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IFH muss der Schule 42 schnell weichen

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Der Umbau in der Innovationsfabrik Heilbronn hat bereits begonnen. Die Bewerber für die neue Programmierschule kommen im Januar. Unternehmer der IFH bemängeln allerdings die kurzfristigen Planänderungen.

Die Innovationsfabrik zieht jetzt aus, in den nächsten zweieinhalb Jahren wird ein Neubau "IFH 2.0" erstellt. Das Fabrikgebäude wird Heimat der Schule 42.
Die Innovationsfabrik zieht jetzt aus, in den nächsten zweieinhalb Jahren wird ein Neubau "IFH 2.0" erstellt. Das Fabrikgebäude wird Heimat der Schule 42.  Foto: Gleichauf, Christian

Für die neue Programmierschule 42 soll es schon am 4. Januar in einem Teil der ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik Weipert losgehen. 450 Bewerber werden ihre vierwöchigen Aufnahmetests in neuen Räumen absolvieren, 150 Auserwählte dürfen ab Mai dort studieren. Der Zeitplan ist knapp. So beginnen derzeit die Umbauarbeiten, noch bevor alle Mieter das Gründerzentrum Innovationsfabrik verlassen haben, das dort seit 21 Jahren untergebracht ist. Das kommt bei einigen von ihnen nicht gut an.

Heilbronn ist doch Startup City

Anfang 2019 gab sich Heilbronn den Titel "Startup City", um so auf die guten Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen, die für Gründer hier geschaffen werden. Die Campus Founders, die von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert werden, fördern den Unternehmergeist im Umfeld der Hochschulen und bekommen bis Ende 2022 ein eigenes Gebäude auf dem Bildungscampus.

Daneben sollte auch weiterhin die Innovationsfabrik Heilbronn (IFH) der Stadtsiedlung eine zentrale Rolle spielen. Dass sie konzeptionell eine Runderneuerung braucht, war damals schon bekannt.

Die Chance für einen Neuanfang ergab sich überraschend Anfang dieses Jahres, als die Dieter-Schwarz-Stiftung das Gebäude der IFH, die ehemalige Maschinenfabrik Weipert, erwarb, um dort den deutschen Ableger der innovativen Schule 42 unterzubringen. Für die IFH sollte es im Gegenzug einen Neubau, die IFH 2.0, im Zukunftspark Wohlgelegen geben. Weil das bis zur Fertigstellung Anfang 2023 dauern wird, sollte als Übergangslösung ein Containerdorf dienen.

"Wir haben Verständnis für das, was die Dieter-Schwarz-Stiftung hier vorhat, aber wir sind nicht damit einverstanden, wie man mit uns als Unternehmern umgeht", sagt jetzt einer der IFH-Mieter, der nicht namentlich genannt werden will.

Zuerst Zeitdruck, dann Planänderungen

 Foto: Gleichauf, Christian

Im März erhielten die Firmen, die teils seit vielen Jahren in der IFH ihre Büros haben, die Kündigung auf den 30. September. Angeboten wurden gleichzeitig die neuen Büros im Containerdorf. Innerhalb weniger Tage sollte man sich damals entscheiden.

"Positiv war, dass uns der Umzug bezahlt wird", heißt es aus den Reihen der Betroffenen. Vor kurzem sei dann aber die Information gekommen, dass es das Containerdorf nicht geben wird.

Das neue Interims-Domizil sei das sogenannte Hofkammergebäude auf dem Bildungscampus. Mitte Juli folgte dann die Nachricht, dass der Umzug nicht wie vorgesehen Ende September, sondern ab dem 24. August erfolgt. Und damit sei auch für die Kantinenbetreiber schon früher Schluss - ohne Perspektive, dass es woanders weitergehen könne. "Am Freitag kam dann eine Mail, dass jetzt am Montag die Bauarbeiten beginnen", sagt eine IFH-Mieterin.

Vermieter Stadtsiedlung zeigt sich gesprächsbereit

"In der Tat ist die Dieter-Schwarz-Stiftung auf uns zugekommen und hat darum gebeten, früher mit dem Umbau anfangen zu können", sagt Dominik Buchta, Geschäftsführer der Stadtsiedlung. Sie betreibt die Innovationsfabrik. Die Mieter, die die IFH komplett verlassen, seien schon überwiegend ausgezogen. Für die anderen seien die Umzugstermine etwas vorgezogen worden.

