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Landrat macht Hoffnung auf Wasserstoff-Region und Zabergäubahn

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Detlef Piepenburg erläutert im Stimme-Interview, was sich im Landkreis Heilbronn noch tut in diesem Jahr. Eine neue Flüchtlingskrise würde die Behörden vor noch größere Probleme stellen als beim letzten Mal.

Im Landkreis Heilbronn soll die Umstrukturierung der SLK-Kliniken in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auf Schiene und Straße steht noch einiges an. Landrat Detlef Piepenburg erläutert im Interview mit unserer Zeitung, was ihn derzeit umtreibt.

Herr Piepenburg, vieles, was vor einigen Jahren auf der Schiene noch unvorstellbar war, scheint heute möglich. Steht Ihr Fahrplan für das, was auf der Frankenbahn kommen soll?

Detlef Piepenburg: Jetzt fahren die neuen Betreiber erst ein paar Wochen. Wir haben lange auf diesen Punkt hingearbeitet. Dass die Umstellung auf neues Wagenmaterial und neues Personal nicht problemlos erfolgt, hatte ich erwartet. Ähnliche Erfahrungen mussten wir bei der Stadtbahn Nord machen.
 

Zur Person

Detlef Piepenburg (63) ist seit 2005 Landrat des Landkreises Heilbronn. Der Jurist war Ende der 80er Jahre Baudezernent des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Nach weiteren Stationen unter anderem im Umweltministerium kam er 1994 als Erster Landesbeamter ans Landratsamt Heilbronn. 1997 bis 2005 war er Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis. Heute ist er auch Vorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG). Piepenburg wohnt in Bad Rappenau, ist verheiratet und hat zwei volljährige Kinder. 
Foto: Andreas Veigel
Zur Person Detlef Piepenburg (63) ist seit 2005 Landrat des Landkreises Heilbronn. Der Jurist war Ende der 80er Jahre Baudezernent des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Nach weiteren Stationen unter anderem im Umweltministerium kam er 1994 als Erster Landesbeamter ans Landratsamt Heilbronn. 1997 bis 2005 war er Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis. Heute ist er auch Vorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG). Piepenburg wohnt in Bad Rappenau, ist verheiratet und hat zwei volljährige Kinder. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Erwarten Sie vom Land, dass noch einmal nachgebessert wird?

Piepenburg: Wo Mängel bestehen, ja. Darauf drängen wir.
 

Es besteht nun auch die Chance, die Eingleisigkeit auf der Frankenbahn bei Möckmühl zu beseitigen.

Piepenburg: Die Chance hat die Bahn bereits seit Jahren. Leider hat sie da bisher nichts getan. Der Landkreis hat dagegen gemeinsam mit der Stadt Möckmühl und mit finanzieller Unterstützung des Landes dafür gesorgt, dass durch Ausbaumaßnahmen der Stundentakt möglich wird. Je mehr Verkehr allerdings auf die Strecke kommt, desto mehr wird das zweite Gleis gebraucht. Es ist aber eine von vielen anstehenden Maßnahmen auf der Strecke.
 

Dem Fahrgast sind dagegen die Fahrpreise nicht ganz egal. Der HNV hat seine gerade erst wieder erhöht. Sind die Träger-Kreise da nicht gefragt?

Piepenburg: Allein der Preis ist es nicht, auch die Infrastruktur muss das leisten können. Es ist ein komplexes System, wo man sich Verbesserungspotenziale im Detail anschauen muss. Wenn ich die Kapazitäten erweitern möchte, dann kostet das richtig viel Geld. Mit Schnellschüssen sollte man vorsichtig sein. Selbst Subventionen wie das Jobticket führen nicht automatisch zum Umstieg auf den ÖPNV.
 

Wo steht der Mobilitätspakt Heilbronn-Neckarsulm?

Piepenburg: Wir sind mittendrin. Da zeigt sich, dass wir beim ÖPNV und beim Radverkehr viel zu tun haben, aber auch bei mancher Straße. Die Neckartalstraße und die B27 sind an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Zuständig für den Ausbau sind Land und Bund. Deshalb ist es wichtig, dass im Mobilitätspakt alle an einen Tisch kommen.
 

Viel Publicity hat in den vergangenen drei Jahren ein Radweg bei Möckmühl bekommen, weil er so nicht hätte gebaut werden dürfen. Wann machen Radwege in der Region wieder positive Schlagzeilen?

Piepenburg: Am besten gleich. Vier Millionen investiert der Landkreis hier bis 2023. Wir haben die Radwegekonzeption noch einmal überarbeitet, da wird es einige Verbesserungen geben. Außerdem plant das Land die Radschnellverbindung nach Bad Wimpfen. Wir stellen erfreut fest, dass mehr und mehr Menschen Rad fahren und das E-Bike eine immer wichtigere Rolle spielt. Zu Möckmühl bleibt aber festzuhalten: Der Radweg ist nicht geduldet und nicht genehmigt, er ist nur da, und wir lassen ihn nicht zurückbauen, weil die Stadt Möckmühl Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle durchführt und ein Rückbau damit unverhältnismäßig wäre. Aber er führt durch ein rechtlich geschütztes Gebiet. Recht muss für und gegen jedermann gelten. Wir können nicht akzeptieren, dass diejenigen, die für die Einhaltung von Recht und Ordnung einzustehen haben, dagegen verstoßen.
 

