Hochschule Heilbronn will bei Gründern punkten
Die Hochschule Heilbronn will die Aufbruchstimmung, die rund um den Bildungscampus herrscht, nutzen, um neue Themenfelder zu besetzen und ein Start-up-freundliches Klima zu schaffen.

Heilbronns Weg zur Wissens- und Universitätsstadt ist mit der Montage neuer Schilder an den Ortseingängen nicht am Ziel angelangt. Jetzt werden in allen Hochschuleinrichtungen weitere Schritte unternommen - so auch an der größten Institution in der Stadt, der Hochschule Heilbronn (HHN). Sie will die Start-up-Kultur fördern und treibt die Digitalisierung mit Ehrgeiz voran. Die Technik von morgen soll hier für die Wirtschaft von heute nutzbar gemacht werden.
Zusammenspiel muss verbessert werden
Vor einem Jahr wurde die Start-up-City Heilbronn ausgerufen, die Stadt will konsequent ein gründerfreundliches Klima schaffen. "Es ist aber klar, dass wir alle einen langen Atem brauchen", sagt Oliver Lenzen, Rektor der HHN. Das gelte für die alteingesessenen Einrichtungen ebenso wie für die neuen Player wie das junge Gründungszentrum Campus Founders. Das Zusammenspiel dieser so verschiedenen Einrichtungen müsse weiter verbessert werden.
Die Hochschule selbst ist traditionell in erster Linie Lehr- und Forschungsbetrieb und kein Start-up-Produzent. Doch selbstbewusst weist Lenzen auf die Stärken seines Hauses für die Gründerszene hin: "Wir haben drei entscheidende Pluspunkte, die man für ein Start-up heute braucht." Für das Produkt sind die technischen Studiengänge hilfreich. Unabdingbar sei heutzutage dann die IT - die gebe es an der HHN schon seit Jahrzehnten. Zuletzt müsse man das alles vermarkten. Da sind die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge gefragt.
Wenn etwas schief läuft, wird man nicht gleich geächtet
Raoul Zöllner beschäftigt sich als Professor unter anderem mit Künstlicher Intelligenz (KI) und ist als Prorektor für das Thema Transfer und Innovation an der Hochschule zuständig. Er will eine Kultur etablieren, die Unternehmensgründungen befördert.
"Viele glauben, dass sie zu Beginn schon 25.000 Euro mitbringen müssen und die nächsten Jahre am Hungertuch nagen, wenn sie ein kleines Unternehmen gründen. Da müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten", sagt Raoul Zöllner. "Und wir müssen aus den Köpfen rauskriegen, dass man geächtet ist, wenn der Versuch schief geht. Das ist nicht schlimm."
Viele wollen die IT, die HHN will mehr davon
Dass ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Region die IT ist, hat sich zuletzt beim Zwist der DHBW-Akademien Mosbach und Heilbronn gezeigt. Nach der Einigung ist klar, dass es künftig auch an der DHBW Heilbronn Wirtschaftsinformatik und Co. geben wird. Längst unterwegs in diesem Bereich ist die Hochschule Heilbronn, die bereits 1000 Studierende mit Schwerpunkt IT zählt und diese Zahl in den nächsten Jahren verdoppeln will. Insgesamt will die HHN von heute 8400 auf bis zu 9500 Studenten wachsen - inklusive den Standorten Künzelsau und Schwäbisch Hall.
Neue Möglichkeiten
Mit dem neuen Landeshochschulgesetz ist es den Hochschulen nun auch möglich, ihre Labore zu öffnen - und damit auch jungen Start-ups die Möglichkeit zu bieten, von der Infrastruktur und vom wissenschaftlichen Umfeld zu profitieren. "Das war bisher schwierig", sagt Oliver Lenzen, Rektor der Hochschule Heilbronn.
Um die Gründerkultur zu fördern, wurde an der Hochschule inzwischen das Programm Shuttle gestartet, das interdisziplinären Austausch ermöglicht. Rund 20 kleine Teams haben sich hier bereits gebildet. Das Land fördert dieses Engagement. Zusätzlich gibt es mit dem hochschuleigenen Gründungszentrum Startklar auch Ansprechpartner in den drei Bereichen Wirtschaft, Technik und IT.
Es wird kein leichtes Unterfangen, denn das Land ist zurückhaltend mit neuen Studienangeboten. Trotzdem führe kein Weg daran vorbei, sagt Lenzen. Wichtig sei das auch, um die Zukunft der traditionellen, technischen Studiengänge zu sichern.
Dort sieht es momentan nicht ganz so rosig aus. Landesweit gehen die Anmeldezahlen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zurück. Dem alljährlichen Girl's Day zum Trotz interessieren sich bis heute nur wenige junge Frauen für dieses Gebiet. "Es herrscht immer noch das Bild vor, dass man da schwere Teile durch die Gegend hievt. Dabei sitzen auch die Maschinenbauer heute am Laptop", sagt Lenzen, selbst Ingenieur. Zuletzt komme eben noch dazu, dass der Maschinenbau als besonders anfällig für die weltwirtschaftlichen Turbulenzen gilt und die Autoindustrie vor dem Umbruch steht.
Weltmarktführer ist kein Titel zum Ausruhen
Das sei umgekehrt aber eine Chance für die Hochschule, ist Lenzen überzeugt. Während man jahrelang nicht mit den Gehältern der Industrie konkurrieren konnte, zähle nun wieder die Chance, sich mit guten Rahmenbedingungen an der Hochschule für die Selbstständigkeit fit zu machen.
Für die Hochschule selbst sei das weniger wichtig als als für das gesamte Umfeld, betont Lenzen: "Wir reden hier immer von der Region der Weltmarktführer, die von Innovationen lebt. Dann muss doch auch etwas dafür getan werden, dass das so bleibt."

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