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Lärmbelastung durch Motorräder: Auf vielen Biker-Strecken ist es zu laut

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Das Verkehrsministerium hat 93 Biker-Strecken mit hohem Motorradaufkommen, darunter sieben im Landkreis Heilbronn, in den Fokus genommen. Das Ergebnis zeigt eine enorme Lärmbelastung.

Die Löwensteiner Berge sind ein beliebtes Gebiet für Motorradausfahrten in der Region. Auch in der Umgebung herrscht große Frustration ob der hohen Lärmbelastung durch Biker.
Die Löwensteiner Berge sind ein beliebtes Gebiet für Motorradausfahrten in der Region. Auch in der Umgebung herrscht große Frustration ob der hohen Lärmbelastung durch Biker.  Foto: Archiv/Gleichauf

Auf manchen beliebten Biker-Strecken im Land sind bei schönem Wetter am Wochenende zeitweise mehr Motorradfahrer unterwegs als Autos. Und Motorräder sind deutlich lauter als Autos. Jede dritte schwere Maschine erreicht einen Schallpegel von mehr als 90 dB(A).

Das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. Nur vier Prozent der Pkw kommen auf diesen Wert. Das zeigt eine Untersuchung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg zum Motorradlärm. 93 Strecken mit hohem Motorradaufkommen, darunter sieben im Landkreis Heilbronn, wurden in den Fokus genommen.


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14 Tage lang Daten gesammelt

Die Zählgeräte an den Leitpfosten waren 2020 und 2021 für jeweils rund 14 Tage aufgebaut. Die Auswertung der Daten brachte auch dieses Ergebnis: Nur elf Prozent der Motorräder sind am Wochenende leiser als 70 dB(A), bei den Pkw sind es 32 Prozent. Beschleunigung auf kurvigen Strecken oder am Ortsausgang seien vor allem für hohe Lärmpegel verantwortlich, teilt das Verkehrsministerium auf Anfrage der Heilbronner Stimme mit.

Staatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) spricht von einer enormen Lärmbelastung. "Gerade an Wochenenden bei schönem Wetter werden Anwohner von vielen Motorrädern beschallt." Das führe zwangsläufig zu Konflikten, heißt es in der Pressemitteilung.


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Motorradlärm: Auf die Untersuchung müssen Konsequenzen folgen


 

Vor allem am Wochenende

Dass bei idealen Bedingungen mehr Biker samstags und sonntags ihrem Hobby frönen, liegt auf der Hand. Die Messungen ergaben: Doppelt so viele, auf manchen Strecken waren es sogar sieben- bis neunmal mehr Motorräder als unter der Woche. Zwischen Sasbachwalden und Seebach im Ortenaukreis waren 36 Prozent der Fahrzeuge Motorräder, am Wochenende jedes zweite Fahrzeug.

Zum Vergleich eine der Zählstellen aus dem Landkreis Heilbronn: An der B39 zwischen Löwenstein-Hirrweiler und Wüstenrot kamen Bikes auf einen Anteil von 13 Prozent am Verkehrsaufkommen. Diese 3665 Motorräder, die vom 7. bis 20. Juli 2020 beim Parkplatz Enzwiesen erfasst wurden, wurden getoppt vom Spitzenreiter, der Schwarzwaldhochstraße, der B500, mit 4740 schweren Maschinen in einer Fahrtrichtung.

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Was dagegen tun

Als Vorzeigeprojekt und einmalig bezeichnet das Verkehrsministerium die Untersuchung. Weil sie Hinweise auf Lärm-Brennpunkte liefere und auf mögliche Maßnahmen, wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder zeitliche Fahrverbote. Mit den Messdaten ließen sich die Diskussion um Motorradlärm versachlichen und weitere Untersuchungen der Strecken vornehmen. Die Lärmpegel seien zu hoch, lautet das Fazit.

Staatssekretärin Zimmer sieht Parallelen zum Abgasskandal bei Diesel-Pkw. Die Grenzwerte würden zwar am Prüfstand eingehalten, nicht jedoch auf der Straße. "Motorräder müssen leiser werden", lautet Zimmers Forderung. Sie appelliert an die Biker: "Eine rücksichtsvolle und leise Fahrweise ist im Interesse aller." Zimmer hat kein Verständnis dafür, dass Motorräder bewusst auf laut getrimmt werden. "Lautes Fahren und unnötiges Hin- und Herfahren geht immer zu Lasten anderer und deren Gesundheit."

"Die geltende Rechtslage ist aus Sicht des Lärmschutzes unzureichend", schiebt das Ministerium gegenüber der Heilbronner Stimme nach. Die europäischen Regelungen für die Typengenehmigung neuer Motorräder sei ungenügend. Die EU müsse die Genehmigungs- und Zulassungsregeln überarbeiten. Niedrige Lärmgrenzwerte und realitätsnahe Messzyklen werden gefordert.

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