Gesundheitsämter arbeiten am Limit
In der Pandemie zeigten sich auch in den Gesundheitsämtern in der Region gravierende Mängel bei digitaler Ausstattung und Personal. Die Politik verspricht Abhilfe: Neue Stellen und Hilfe bei der Digitalisierung sollen die Situation dauerhaft verbessern.

Ärzte und Kommunen dringen auf rasche und dauerhafte Verbesserungen für die Arbeit der fast 400 Gesundheitsämter über die Corona-Krise hinaus. Der Präsident des Deutschen Städtetags, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), sagte am Dienstag mit Blick auf ein von Bund und Ländern vereinbartes Milliarden-Programm: "Die Gesundheitsämter brauchen die Hilfen schnell."
Ärztepräsident Klaus Reinhardt begrüßte das "bisher beispiellose Hilfspaket" für mehr Personal und bessere digitale Ausstattung. "Aber niemand sollte glauben, dass sich die Besetzung von 5000 neuen Stellen einfach beschließen lässt." Die eigentliche Arbeit fange jetzt erst an.
Bei der Videokonferenz waren auch Teilnehmer aus der Region zugeschalten
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte den Gesundheitsämtern für ihre zentrale Rolle in der Corona-Pandemie. Sie hätten "einen ganz wesentlichen Anteil daran, dass wir das Infektionsgeschehen bislang in Deutschland doch weitgehend unter Kontrolle halten konnten", sagte sie in einer Videokonferenz mit Vertretern von Ämtern, Kommunen und Ländern. Auch Teilnehmer aus der Region waren zugeschaltet. Für die Ämter bedeute es einen "unfassbaren Mehraufwand", Infektionsketten zu verfolgen oder Tests und Quarantäne anzuordnen, so Merkel weiter.
Viel zu wenig Personal und unzureichende digitale Ausstattung bereiteten den Gesundheitsämtern von Stadt- und Landkreis Heilbronn und dem Hohenlohekreis große Probleme. "In der Hochphase des Infektionsgeschehens im Hohenlohekreis wurde das Gesundheitsamt durch bis zu 200 Personen aus verschiedenen Ämtern des Landratsamts unterstützt", sagt Gesundheitsamtsleiterin Antje Haack-Erdmann.
Inzwischen seien befristet zehn Personen für die Kontaktermittlung und die Hotline für medizinische Telefonanfragen eingestellt worden. Lediglich 3,5 neue Stellen würden durch den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Hohenlohe geschaffen. Nach einem Konzept von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seinen Länderkollegen sollen bis Ende 2022 mindestens 5000 unbefristete Vollzeitstellen im ÖGD neu entstehen, davon mindestens 1500 bis Ende kommenden Jahres. Geplant ist auch Unterstützung bei digitalen Lösungen, etwa für Meldesysteme.
Amtsleiter fürchten, dass es schwierig werden wird, qualifiziertes Personal zu gewinnen
Haack-Erdmann fürchtet jedoch, dass es schwierig sein wird, angesichts des Ärztemangel überhaupt qualifiziertes Personal zu bekommen. Diese Sorge teilt man im Landratsamt Heilbronn. Über 140 Mitarbeiter aus anderen Bereichen unterstützten das Gesundheitsamt in der Hochphase der Pandemie. Eine Sprecherin mahnt an, die geplanten 5000 Stellen zeitnah umzusetzen. "Sonst sind sie vor Ort nicht da, wenn sie gebraucht werden." Auch hier fürchten die Verantwortlichen, dass "die Gewinnung von gut ausgebildetem medizinischen Personal ohne bessere Bezahlung und größere Wertschätzung schwierig wird."
Digitale Schnittstellen sind die Voraussetzung für eine schnelle Pandemiebekämpfung
Bei der digitalen Ausstattung gebe es ebenso große Probleme. "Es braucht vor allem eine Schnittstelle zwischen vorhandenen Programmen. Ohne diese erreichen wir nicht die Geschwindigkeit, die wir in der Pandemiebekämpfung brauchen." Wann diese Schnittstelle komme, sei jedoch offen.
Die Stadt Heilbronn nennt weitere Probleme für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt: So sei das Infektionsgeschehen nicht vorhersehbar. Externe Hilfskräfte anzulernen sei eine Herausforderung, genauso wie die "ständige Anpassung der politischen und medizinischen Vorgaben zum Umgang mit der Pandemie".
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