat sie einen riesen Tisch vor Augen, Stühle, die von überall hergeschafft wurden, um Platz für mindestens 20 Mann zu schaffen. Aus allen Teilen des Landes ist die Familie zusammengekommen. "Das Eiertitschen mag mein Mann besonders", sagt die 30-Jährige. Jetzt sieht sie ihn nur über Videotelefonie, aber immerhin, nach dem Abzug der russischen Truppen aus Kiew, ist er aus der Tiefgarage, in der er die Bombennächte verbracht hat, zurück in ihrem Haus. "Ich vermisse ihn", sagt ihre Tochter Dana (sechs Jahre).
Dankbar für die Gastfreundschaft
Vom Onkel in Mariupol haben sie seit März nichts gehört. Nastia Kolomiiets spricht vom Genozid, von der Sorge um den Onkel, aber sie strahlt auch Optimismus aus. Sie ist dankbar für die Gastfreundschaft von Henrik May, der sie mit ihren zwei Kindern und der Mutter in Heilbronn im Zimmer des ausgezogenen Sohnes wohnen lässt. Ostern backt sie mit seinen Töchtern Line (15) und Ida Maria (17).
Anna Dubinkina und ihr Sohn Daniiel sind seit März in Deutschland, genauer gesagt in Heilbronn-Biberach. Dort wohnen sie bei Silvia und Peter Böhringer. Die Eltern ihrer Schwiegertochter kommen aus der Ukraine. So war der Kontakt zum Land schon immer da.

In einer Hauruck-Aktion habe man spontan alles mobilisiert und Dubinkina und ihren Sohn Daniiel aufgenommen. "Wir haben uns moralisch dazu verpflichtet gefühlt", sagt Silvia Böhringer, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs: "Die Bilder im Fernseher machen betroffen."
Frauen versuchen positiv zu bleiben
Trotz dem Schrecken in ihrem Heimatland seien die Frauen - in Biberach sind bisher fünf Frauen und vier Kinder untergekommen - ganz positiv gestimmt. "Sie möchten ankommen, die Sprache lernen, sich integrieren", beobachtet die 57-Jährige. Über Ostern wird Familie Böhringer für einen Kurztrip ins Allgäu verreisen. Dann sind Anna und ihr Sohn zum ersten Mal alleine im Haus. Aber das Mutter-Sohn-Gespann freut sich, übersetzt Irina Conrad aus dem ukrainischem.
So werden Anna und ihr zehnjähriger Sohn am Ostersonntag eine Grillparty im Garten feiern mit Dosenwerfen und kleinen Rätseln zum Lösen. Svetlana Chubko, die bei Irina Conrad wohnt, wird auch kommen. Da das Fest der Auferstehung in der Ukraine erst am 24. April ist, wird dieses Jahr quasi zweimal Ostern gefeiert. "Wir versuchen das für die Kinder zu machen", sagt Anna Dubinkina, die in Gedanken viel in der Heimat ist.
Auch in Bad Friedrichshall-Kochendorf will man das Beste aus der Situation machen. Lina Aramyan wohnt mit ihrer vierjährigen Tochter Anastasiia bei ihrer Schwägerin Julia Merkel. Sie kommen aus Kiew. Zwischenzeitlich haben Julia Merkel und ihr Mann elf Schutzsuchende und einen Hund aufgenommen. Es war so eng, dass in Schichten gefrühstückt werden musste, erinnert sich Walter Merkel.
Traditionelle Pas'cha wird gebacken
An Ostern haben sie viel vor: Am Karfreitag wurde Fisch gegrillt. Am Samstag geht es in den Freizeitpark Tripsdrill. Und am Sonntag wird zusammen gefrühstückt. Und natürlich Eier, Süßigkeiten und Geschenke zum Suchen versteckt. So etwas wie einen Osterhasen gibt es in der Ukraine nicht, weiß Walter Merkel. Jetzt, wo die vierjährige Anastasiia über ihn Bescheid weiß, frage sie jeden Tag nach ihm.
Am 24. April geht es nach Stuttgart in eine ukrainische Kirche zum Gottesdienst, und es wird eine Pas'cha gebacken, ein traditionell ukrainisches Ostergebäck. Lina Aramyan versucht, sich die Sorgen über den Krieg vor ihrer Tochter nicht anmerken zu lassen, sagt sie. "Kinder fühlen, was los ist. Auch wenn sie nicht alles verstehen."
In der Ukraine gilt Ostern als das herausragendste Fest des gesamten Kirchenjahres. Wie überall in den Einflussgebieten der orthodoxen Kirchen wird Ostern in Anlehnung an das jüdische Pessach-Fest, Pascha genannt, gefeiert. Auch in der Ukraine wird zu Ostern gebacken. Zum Beispiel der traditionelle Osterkuchen "Kulitsch". Als weitere kulinarische Spezialität gilt der pyramidenförmige Quarkkuchen namens "Pascha". Auch Ostereier werden durch verschiedene Wachs- und Batiktechniken koloriert.


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