Personalprobleme bei inhabergeführten Geschäften – "Es sieht überall schlecht aus"
Wegen Personalmangels reduzieren Metzger, Bäcker und Einzelhändler Öffnungszeiten oder schließen Filialen. Doch es gibt Ansätze, um der Entwicklung entgegenzuwirken.

Nicht nur die Heilbronner Innenstadt hat mit dem Wandel im Einzelhandel zu kämpfen. Quer durch alle Branchen zieht sich das Gespenst Personalmangel. Vor allem inhabergeführte kleinere Geschäfte tun sich schwer, gegen die großen Filialisten zu bestehen.
Die Stadt Heidelberg hat ein Programm zur finanziellen Förderung für „ortsansässige, inhabergeführte Einzelhandels- und Lebensmittelhandwerksbetriebe“ aufgelegt. Durch Investitionen sollen die Geschäfte in der Innenstadt, aber auch in den Stadtteilen gehalten werden. In Heilbronn sucht die Stadt „neue, innovative Geschäftsideen und Angebote, die Heilbronn als moderne Einkaufsstadt auch überregional bedeutsam machen“, so Pressesprecherin Suse Bucher-Pinell.
Stadt Heilbronn sucht "frischen Wind" für Einzelhandel – Keine finanzielle Förderung
„Frischen Wind“ soll ein von der Stadt angestoßener Gründungswettbewerb bringen. „Interessierte Gründerinnen und Gründer können sich mit ihrer Geschäftsidee bewerben. Die überzeugendsten Konzepte wird eine Fachjury küren. Die Gewinner erhalten dann einen Mietkostenzuschuss sowie zahlreiche weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote.“ Die Stadt unterstütze schon bisher intensiv bei der Suche nach Räumen, wofür es etliche erfolgreiche Beispiele gebe wie zuletzt etwa das Kai in der Kaiserstraße. „Eine finanzielle Förderung bietet die Stadt nicht an“, so Suse Bucher-Pinell.
Nur noch 1-Euro-Shops in der Innenstadt?
Thomas Aurich von der Stadtinitiative Heilbronn freut sich über jeden guten Ansatz und sieht neben dem Schatten auch Licht: "Es gibt sehr viel Positives in Heilbronn wie die Neckarmeile, wo man nach dem Einkauf seine ,Beute' feiern kann." Der Online-Handel und die zunehmenden Filialisten machen den Geschäftsleuten aber zu schaffen. "Die können Mieten zahlen, die ein Einzelhändler sich nicht leisten kann." Ein weiteres Problem sei das Alter und dass viele Inhaber keinen Nachfolger finden. Aurich sieht die Gefahr, "dass wir bald nur noch 1-Euro-Shops in der Innenstadt haben. Alles was günstig ist, geht."
Krankheitswelle verschärft Personalmangel im Einzelhandel
Auch in kleineren Städten und Orten werden zum Teil Öffnungszeiten reduziert. Beispielsweise hat das Schuhhaus Leopold die Filiale in der Hauptstraße in Bad Wimpfen vorübergehend wegen Personalmangels geschlossen. Man habe zwar neue Verkäuferinnen einstellen können, aufgrund von Krankheiten müsse man aber in Bad Wimpfen weiterhin schließen, heißt es.
Bäckern und Metzgern fehlt im Raum Heilbronn der Nachwuchs
Etliche Bäckereien und Metzger in der Region klagen über fehlendes Personal. Der Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk treffe viele Betriebe, berichtet Bernhard Kuhn. Der Neckarsulmer ist Obermeister der Bäckerinnung und weiß von Kollegen: „Es sieht überall schlecht aus.“
Gleiches bestätigt Harald Hohl, Vorstandsmitglied der Fleischerinnung. „Läden werden geschlossen oder müssen ihre Öffnungszeiten verkürzen, Betriebe finden keine Nachfolger.“ Die Zahl der Mitgliedbetriebe ist von 92 im vergangenen Jahr auf 89 aktuell zurückgegangen. „Früher war es oft noch so, dass ein Mitarbeiter den Betrieb übernommen hat, wenn der Chef in den Ruhestand gegangen ist. Heute hat man gar keine Mitarbeiter mehr.“
Interesse an Ausbildung sinkt
Es zeichnet sich ein allgemeiner Trend ab: Die Ausbildungsverhältnisse im Handel in der Region Heilbronn-Franken gehen seit Jahren konstant zurück. Beliebt sind dabei eher noch die kaufmännischen Berufe. Verkäufer oder Verkäuferin taucht erst auf Platz zehn der Rangliste der beliebtesten Ausbildungsberufe auf – Tendenz absteigend. Auch im Nahrungsmittelgewerbe sinkt das Interesse. Nach Angaben der Handwerkskammer wurden im Jahr 2022 über zweiundzwanzig Prozent weniger an Ausbildungsverträgen geschlossen. Bei der Lehrstellenbörse sind aktuell immer noch Stellen in den Bereichen Verkauf, Lebensmittel, Bäcker und Metzger offen.
Intersport steuert dagegen – Wie Gründer in den Sportfachhandel einsteigen sollen
Die Handelsgenossenschaft Intersport will aktiv etwas gegen den Trend tun. Mit einem Existenzgründungs- und Unterstützungsprogramm sollen Gründer ermutigt werden, in den Sportfachhandel einzusteigen. "Es ist wichtig, Intersport wieder mehr auf jüngere Beine zu stellen", sagt Vorstandsvorsitzender Alexander von Preen. "Unsere Altersstruktur muss ausbalanciert sein."
Zurzeit liege der Altersschnitt der Inhaber über 50 Jahre – was aber auch daran liege, dass viele das Geschäfte bereits in zweiter oder dritter Generation betreiben, ergänzt Niko Varwig, Ressortleiter bei Intersport und zuständig für die Initiative. Mit dem neuen Programm will die Heilbronner Genossenschaft weiße Flecken auf ihrer Landkarte schließen, aber auch Nachfolgeregelungen anstoßen. Bewerber würden vorab auf ihre Eignung geprüft und nach der Zulassung je nach Bedarf geschult und unterstützt. Ziel sei, sie nach spätestens 24 Monaten in die Selbstständigkeit zu entlassen, natürlich als Mitglied von Intersport.
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