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Die schlimmste Frisur aller Zeiten ist zurück, der Vokuhila

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Unter dem Namen Mullet feiert der Vokuhila sein Comeback. Erste Exemplare in der Region wurden bereits gesichtet. Was der Neckarsulmer Friseur Heinrich Rotter zu dem Trend sagt.

Die Symbiose von Mann und Frisur, festgehalten unter dem Namen Rudi-Völler-Gedächtnisfrisur.
Die Symbiose von Mann und Frisur, festgehalten unter dem Namen Rudi-Völler-Gedächtnisfrisur.  Foto: HORSTMUELLER GmbH

Für die einen ist es die schlimmste Frisur aller Zeiten, für die anderen das Must-Have dieser Saison. Fest steht: Der Vokuhila ist zurück. Zwar nicht unter seiner 1980er-Jahre-Abkürzung, die für "vorne kurz, hinten lang" steht, sondern unter dem Namen Mullet, ein Wort aus dem Englischen, das laut Cambridge-Wörterbuch einen "beliebten Männerhaarschnitt aus den 1980ern beschreibt, bei dem das Haar oben und an den Seiten kurz und hinten lang ist".

Eishockeyprofis wie Wayne Gretzky und Popstars wie David Bowie waren dafür bekannt

"Ich erlebe das jetzt zum dritten Mal", sagt der Neckarsulmer Friseur Heinrich Rotter. In den frühen 1980ern sei er selbst noch ein Kind gewesen und damit nur Beobachter. Schon zuvor, Anfang der 1970er, hatte David Bowie die Welt in seiner androgynen Ziggy-Stardust-Phase mit dem Schnitt beglückt, auch Rod Stewart war mit einem Pinsel auf dem Kopf unterwegs. Die 1990er brachten dann den Vokuhila als Bad-Taste-Frisur zurück. Legendär ist bis heute die lockige Variante auf dem Kopf von Rudi Völler, in die Geschichte eingegangen als "Rudi-Völler-Gedächtnisfrisur".

 


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Auch bei Eishockeyspielern wie dem Kanadier Wayne Gretzky war "vorne kurz, hinten lang" in dieser Zeit schwer angesagt, am besten noch in Kombination mit blonden Strähnchen. Womöglich aus rein praktischen Gründen - Helmpflicht und so. Die US-Band Beastie Boys besang den Mullet 1994 in ihrem Song "Mullet Head" und trug damit mutmaßlich zur Prägung des Begriffs für den fragwürdigen Haarstil bei, der auch als "business vorne, party hinten", umschrieben wird.

Junge Frauen verlangen nach der Frisur, bei Jungs ist Dauerwelle angesagt

Für Heinrich Rotter war der Vokuhila Meisterstück in seiner Ausbildung zum Friseurmeister, erzählt er und schränkt ein: "Das ist halt ein ganz normaler Stufenschnitt." Wenn heute Kunden kämen und nach einem Stufenschnitt verlangten, seien das vor allem zwei Gruppen: Diejenigen, die den Schnitt seit den 1980ern unverändert auf dem Kopf tragen - und junge Frauen. Da gebe es schon ein paar, die nach einem Mullet verlangten. Unter den Jungs in seinem Salon H-Dimension Hairstyle sei nach wie vor die Dauerwelle angesagt, ebenfalls ein Comeback aus dem 1980ern.

Bleibt die Frage an den Experten: Steht der Stil eigentlich irgendjemandem gut? Heinrich Rotter findet, das sei eine Frage des persönlichen Geschmacks. Er hält nichts davon, wenn Leute jedem Trend hinterherrennen. Aber wenn der Haarschnitt zu einem passe und einem gefalle, warum nicht?

Steht der Stil eigentlich irgend jemandem gut? Nein, sagen Fashion-Magazine

US-Sängerin Miley Cyrus gilt als eine der aktuellen Trendsetterinnen des Mullets.
US-Sängerin Miley Cyrus gilt als eine der aktuellen Trendsetterinnen des Mullets.  Foto: JOHN ANGELILLO via www.imago-images.de

Wobei das mit dem Gefallen so eine Sache ist. Einschlägige Fashion-Magazine sind sich in ihrer Wertung ziemlich einig: Im klassischen Sinne "schöner" mache der Schnitt bestimmt nicht, er sei vielmehr Lifestyle oder ein Statement, auch ein bisschen "Rebellion gegen das Establishment". Fest steht: Eine ganze Reihe von Stars ward über die Jahrzehnte mit dem Mullet gesichtet: Tennisspieler Andre Agassi oder TV-Held Mac Gyver, sogar George Clooney trug Mitte der 1980er einen Mullet - und, man kann es nicht leugnen, sah auch damit umwerfend aus.

Heute gibt es eine große Nachfrage unter Frauen: Popstar Miley Cyrus wurde als eine der ersten mit blondem Vokuhila gesichtet, bereits kurz nach dem ersten Corona-Lockdown. Auch US-Sängerin Rihanna oder Model Cara Delevigne trauten sich. Berliner Trend-Friseure klagten Medien sogar ihr Leid: Selbst Leute mit seriösem Job wünschten sich jetzt einen Mullet, das sei schon etwas überraschend.

Wer die Augen aufhält, kann auch auf Schulhöfen in der Region inzwischen einige Mullets entdecken. Die Frisur sei einfach "fresh", so ein 16-Jähriger gegenüber unserer Redaktion, - "lässig" also, ganz so wie einst Rudi Völler mit seiner Frise.

 
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