Auf der Spur des Coronavirus im Hohenlohekreis
Vom Lebensmittelkontrolleur zum Fallermittler: Der neue Job von Christian Ott. Der 38-jährige gelernte Metzgermeister aus Schwäbisch Hall ist seit März für das aufgestockte Gesundheitsamt im Einsatz, geht in dieser Tätigkeit voll auf und ist überzeugt: „Uns geht das Geschäft nicht aus.“

Früher führten sie ein Schattendasein, jetzt sind sie in aller Munde: Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter verrichten in der Corona-Krise unverzichtbare Kärrnerarbeit. Das geht aber nur, weil das Personal massiv aufgestockt wurde. Nicht in erster Linie mit Ärzten oder medizinischem Personal, sondern unter anderem mit Fallermittlern, die Kontaktpersonen aufspüren und Infektionsketten unterbrechen sollen. Und so etwas zuvor noch nie gemacht hatten. Christian Ott ist einer von ihnen.
Umstellung fiel nicht schwer
Der 38-jährige gelernte Metzgermeister aus Schwäbisch Hall war bis Februar Lebensmittelkontrolleur im Hohenlohekreis. Dann kam Corona. Seit 2. März ist alles anders. Doch die Umstellung fiel ihm nicht schwer. Er begriff rasch, auf was es ankommt. Seit 13. März ist er einer von vier Teamleitern in der Fallermittlung. Er sagt: „In diesem Job gehe ich auf.“ Weil er aus dem Katastrophenschutz komme. Seit seinem Wehrersatzdienst ist er bei der Feuerwehr. „Da habe ich gelernt, wie man jede neue Lage gut strukturiert und die Richtung vorgibt. Das ist mein Steckenpferd.“
Bisher insgesamt 3886 Kontaktpersonen ermittelt
Die fünf Kräfte von der Lebensmittelüberwachung starteten zunächst bei der Telefon-Hotline. „Am ersten Tag hatte jeder von uns 25 Anrufer, am dritten waren es bis zu 130“, so Ott. Nach einer Woche wurden sie versetzt. In der Spitze bestand die neue Abteilung aus 70 Fall-ermittlern, jetzt sind es noch 20. In der heißen Phase, bis Mitte April, fuhren sie einen Zweischichtbetrieb: von 8 bis 16 Uhr und von 13 bis 21 Uhr. Aktuell genügt eine Schicht: von 9 bis 17 Uhr. In der ersten Woche verfolgte er 20 Fälle selbst, als Teamleiter „bin ich in jedem Fall mit drin“. Seit dem Corona-Ausbruch hat die Einheit 3886 Kontaktpersonen ermittelt, die der Kategorie K1 angehören: also einem Infizierten für mindestens 15 Minuten sehr nahe waren und deshalb selbst 14 Tage in Quarantäne müssen.
Die Fälle: von leicht bis vertrackt
Was war sein leichtester Fall? „Ein Ehepaar, das in Tirol beim Skifahren war und bei der Heimreise von sich aus hier angerufen hat, wie sie sich verhalten sollen, nachdem das RKI die Region zum Risikogebiet erklärt hatte.“ Das dauerte nur zehn Minuten. Denn: Sie gingen anstandslos in Quarantäne. Welcher Fall war vertrackt? „Zwei junge Fußballer, die Corona-positiv waren.“ Bis alle Kontakte abgeklappert waren, habe es Tage gedauert. Und das Erstgespräch gut eine Stunde. In anderen Fällen gab es sogar schon Telefonmarathons über zwei bis vier Stunden. Danach müssen alle Listen penibel ausgefüllt und die betroffenen K1’ler informiert werden. Im Falle des einen Fußballers aus dem Hohenlohekreis hieß das: „15 bis 20 Spieler, zwölf Gäste einer Geburtstagsparty, zehn Bekannte aus dem kirchlichen Kreis, acht Arbeitskollegen und drei häusliche Kontakte.“
Ott ist sicher: „Uns geht das Geschäft nicht aus.“ Er wird also noch länger Fallermittler bleiben. Weil die Zahl der Coronatests massiv hochgefahren werden soll. Und sein Team deshalb weiterhin Kontaktpersonen ausfindig machen muss.
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