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Prozess in Heilbronn
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Nach dem Messerangriff in der Heilbronner Innenstadt überlebt das Opfer nur mit Not-OP

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Versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen wird einem 38-Jährigen vorgeworfen. Er soll nach einer brutalen Schlägerei mit einem Messer zugestochen haben. So lief der Prozessauftakt im Heilbronner Landgericht.

Wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags und der schweren Körperverletzung in der Heilbronner Kirchbrunnenstraße muss sich ein 38-Jähriger seit Donnerstagnachmittag vor dem Landgericht verantworten.
Foto: Mario Berger
Wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags und der schweren Körperverletzung in der Heilbronner Kirchbrunnenstraße muss sich ein 38-Jähriger seit Donnerstagnachmittag vor dem Landgericht verantworten. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Nach einer mutmaßlichen Schlägerei am 4. Januar dieses Jahres in der Heilbronner Kaiserstraße auf Höhe des Rathausplatzes soll ein 38-jähriger Heilbronner gegen 21 Uhr zwei Männer verfolgt und in der Kirchbrunnenstraße auf der anderen Seite der Kilianskirche mit einem Messer angegriffen haben. Dabei soll eines der beiden Opfer so schwer verletzt worden sein, dass der Mann nur mit einer Notoperation überlebte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem deutschen Staatsbürger russischer Herkunft versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der Beschuldigte muss sich seit Donnerstag vor der Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts verantworten.

 


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Beim Prozessauftakt in Heilbronn hält der Angeklagte seine Hände vors Gesicht

Vor den Kameras der Pressefotografen schützte der sichtlich erschrockene Angeklagte sein Gesicht mit hektischen Armbewegungen, als ihn die Justizvollzugsbeamten in Handschellen zur Anklagebank führten. Im Zuschauerraum saß seine Familie. Wenn sich der Angeklagte zu ihnen umdrehte, strahlte er. Seit 5. Januar sitzt der gelernte Industriemechaniker in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall in Untersuchungshaft.

Trotzdem musste zumindest das Kleinkind den Großen Verhandlungssaal verlassen. "Ich weiß ja nicht, ob das, was wir hier verhandeln, das Richtige für Kinder ist", sagte der Vorsitzende Richter Martin Liebisch. Aber wenn die Eltern dieser Meinung seien, dürfe es zumindest die Verhandlung nicht stören und müsse ruhig sein. Auch, wenn es gerade mit dem Fläschchen gestillt wird.

 


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Diese Markierung in der Kirchbrunnenstraße deutet darauf hin, dass die Polizei hier eine Tatwaffe fand.
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Brutale Gewalt in Heilbronner Innenstadt entsetzt Anwohner und Passanten


 

Handyvideos zeigen brutale Szenen in der Heilbronner Innenstadt

Was folgte, waren brutale Szenen. Mehrere abgespielte Handyvideos zeigten eine Schlägerei zwischen mehreren Personen auf der Kaiserstraße. Laut Anklage handelt es sich dabei um den Beschuldigten und seinen Begleiter, der sich mit weiteren Personen prügelte. Dabei soll der Begleiter des Angeklagten zu Boden gegangen sein, während einer der Gegner trotzdem immer wieder auf ihn einschlug. Der Angeklagte selbst ist offenbar ebenfalls zu Boden gegangen.

Ein weiteres Video zeigt einen Mann, der wenige Minuten später in der Kirchbrunnenstraße strauchelte und offensichtlich blutete. Die Filmsequenzen sind kurz. Doch die Standbilder zeigen laut der auswertenden Polizeibeamtin, dass unter anderem der Beschuldigte an der Prügelei beteiligt gewesen ist.

 


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Messerstiche verursachen schwerste Verletzungen

Laut Staatsanwalt soll der Angeklagte nach dem ersten gewaltsamen Aufeinandertreffen in der Kaiserstraße den davonlaufenden Kontrahenten gefolgt sein. In der Kirchbrunnenstraße soll er sie schließlich gestellt und mit einem Faustmesser mit einer Klingenlänge von sechs Zentimetern zugestochen haben. Dabei soll die Wucht der Stiche so groß gewesen sein, dass einem der Opfer die Brustschlagader durchtrennt und der untere Lungenlappen sowie das Herz verletzt wurden. Darüber hinaus soll er einen hämorrhagischen Schock erlitten und lebensgefährlich viel Blut verloren haben.

Das zweite Opfer konnte den Messerstichen in Richtung Kopf- und Brustbereich ausweichen. Er erlitt Schnittwunden am linken Oberarm und an der rechten Handkante. Beiden Geschädigten sei schließlich die Flucht gelungen. Laut Staatsanwalt ließ der Angeklagte erst dann von seinem Vorhaben ab, die Männer zu töten, als er gesehen habe, dass er sein Ziel nicht erreichen werde.

Passant wendet sich an Polizeistreife

Ein Passant habe den Angeklagten mit dem Messer gesehen, sagte ein zwischenzeitlich alarmierter Beamter vom Kriminaldauerdienst im Zeugenstand. Der Passant sei Richtung Fischergasse gelaufen und habe sich zunächst hinter einem geparkten Auto versteckt. Der Angeklagte sei ihm gefolgt. Schließlich sei der Zeuge zum Rathausplatz gelaufen, wo mittlerweile eine Polizeistreife eingetroffen war.

Von ihm erfuhren die Beamten, dass der Angeklagte bei der Schlägerei dabei war. Der Beschuldigte bestritt gegenüber der Polizei seine Beteiligung. Er sei mit einem E-Scooter einer Gruppe von Menschen ausgewichen und habe dabei einen Unfall gebaut. Laut dem Beamten soll der mutmaßliche Messerstecher aber auch gesagt haben, dass er seit 20 Jahren hier wohne und Feinde haben. Damit gemeint habe er Araber.

40 Zeugen und drei Sachverständige sind geladen

Die Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts hat für den Prozess gegen den 38-jährigen Angeklagten sieben Verhandlungstage angesetzt. Es sind drei Sachverständige und 40 Zeugen geladen. Laut Anklage soll sich der Beschuldigte Anfang Januar gegen 21 Uhr in der Innenstadt geprügelt und mit dem Messer zugestochen haben. Die Verhandlung wird am Freitag, 7. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt.

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