Bedauern Sie rückblickend, dass die Hohenloher Krankenhaus-Gesellschaft aus der regionalen Gesundheitsholding ausgestiegen ist?

Piepenburg: Ja. Wir hatten etwas erreicht, was wir nicht wiederholen können. Allein aus kartellrechtlichen Gründen könnte man den Verbund heute nicht mehr auf die Beine stellen.
 

Sie sind auch Vorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft BWKG. Gilt die SLK im Land als Modell für andere?

Piepenburg: Möglicherweise. Wir haben klare Schwerpunkte in den Häusern am Gesundbrunnen und am Plattenwald geschaffen. In Möckmühl und Brackenheim werden wir bis Ende des Jahres die medizinischen Versorgungszentren einweihen, die ebenfalls Vorbildcharakter haben.
 

Weltpolitisch bewegt sich einiges in die falsche Richtung. Eine neue Flüchtlingswelle ist nicht ausgeschlossen. Ist der Landkreis vorbereitet?

Piepenburg: Wir haben noch mit den Aufgaben von 2015 zu tun. Wir mussten uns bei der Unterbringung zwischendurch ja mit Containern und Zelten behelfen. Die mehr als 4000 Flüchtlinge, die wir aufgenommen haben, sind inzwischen zum Großteil in der Anschlussunterbringung bei den Kommunen.
 

Welche Aufnahmekapazitäten hätten Sie momentan kurzfristig?

Piepenburg: Wir halten keine Leerplätze vor. Wenn erforderlich, müssen neue Unterkünfte gefunden werden. Das würde noch schwerer werden als 2015, weil ein Großteil der Unterkünfte nicht mehr zur Verfügung steht.
 

Die Flüchtlingskrise hat auch die politische Atmosphäre im Land verändert. Würden Sie in der Kommunikation beim nächsten Mal irgendetwas anders machen?

Piepenburg: Schönreden hilft nicht. Aber schlechtreden auch nicht. Es geht darum, wie man mit einer Situation umgeht. Und es geht um Integration. Die Menschen, die gekommen sind, müssen integriert werden.
 

Der Tourismus liegt Ihnen am Herzen. Die Marke Heilbronner Land ist regional eingeführt. Welche Impulse kann man jetzt noch geben?

Piepenburg: Man darf nicht vermessen sein. Beim Binnenmarketing hat unser Engagement sehr viel gebracht, weil die Teilräume jetzt zueinander finden. Wir haben für Kurzurlaube viel zu bieten, und das müssen wir gemeinsam vermarkten. Unsere Anstrengungen in der Vergangenheit haben sich ausgezahlt, und Kooperationen stehen wir weiterhin offen gegenüber.
 

In Heilbronn sind die Nachwirkungen der Buga förmlich zu greifen. Was bleibt im Umland?

Piepenburg: Erstmal wünsche ich mir, dass das Gefühl möglichst lange anhält, und ich freue mich über die Einbindung des Neckars. Heilbronn hat seine Aufgabe als Oberzentrum wahrzunehmen. Davon profitieren wir alle.
 

Die traditionelle Wirtschaft im Landkreis steht zum Großteil sehr gut da, der Automobilsektor schwächelt aber.

Piepenburg: Ich glaube nicht, dass wir ein schlagartiges Aus des Verbrennungsmotors erleben. Dennoch muss man auf mögliche Veränderungen bedacht sein. Das Thema Wasserstoff wird jetzt eine größere Rolle spielen. Es gibt ein Großprojekt des DLR am Standort Lampoldshausen. Ich habe beim Land für das Projekt geworben; der Standort Lampoldshausen bekommt 16 Millionen Euro. Damit soll ein weiterer Elektrolyseur errichtet werden, um deutlich mehr Wasserstroff produzieren zu können.
 

Wer ist bei dem Projekt mit an Bord?

Piepenburg: DLR, ZEAG und Audi. Projektleiter ist unsere Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn. Wir wollen mit der Windenergie aus dem Harthäuser Wald im großen Umfang Wasserstoff produzieren. Das will sich auch Audi zunutze machen. Audi hat sein Kompetenzzentrum Wasserstoff für den ganzen Konzern in Neckarsulm. Und vielleicht werden solche Autos auch einmal in Neckarsulm gebaut. Wichtig ist auch, dass die Tankstelleninfrastruktur für Wasserstoff ausgebaut wird und der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen ändert, damit grüner Wasserstoff gegenüber Wasserstoff aus der chemischen Industrie wettbewerbsfähig wird.
 

2021 steht die Wahl des Landrats an. Was wollen Sie noch hinkriegen?

Piepenburg: Da gibt es einiges: den zweiten Bauabschnitt am Gesundbrunnen, die Planungen für das Kreisberufsschulzentrum und die weitere Verbesserung der Mobilität. Hier steht die Zabergäubahn ganz vorn. Denn wenn nicht jetzt, wann dann? Ich gehe davon aus, dass momentan so viel Geld wie selten zuvor zur Verfügung steht. Vielleicht bekommen wir sogar das Problem der hohen Betriebskosten, die von den Anliegerkommunen getragen werden müssten, in den Griff. Wir setzen da aufs Land. Vielleicht geht damit der Plan auf, den richtigen Moment abzuwarten.
 

Und 2021 treten Sie noch einmal an?

Piepenburg: Das entscheide ich zu gegebener Zeit.

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