Mundschutzregel trübt die Shopping-Lust
Die meisten Kunden akzeptieren die Corona-Vorschriften. Doch durch die Mundschutzregel legen sie ein anderes Kaufverhalten an den Tag. Das fällt auch den Einzelhändlern auf.
Obwohl die Innenstadt von Heilbronn am Wochenende gut besucht ist, will bei vielen keine ausgelassene Shopping-Stimmung aufkommen. Nach wie vor gilt die Regel: Wer in einen Laden möchte, muss einen Mund- und Nasenschutz tragen. Von den meisten wird das auch anstandslos akzeptiert, wenngleich die Vorschrift als unangenehm und einschränkend empfunden wird. Viele beschränken ihren Einkauf deshalb auf das Nötigste. Das veränderte Kaufverhalten fällt auch Ladenbesitzern auf.
Wartezeiten vor den Geschäften

Vor dem Juweliergeschäft Christ warten einige Personen darauf, dass ihnen der Zutritt gewährt wird. Im Moment ist im Geschäft die erlaubte Kundenanzahl von maximal sieben erreicht. Auch Hisnija Schilling wartet in der Schlange. "Ich finde die Vorschriften sind eine bessere Alternative, als wenn es eine Sperre gäbe und man zuhause bleiben müsste", findet die Erlenbacherin.
Trotzdem versuche sie, die Erledigungen im stationären Geschäft auf ein Minimum zu begrenzen. Auch wegen der Wartezeit. Drogerieartikel bestelle sie oft im Internet. "Ich gehe deutlich weniger einkaufen. Heute muss ich aber einen Ring umtauschen, und das geht online nicht."
Einige Meter weiter steht Ali Altamimi am Eingang einer großen Schuhladen-Kette. Altamimi kontrolliert, ob die Leute, die den Laden betreten, einen Mundschutz tragen. "Und der sollte nicht nur den Mund bedecken, sondern auch über die Nase gehen", betont der Mitarbeiter und zeigt auf einen Tisch, auf dem ein Behälter mit Desinfektionsmittel steht. "Die Kunden müssen sich auch die Hände desinfizieren, denn sie fassen die Schuhe an."
Gezielt Kaufen, statt Bummeln

Auch gegenüber bei Galeria-Kaufhof überwacht ein Mitarbeiter die Mundschutz-Pflicht bei den Besuchern. Elektrische Frequenzmesser zählen außerdem die Kunden. Über eine App auf dem Handy hat Geschäftsführer Wolfram Struth so die Kundenanzahl immer im Blick. "Pro zehn Quadratmeter ist ein Kunde erlaubt", erklärt Struth. 14.700 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Geschäft. Wenn 90 Prozent der Kapazität erreicht sind, bekommt Struth eine Benachrichtigung auf sein Smartphone. Dann wird einer der drei Eingänge geschlossen.
Struth beobachtet eine verhaltenere Kaufeinstellung bei den Menschen. "Die meisten kommen und kaufen gezielt. Das typische Shoppen und Bummeln ist nicht so ausgeprägt." Er führe das mehr auf die Einschränkung durch den Mundschutz zurück, als auf die Angst vor einer Infektion. "Das ist anstrengend. Ich habe großen Respekt vor den Mitarbeitern, die die Maske den ganzen Tag tragen."
Trotz Beratung wird weniger vor Ort geshoppt

In der Boutique von Petra Kern hat Marina Klassen gerade zwei Hosen erstanden. "Ich kaufe Kleidung lieber im Laden, vor allem wegen der Beratung", erklärt die Stammkundin. Doch durch die Corona-Regeln gehe sie seltener vor Ort shoppen. Viva-Inhaberin Petra Kern kann das nachempfinden: "Es ist nicht so angenehm, Sommerkleider anzuprobieren, wenn man eine Maske im Gesicht hat."
"Viele schimpfen über die Masken, weil sie darunter schlecht Luft bekommen", berichtet auch Detlef Strecker vom gleichnamigen Sport- und Modegeschäft in Gemmingen. "Einige gehen deshalb in keinen Laden mehr, sondern bestellen. Dadurch boomt das Onlinegeschäft, aber für kleine Läden ist das nicht gut." Er erlebe das Kaufverhalten als sehr zurückhaltend. "Im Sportbereich ist es noch weniger. Die Leute wollen erst wieder kaufen, wenn sie auch ihren Sport wieder machen können."
Verordnung
Gemäß der Verordnung des Wirtschafts- und des Sozialministeriums müssen Ladenbetreiber Kunden darauf hinweisen, dass zu Mitarbeitern und anderen Kunden grundsätzlich ein Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten ist. Außerdem sind Kunden verpflichtet, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Anzahl der Kunden im Geschäft hängt von der Verkaufsfläche ab. Sie ist einschließlich der Beschäftigten auf eine Person je 10 Quadratmeter Verkaufsfläche beschränkt.

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