"Wenn das für jemanden ein Problem ist, wegen der Urlaubszeit oder aus anderen Gründen, dann konnte man doch auf uns zukommen", sagt Buchta. Bisher hätten das nur zwei Mieter getan, und da habe man Lösungen gefunden.


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Subventionierte Mieten, der Umzug wird bezahlt

Dass angesichts des zeitlichen Drucks manches nicht ideal gelaufen sein mag, räumt er ein. Aber rein rechtlich wäre auch eine schlichte Kündigung möglich gewesen. Statt dessen gab es die Umzugsunterstützung, Mieten werden weiterhin recht großzügig subventioniert.

Von einer insgesamt großen Herausforderung spricht Reinhold Geilsdörfer, der Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung. "Wir wollen ganz sicher nicht den Eindruck erwecken, als ob man mit Geld hier alles kauft und am Ende sich alle anderen danach richten müssen." Deshalb habe man die Stadtsiedlung und die Mieter unterstützt - finanziell und mit den temporären Unterbringungsmöglichkeiten, die im Gegensatz zur IFH sogar klimatisiert sind.

Nicht alle Probleme ließen sich auf die Schnelle lösen

Dass das Hofkammergebäude an der Ecke Mannheimer/Schaeuffelenstraße eine repräsentative Adresse ist, das sehen auch die Mieter so. Die Kantinenbetreiber der bisherigen IFH könnten am Ende allerdings wirklich auf der Strecke bleiben. Sowohl Buchta als auch Geilsdörfer hoffen, dass sich mittelfristig etwas ergibt. Kurzfristig könne man aber keine Lösung anbieten.

 

Drehmaschinenfabrik Weipert

Zur Entscheidung, die Eliteschule 42 in der Weipert'schen Fabrik unterzubringen, vermutet die "Stuttgarter Zeitung": "Die Ehefrau von Dieter Schwarz stammt aus der Unternehmerfamilie Weipert. Das erklärt wohl auch, warum man sich so sehr auf den Erwerb dieses Gebäudes versteift hatte." Für Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, eine Geschichte, der man wenig entgegenzusetzen habe. "Aber sie stimmt halt nicht." Er selbst habe das Potenzial des Gebäudes erkannt und sei dann in Verhandlungen mit Stadtsiedlung und Stadt getreten. 


Kommentar "Spirit gefragt"

Wie wichtig Kommunikation ist, wenn innerhalb von Monaten die mittelfristigen Planungen von Dutzenden Firmen und Kleinunternehmern über den Haufen geworfen werden, ist den Verantwortlichen bei Stadtsiedlung und Schwarz-Stiftung spätestens jetzt wieder klar geworden. So viel Aufwand wurde betrieben, um den Mietern eine adäquate Perspektive zu bieten, so viel Geld wird für ein neues Gründerzentrum investiert, und am Schluss hängt alles daran, dass sich Menschen und besonders Unternehmer ungern wie Spielfiguren herumschieben lassen. Auch auf der Suche nach einer neuen Bewirtungsmöglichkeit für die bisherigen Kantinenbetreiber gab es offenbar größere Anstrengungen, die allerdings nicht von Erfolg gekrönt waren.

Als Unternehmer darf man allerdings auch nicht passiv darauf warten, dass alles geregelt wird. Deshalb sollten beide Seiten Interesse zeigen, die atmosphärischen Störungen aus der Welt zu schaffen. Sie stehen dem "Spirit" entgegen, den man in dieser Startup City doch fühlen soll. Gründergeist braucht gerade jetzt das Gemeinschaftsgefühl. Anstrengungen, um etwa die Corona-Krise für Innovationen zu nutzen, gab es bereits. Ähnlich muss es weitergehen - und in eine ganzheitliche Initiative für die Stadt münden. Zweieinhalb Jahre Übergangsdomizil für die IFH sollten nicht zweieinhalb Jahre Stillstand bedeuten. Es gilt Schwung zu holen.

 

 
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