Immer mehr Berufspendler in der Region
In den Städten der Region wachsen die Pendlerströme. So arbeiten mehr als 58.000 Berufstätige in Heilbronn, wohnen aber in einer anderen Gemeinde. Ein statistisches Unikum ist auch Neckarsulm.
Pendlerland Baden-Württemberg: Die Mehrheit der Berufstätigen wohnt nicht am Arbeitsort. In der Region schwillt die Zahl der Pendler seit Jahren immer weiter an. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamts für das Jahr 2021. Allein Heilbronn zieht fast 60.000 Berufspendler aus anderen Kommunen an. Allerdings ist bei der Statistik in einem Punkt Vorsicht geboten.
Arbeiten hier, wohnen dort: Das betrifft Millionen
Fast 3,8 Millionen Berufstätige im Südwesten arbeiten nicht in einer Firma, die an ihrem Wohnort angesiedelt ist. Nur 2,25 Millionen Menschen wohnen dort, wie sie auch ihrem Job nachgehen. Bei der Interpretation ist zu beachten: Die Statistik beruht auf der Auswertung der Daten zu Wohn- und Arbeitsort, bildet also die "potenzielle Mobilität" ab. Wer als Vollzeitarbeitnehmer in Heilbronn gemeldet ist und bei einer Stuttgarter Firma arbeitet, muss nicht zwangsläufig jeden Tag den Weg in die Landeshauptstadt zurücklegen, er kann etwa auch Home-Office-Tage haben. Wie stark dieser Umstand die Aussagekraft beeinträchtigt, ist schwer zu sagen.
Homeoffice in Statistik nicht berücksichtigt
Der Trend zu Homeoffice hat durch die Pandemie an Fahrt aufgenommen. In produzierenden Gewerbe, das in der Region großes Gewicht hat, ist die Arbeit von zu Hause aus eher selten. So gilt trotz des Home-Office-Effekts: Wenn deutlich mehr Arbeitnehmer fern von ihrem Arbeitsort wohnen, nimmt auch der Verkehr zu.
Wer sich als Berufspendler fortbewegt - das zeigen frühere Untersuchungen - ist meist mit Autos oder anderen Kraftfahrzeugen unterwegs. Bei einer Untersuchung 2016 lag der Auto-Anteil bei mehr als 80 Prozent, öffentlicher Nahverkehr machte nur 13 Prozent aus. Entsprechend schwillt der Tross der Pendler auf den Straßen der Region weiter an, und er hat ein Hauptziel: Heilbronn. Die Stadt zieht mehr als 58.000 Pendler aus dem Umland an. Um die 32.000 Arbeitnehmer wohnen in Heilbronn und arbeiten in einer anderen Gemeinde.
Pendlersaldo ist nur bei wenigen positiv
Die Differenz nennen Statistiker Pendlersaldo. Je höher er ist, desto attraktiver ist eine Gemeinde als Arbeitsmarktzentrum für die Region. Von den 1101 Gemeinden in Baden-Württemberg haben nur 200 einen positiven Saldo. Heilbronn liegt in dieser Tabelle landesweit auf Platz sieben. Mehr Magnetwirkung für Pendler entfalten nur Heidelberg, Ulm, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart. Wenig überraschend: Die Städte sortieren sich in dieser Liste fast analog zu ihrer Einwohnerzahl.
In der Region warten vor allem Heilbronn und Neckarsulm mit einem deutlich positiven Saldo auf. Kleinere Gemeinden sind eher Wohn- als Arbeitsorte, aber auch hier gibt es Ausnahmen. Mulfingen im Hohenlohekreis zählt dank der Großfirmen EBM-Papst und Jako fast ebenso viele Einpendler, wie es Einwohner hat: 3700. Ein Sonderfall ist auch Neckarsulm, das mit großen Arbeitgebern wie Audi eine immense Sogwirkung entwickelt. Neckarsulm hat etwa 26 000 Einwohner. Die sogenannte Tagesbevölkerung ist mit fast 54 000 mehr als doppelt so hoch. In keiner anderen Stadt Baden-Württembergs ist dieses Verhältnis so ausgeprägt.
Überall hohe Zuwächse bei Einpendlern
Der Zuwachs bei den Pendlern ist überall in der Region zu verzeichnen. So stieg die Zahl der Einpendler gegenüber 2017 in Neckarsulm um fünf, In Heilbronn um acht und in Eppingen um mehr als zehn Prozent. Einen großen Satz nach vorn machte Bad Rappenau. Vor fünf Jahren fuhren dort noch weniger als 4000 Beschäftigte zu ihrem Job, im Vorjahr waren es fast 5000 - ein Plus von mehr als 23 Prozent. Grund dürften die Neuansiedlungen im Gewerbegebiet Buchäcker an der Autobahn sein, wo etwa die Firma Hermes ein großes Logistikzentrum gebaut hat. In Öhringen lag der Zuwachs sogar bei mehr als 25 Prozent, auch die Zahl der Auspendler nahm in der Großen Kreisstadt gegenüber 2017 deutlich zu.
Die Statistik zeigt auch detailliert die Pendlebeziehungen zwischen einzelnen Gemeinden. Besonders intensiv ist der Austausch zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Allein 2027 Heilbronner haben einen Job in der Landeshauptstadt. Eppingen und Bad Rappenau haben enge Verflechtungen mit Sinsheim.
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