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Fleisch leb wohl! Was es mit Aschermittwoch und Fasten auf sich hat

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Karneval heißt Fleisch, leb wohl! An Aschermittwoch ist der Fasching vorbei. Für viele Gläubige beginnt eine besondere Zeit, die nicht nur zum Fasten einlädt.

In katholischen Kirchen hängt zur Fastenzeit stets ein Hungertuch. 2023 hat es Emeka Udemba gestaltet. Es zeigt die Erdkugel, wie sie den Menschen zu entgleiten droht.        
   Foto:Archiv/Zuber
In katholischen Kirchen hängt zur Fastenzeit stets ein Hungertuch. 2023 hat es Emeka Udemba gestaltet. Es zeigt die Erdkugel, wie sie den Menschen zu entgleiten droht. Foto:Archiv/Zuber

"Wenn ihr fastet, macht kein trübsinniges Gesicht." So heißt es in der Bibel, genauer im Matthäus-Evangelium, Kapitel 6,15. Das ist leicht gesagt, zumal dieser Tage fast alles vom Erdbeben in der Türkei, vom Ukraine-Krieg und von Sparzwängen überlagert ist.

Aber vielleicht schärfen gerade solche Krisen den Blick fürs Wesentliche. Das hat auch die Corona-Durststrecke gezeigt. 2021 und 2022 fiel der Fasching flach, und die Narren waren diesmal um so dankbarer, bunter, wilder. Im Umkehrschluss müssten sie heuer um so mehr büßen und fasten.


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Wie Pfarrer Keith Fastnacht und Fastenzeit unter einen Hut bringt


Heringsessen bei der Heilbronner Carneval-Gesellschaft

Der Aschermittwoch markiert traditionell das Ende der Fastnacht und den Beginn der Fastenzeit. Mancherorts sind Fassebutzen-Begräbnisse angesagt. Die Heilbronner Carneval-Gesellschaft lässt um 11.11 Uhr ihre Gigger-Symbolfigur an Luftballonen in die Lüfte entschweben, gibt den Rathausschlüssel zurück und lädt zum Heringsessen. Ähnliche Bräuche gibt es in anderen Vereinen.

Fleisch, leb wohl!

Gleichzeitig besuchen praktizierende Katholiken heute Gottesdienste, um sich vom Pfarrer ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen: als Symbol der Vergänglichkeit, als Zeichen der Buße, der Umkehr, der Solidarität mit allen Leidenden, zur Vorbereitung auf Ostern. Denn Kirche und Karneval sind kein Widerspruch. Im Gegenteil, beides gehört ursprünglich zusammen. Der Begriff Fastnacht bezeichnet den Vorabend der Fastenzeit. Fasching geht aufs bayerische Vaschang zurück und bezog sich wohl auf den letzten Ausschank vor der Fastenzeit. Der romanische Begriff Carneval heißt so viel wie Fleischwegnahme und frei übersetzt "Fleisch, leb wohl!" Fasten heißt nicht zwangsläufig, auf Nahrung oder Genuss zu verzichten. Das altgermanische Wort bedeutet so viel wie schließen, beschließen, festhalten.

Der Verzicht auf Speisen und Genüsse hat also von jeher nicht nur gesundheitliche Aspekte, sondern auch geistige. In fast allen Kulturen finden sich Fastenpraktiken, als Ausdruck der Trauer, der Sühne, Buße, vor allem aber, um sich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten. Für Christen ist das Vorbild Jesu entscheidend, der laut Bibel 40 Tage in die Wüste ging und kaum etwas aß, bevor er erstmals öffentlich in Erscheinung trat. So ist die 40-tägige Fastenzeit für Gläubige in erster Linie die Zeit der Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung, an dem sie den Sieg des Lebens über Not und Tod feiern.

Soziale Aspekte

Gleichzeitig kann Fasten soziale Aspekte haben. So rufen die kirchlichen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt zu Spenden für Notleidende in aller Welt auf. In der evangelischen Kirche gibt es außerdem die Aktion "Sieben Wochen ohne". Das Motto wird jedes Jahr um einen bestimmten Begriff plus Intention ergänzt. 2023 heißt es: "Leuchten! Sieben Wochen ohne Verzagtheit". In sieben Wochenschritten geht es nicht nur um innere "Erleuchtung", sondern auch um die Ausstrahlung auf andere, in Worten, Gesten, im Tun - nicht nur, aber gerade in dunklen Zeiten wie diesen.

 

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