Hohe Spritpreise: Der tägliche Wahnsinn an der Neckarsulmer Kaufland-Tankstelle
Weil der Sprit in der Neckarsulmer Rötelstraße 20 bis 30 Cent pro Liter günstiger ist, stehen viele freiwillig im Stau. Kaufland macht keine Angaben dazu, warum Benzin und Diesel im Vergleich zu anderen hier deutlich weniger kostet.

Ein Motorradfahrer bringt es auf den Punkt: "Krass, was hier abgeht." Er habe zufällig die Kaufland-Tankstelle angefahren, sagt der junge Mann aus Mosbach - und sei schön an den vielen Autos, die im Zapfsäulen-Stau stehen, vorbeigefahren. Die Folge: großes Gehupe.
Donnerstag, 14.30 Uhr. Das ist eine gute Zeit. Etwas früher am Mittag oder gegen Feierabend wird es noch ruppiger. Aber jetzt: "Nur" 25 Minuten Warten, meint Ali Irmakkesen, der mit seinem Audi RS Q3 fast die Zapfsäule erreicht hat. Natürlich sei er heute bewusst zur Kaufland-Tankstelle gefahren, sagt der 23-Jährige. Ob er Super für 1,97 Euro oder 2,17 Euro aufwärts bezahle, das mache sich am Ende bemerkbar. 80 Liter Super passen in den Tank des Audi. Ein Unterschied von 20 Cent pro Liter bedeutet: 80 mal 20 Cent = 16 Euro.
Keine Angaben zur Gestaltung der Spritpreise
Bei Diesel ist der Unterschied noch deutlicher. "Das sind 30 Cent pro Liter und mehr", sagt der Fahrer eines Kühltransports, der am Freitagmorgen auf dem Rückweg von Schwäbisch Hall nach Neckarzimmern ist. "Ich komme jetzt fast immer hierher." Die hohen Spritpreise würden noch zu einem großen Problem werden, prophezeit er. Lebensmittel verteuerten sich. Es komme zu Lieferengpässen, weil sich für Spediteure das Geschäft nicht mehr lohne. Das sei eine Abwärtsspirale. Innerhalb weniger Monate habe sich der Dieselpreis verdoppelt. "Das verdirbt einem die Lust am Fahren."
Warum Kaufland den Sprit im Vergleich zu anderen Tankstellen so günstig anbieten kann, dazu hält sich das Unternehmen bedeckt. "Wir bitten um Verständnis, dass wir zur Gestaltung der Benzinpreise sowie zum Absatz einzelner Kraftstoffe keine Angaben machen", teilt eine Sprecherin mit.
Umleitung zur Abfahrt eingerichtet

Zum regelmäßig hohen Verkehrsaufkommen heißt es: "Um die Situation zu entlasten, haben wir für unsere Filialkunden eine Umleitung zur Abfahrt von unserem Gelände eingerichtet." Diese führe unter dem Parkdeck hindurch. So werde der kleine Kreisverkehr im vorderen Bereich der Tankstelle entlastet. Eine zügige Abwicklung an den Kassen sei ihnen wichtig, sagt die Sprecherin weiter. Daher besetze man "zu Stoßzeiten immer auch eine dritte Kasse". Die Kaufland-Tankstelle verfügt über 16 Plätze an acht Zapfsäulen.
Vincent Monning und Philipp Liewhardt, beide 16 Jahre alt, stehen mit ihren Motorrädern oben auf dem Kaufland-Parkdeck und beobachten das Geschehen. "Das ist gute Unterhaltung", sagt Monning. "Gerade hat eine Frau auf Geisterfahrt gemacht." Sie habe in die Gegenrichtung die Tankstelle verlassen wollen - in der Folge gab es ein Hupkonzert. Unten sitzen Erich Spillmann aus Sinsheim und Ehefrau Ute im Hyundai Tucson. Sie scheinen das Verkehrstheater ebenfalls zu genießen. Sie stehen in der rechten Spur. "Da kann man sich schön nach vorne mogeln", sagt Erich Spillmann und zeigt auf die Stelle, die er meint. Auch seine Anfahrt in die Rötelstraße hat Spillmann strategisch geplant. Er kam aus der Heilbronner Innenstadt, fuhr aber eine große Schleife über Neckarsulm-Süd.
Eine Frau, die in Bayern ihren Freund besucht, ist extra von der Autobahn abgefahren, um am Kaufland zu tanken. Sie hatte nach billigem Sprit gegoogelt. "Wenn ich gewusst hätte, dass ich so lange im Stau stehe, hätte ich es mir überlegt", sagt sie etwas gefrustet. Aber jetzt - wo sie hier sei - tanke sie angesichts dieser Preise auch voll. Schnäppchen. Und so kommt es, dass Menschen, die gerade 100 Euro oder mehr an der Zapfsäule ausgegeben haben, trotz allem glücklich von dannen fahren.
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Stimme.de
Kommentare
am 13.03.2022 07:22 Uhr
Ob sich das lohnt, extra zum Kaufland zum Tanken fahren, weiss ich nicht. Klar, Ich würde mir Geld sparen, dass aber auch immer weniger Wert ist. Manche benötigen die Ersparnis, manche haben einfach das falsche Auto.Meine Nerven werden durch die ganzen Schreckensmeldungen eh schon genügend strapaziert, dann begebe ich mich nicht noch freiwillig in so eine Situation.