Führungen im Blauen Turm von Bad Wimpfen bald wieder möglich
Die historische Treppe im Wahrzeichen von Bad Wimpfen ist wieder eingebaut. Dadurch können auch wieder Führungen stattfinden. Bauleiter und Architekt Stefan Schädel hat die Gästeführer der Stadt nun für eine kleine Unterrichtseinheit mit in den Turm genommen.

Auch wenn die Sanierung vor allem im Außenbereich noch bis ins Jahr 2022 gehen wird, dürfen ab dem 27. November wieder Besucher den Blauen Turm erklimmen. Ein Meilenstein in der vierjährigen Sanierungszeit des Bad Wimpfener Wahrzeichens, betont Thomas Rom vom Bauamt der Stadt. Wegen Corona dürfen nur Personen an den geführten Führungen teilnehmen, die sich im Vorfeld angemeldet haben. Um den Besuchern während der Tour auch alle Fragen über die Sanierung beantworten zu können, bekamen die rund 15 Gästeführer von Architekt Stefan Schädel nun eine praktische Unterrichtseinheit. Ergänzend klärte Günther Haberhauer die Truppe über die historischen Hintergründe auf.
Staub, Holzbretter und Kabel
Der Zugang zum Turm ist nur deshalb wieder möglich, weil die historische Treppe mit ihren 134 Stufen - nachdem sie in Stuttgart aufbereitet wurde - wieder komplett eingebaut ist. Das bedeutet aber nicht, dass im Inneren bereits alles erledigt ist, wie die Stadtführer bei ihrer Begehung mit Bauleiter Schädel feststellen mussten: Es ist staubig, an einigen Stellen besteht der Weg aus Holzbrettern, Kabel hängen aus der Wand. "Ich hoffe, dass sich noch einiges tut bis ich hier eine Gruppe durchführe", sagt Gästeführerin Judith Wolf.
Trotz aufwendiger Sanierung habe man versucht, das Mauerwerk so natürlich wie möglich zu belassen. "Als befragbare Quelle", informiert Bauleiter Stefan Schädel über das Headset. Für die Stadtführer und späteren Besucher sind so die Maßnahmen immer noch gut am Mauerwerk ablesbar: Zum Beispiel die Stahl-Beton-Konstruktion aus der Sanierung von 1970, als man versuchte, den instabilen Turm mit Zement, Spritzbeton und Eisenbändern zu festigen. "An manchen Stellen sind die Sandsteine rot verfärbt, das sind Spuren des Brandes", erklärt Schädel.
Notizen als Gedankenstütze
Die Truppe macht Fotos, manch einer auch Notizen. "Ich schreibe mir so viele Infos wie möglich auf, damit man den Gästen später auch alles erklären kann", sagt Barbara Fröhlich. Chris Männicke hingehen versucht sich die wichtigsten Details zu merken.
"Die neuen Maßnahmen erkennen sie beispielsweise an den vielen Nadelanker-Köpfen, die scheinbar wahllos im Mauerwerk stecken", so Schädel. "Doch jeden der 1250 Anker kennen wir mit Namen und wissen, wie viel Mörtel durch ihn ins Mauerwerk geflossen ist", betont der Bauleiter und erheitert damit die Gruppe. "Wundern sie sich nicht über die kleinen Löcher in den Ankerköpfen. Hierdurch konnte die Luft aus den Hohlräumen entweichen, wenn wir die Stellen mit Flüssigzement aufgefüllt haben", so Schädel. "Sie können ja Zettelchen reinstecken und sie so zu einer Art Klagemauer werden lassen", scherzt er. Der Eingang zur Türmerwohnung ist mit Planen verhängt, die den Blick hinein verwehren. Besucher werden Türmerin Blanca Knodel hier oben erstmal nicht antreffen, denn der Bereich ist noch nicht bewohnbar.
Weitere Informationen über die Geschichte des Turms von den Anfängen bis heute sollen die Gäste später auch durch indirekt beleuchtete Tafeln in den verschiedenen Turmgeschossen erhalten, teilt Günther Haberhauer vom Verein Alt Wimpfen mit.
Informationen zur Führung
Die Turmbesteigung findet unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen (2G-Regel) und Zugangsbeschränkungen statt. Dabei wird die tagesaktuell gültige Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg eingehalten. Die Führung dauert 1,5 Stunden, startet im Alten Spital/Hof und wird mit einem Funksystem, welches einen ausreichenden Abstand im Turminneren ermöglicht, durchgeführt. Während der Führung ist eine medizinische Maske zu tragen. In den Gebühren von neun Euro sind der Turmeintritt sowie ÖPNV-Kosten inkludiert. Buchbar ist der Rundgang ausschließlich vorab online über den Veranstaltungskalender der Stadt oder über www.eveeno.com. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt. Trittsicher sollte man für die 134 Stufen des Turmes sein.
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