Was bringen Hitzestifte gegen Mückenstiche?
SLK-Hautklinik-Chef Harald Löffler erklärt, was Bite away und Co. bei Mückenstichen leisten können und warum er auf ein anderes Hilfsmittel schwört.

Elektronische Stichheiler wie der sogenannte "Bite away", auch in der Version fürs Smartphone, sind einer der Renner dieses Sommers. Doch was ist dran an dem Hype? Und geht die Wirkung des Hitzestifts über einen Placebo-Effekt hinaus? Das erklärt SLK-Hautklinikchef Harald Löffler.
Haben Sie solch einen Stift schon mal ausprobiert?
Harald Löffler: Ja, ich bin Imker. Und da ist es keine Seltenheit, dass ich gleichzeitig am rechten und am linken Arm gestochen werde. Ich habe aber bei mir keinen nennenswerten Effekt zwischen Nichtstun und der Behandlung mit dem Stift bemerkt. Am ehesten gibt es vielleicht noch einen Effekt bei juckenden Mückenstichen, würde ich denken. Aber wie immer in der Medizin gilt: Wer heilt, hat recht. Wie so vieles andere auch, ist das eine sehr individuelle Sache. Wer denkt, der Stift hilft ihm, soll ihn weiterverwenden. Andere geben lieber eigene Hausmittel wie Zwiebeln oder ein Stück Zitrone auf einen Stich.
Was sagt die Wissenschaft?
Löffler: Die Wirkung seriös zu belegen, ist schwer. Und zu dem Thema gibt es kaum unabhängige Studien. Warum auch? Für die Hersteller haben Untersuchungen, die womöglich kein eindeutiges Ergebnis pro Stichheilen bringen, keinen Nutzen. Der Ruf des Stifts ist gut und er verkauft sich offenbar prächtig, inzwischen gibt es auch Geräte, die man aufs Smartphone aufstecken kann.
Glauben Sie an die beschriebene Wirkweise?
Löffler: Dass die Wirkung eine physikalische ist, ohne Einsatz von Chemie, ist bekannt. Es heißt, dass durch die hohen Temperaturen die Proteine im Gift der Stechmücke zerstört würden. Das ist in meinen Augen relativer Quatsch. Das Gift eines Insekts dringt tief unter die erste Hautschicht ein. Und bevor ich das erreiche, habe ich einen echten Hitzeschaden an der Oberhaut. Mir erscheint naheliegender, dass die Juckreiz vermittelnden Zellen in eine Art Hitzestarre versetzt werden und es deswegen weniger juckt oder brennt.
Was müssen Allergiker wissen?
Löffler: Zu Anfang wurde der gefährliche Mythos verbreitet, dass ein solcher Hitzestift die Ausschüttung von Histamin und damit auch eine starke allergische Reaktion unterbinden könne. Davor warne ich ausdrücklich. Ein Hitzestift kann eine allergische Reaktion, zum Beispiel auf Wespenstiche, nicht beeinflussen. Dessen müssen sich Allergiker bewusst sein.
Welche Alternativen gibt es für die Behandlung harmloser Reaktionen?
Löffler: Bei übersteigerten lokalen Reaktionen wie zum Beispiel starken Schwellungen behandelt man mit Cortisoncremes und Antihistaminika, also Medikamenten gegen allergische Reaktionen. Was außerdem immer gut ist, ist Kühlen - mit Kühlpacks, Crushed Ice in einer Socke oder wie auch immer man das am liebsten machen möchte. Der lindernde Effekt ist eindeutig belegt.
Was bringen frei verkäufliche Cortisoncremes aus der Apotheke?
Löffler: Da ist in der Regel sehr niedrig dosiertes Hydrocortison drin. Das müsste man schon extrem dick auftragen, um eine Wirkung zu bekommen. Bei starken Lokalreaktionen verschreiben wir in der Regel höher dosierte Cortisoncremes. Die Anwendung über eine Dauer von zwei bis drei Tagen ist auch kein Problem.
Was halten Sie von einschlägigen Hausmitteln?
Löffler: Wenn ich bei meinen Imker-Kollegen Vorträge halte und hinterher frage, was sie individuell gegen Stiche machen, bekomme ich immer Dutzende Tipps. Auch das ist also sehr individuell: Manche schwören auf Zwiebeln, andere geben Spitzwegerich oder Honig auf die Wunde. Wer heilt hat recht.
Immer mehr invasive Arten machen sich bei uns breit, zum Beispiel die japanische Hornisse. Sind solche eingeschleppten Insekten gefährlicher als heimische?
Löffler: Was akute Stichreaktionen angeht, bislang nicht. Da gibt es eher andere Probleme, wie zum Beispiel die Übertragung von Viren, etwa durch die Tigermücke.
Professor Harald Löffler ist Direktor der SLK-Klinik für Dermatologie, Allergologie und Phlebologie am Gesundbrunnen in Heilbronn. In seiner Freizeit ist er Imker. Seit Jahren produziert Löffler Honig unter dem Label "Chefärztehonig" und spendet den Verkaufserlös an soziale Einrichtungen. So sind schon über 25.000 Euro zusammengekommen.


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