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Petition zur Frühchen-Versorgung im Bundestag

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Kinderkliniken müssen künftig mehr Frühgeborene als bisher behandeln, um die Versorgung bezahlt zu bekommen. Welche Auswirkungen das auf die Kliniken in der Region Heilbronn-Franken hat.

von Julia Haaga
Ein Baby wird auf einer Station für Extrem-Frühgeborene untersucht. Vielen Kreißsälen droht derzeit das Aus. Die politischen Verhandlungen sind in vollem Gang, um die Versorgung von Frühchen weiterhin zu gewährleisten.
Foto: Jens Büttner (dpa)
Ein Baby wird auf einer Station für Extrem-Frühgeborene untersucht. Vielen Kreißsälen droht derzeit das Aus. Die politischen Verhandlungen sind in vollem Gang, um die Versorgung von Frühchen weiterhin zu gewährleisten. Foto: Jens Büttner (dpa)  Foto: Jens Büttner

Zwischen Heilbronn und Nürnberg sowie zwischen Würzburg und dem Ostalbkreis können einige Frühgeborenen-Intensivstationen künftig einige keine sehr kleinen Frühgeborenen mehr versorgen. Lange Wege müssten werdende Mütter für die lebensrettende Versorgung von extrem Frühgeborener in Kauf nehmen. Für Risikoschwangere eine Zumutung und zusätzliche Gefährdung, erklärte der Förderverein Klinik für Jugendliche und Kinder in Schwäbisch Hall heraus. Babys mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm sollen weiterhin in Schwäbisch-Hall im Diakoniekrankenhaus und in weiteren Häusern versorgt werden. Dafür macht sich eine Petition stark, die es am Donnerstag in den Bundestag geschafft hat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss will die Mindestanzahl extrem kleiner Neugeborener unter 1250 Gramm von 14 auf 25 erhöhen. Ab Januar 2024 wären elf von 21 Zentren in Baden-Württemberg von einer Schließung bedroht.

Sprecherin des Hohenloher Krankenhauses: Weitere Wege für Patienten 

Ute Emig-Lange, Sprecherin des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen und des Caritas Krankenhauses in Bad Mergentheim erklärt, dass höhere Mindestbelegungen bei verschiedenen Erkrankungen trotz guter Behandlungsqualität im ländlichen Raum zu weiteren Wegen für die Patienten führten. Dies gelte auch für die Versorgung der frühen Frühgeborenen.

"Im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen entbinden wir in der Regel Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche", erläutert Roland Csorba, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Treten bei einer Schwangeren früher Probleme auf, verlege man sie noch vor der Geburt in ein Perinatalzentrum. Im Caritas-Krankenhaus gibt es nur sehr wenige sehr früh Geborener, sagt Christian Willaschek, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. "Wir entbinden Babys ab einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm bei Frauen nach der 32. Schwangerschaftswoche. Treten früher Probleme auf, verlege man die Schwangeren an die Universitätsklinik Würzburg, um die Anfahrtswege für die Eltern zu verkürzen. Nach einer ersten Phase werden die Frühchen dann in die Frühgeborenen-Intensivstation ins Caritas-Krankenhaus nach Bad Mergentheim zurückverlegt. "So können wir die Entwicklung der wichtigen Eltern-Kind-Bindung in dieser frühen Lebensphase unterstützen und die Belastung durch die Anfahrtszeiten für die Eltern senken."

Die SLK-Kliniken könnten an ihre Grenzen kommen

Auch beim Kreistagsausschuss in Künzelsau war die Versorgung am Diakoniekrankenhaus ein Thema. Landrat Matthias Neth forderte die Bürgermeister des Hohenlohekreises zur Unterzeichnung der Petition auf. "Wenn alle Frühchen-Fälle in der Region künftig nur noch am Gesundbrunnen in Heilbronn behandelt werden, kommt man auch dort an Kapazitätsgrenzen", gab Neth zu Bedenken. "Die Geburtsmedizin und damit auch die Versorgung von Frühchen ist im Allgemeinen nicht oder nur sehr bedingt planbar", erklärt SLK-Sprecher Mathias Burkhardt. "Tage beziehungsweise Phasen mit vielen Geburten wechseln sich ab mit Zeiten, in denen es ein wenig ruhiger ist." Oft ändere sich das innerhalb weniger Stunden. "Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass die Geburtsmedizin am Gesundbrunnen auch an ihre Grenzen kommen kann. Die Abstimmungen zwischen den Kliniken auf regionaler als auch auf Landesebene und gegebenenfalls darüber hinaus sollten noch effizienter werden, um werdenden Müttern und Eltern "bestmöglich gerecht zu werden". 17 Petitionen aus ganz Deutschland seien eingegangen, erklärt Valentin Abel, Bundestagsabgeordneter der FDP-Fraktion. "Ein emotionales Thema, das in einer kleinen Gruppe hochgekocht ist."

 


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Einzige Hoffnung

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki trug die Petition mit emotionalen Worten vor: "Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten auf einer Krankenhausstation für sehr kleine Frühchen. Stellen Sie sich vor, sie haben während der Coronazeit für sie gekämpft. Stellen Sie sich vor, Ihre Station muss schließen, weil die Krankenkassen über ein Vetorecht verfügen." Einzige Hoffnung sei der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags. "Wir werden alles dafür tun, damit die bestmögliche Versorgung der Frühgeborenen auch unabhängig von Mindestmengen gewährleistet bleibt", teilte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha mit.

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