Der einst so bissige Gault Millau ist beim Wein zahm geworden
Der Gault Millau Weinguide wurde als Genussguide ganz neu aufgelegt. In Band 1 widmen sich die Top-Tester Baden-Württemberg. Wie wohl Betriebe und Köpfe aus der Region Heilbronn-Hohenlohe-Kraichgau abgeschnitten haben?

Für Winzer ist er Leistungsbarometer und Motivator, für Verbraucher eine Orientierungshilfe. Einst stand er für unverblümte, im Grunde aber konstruktive Kritik, die Winzer und Regionen zu mehr Qualität angestachelt hat.
Am Dienstag wurde in Stuttgart der neue Gault Millau Genussguide vorgestellt, in neuem Gewand und mit einem ganz neuen Konzept. Anders als früher handelt es sich um keinen reinen Weinführer für ganz Deutschland. Vielmehr setzen die Herausgeber auf einzelne Regionalführer, in deren Reihe nun Baden-Württemberg den Auftakt bildet. So listet der 430 Seiten starke Band und seine vertiefende Online-Version für 25 Euro "Die besten Adressen" im Ländle auf: 186 Weingüter, 198 Restaurants, 120 Hotels sowie 121 andere Genussadressen und bewertet sie ansatzweise nach dem bewährten Traubensystem von empfehlenswert (eine Traube ) bis einzigartig (fünf).
Genuss-Guru Geisel würdigt Vielfalt und Fülle
Auf kritische Töne verzichtet der neue Gault Millau leider. Vielmehr legen der neue Verlagschef Hans Fink, Andreas Braun als Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden Württemberg (TMBW) und Otto Geisel als Leiter des Expertenrats einen Reiseführer für Genussmenschen vor. Denn Baden-Württemberg böte eine Weinvielfalt und Fülle, so Genuss-Globetrotter Otto Geisel, "wie man sie ihresgleichen weltweit kaum mehr findet. Verglichen damit sind die berühmten Weinbaugebiete Burgund und Bordeaux oder das Piemont und die Toskana bei Weitem nicht so facettenreich aufgestellt".
Einleitende Aufsätze zum Land und zu seinen Regionen
Äußerst lesenswert ist die vom schwäbischen Spitzenkoch Vincent Klink verfasste Hommage auf "The Länd", auf seine Landschaften, Menschen, Produkte. Zudem gibt es zu jeder der fünf Hauptregionen (etwas banale) Einleitungskapitel. Zudem steuern Promis Insider-Tipps bei, für die Region Nordwürttemberg/Nordbaden DHBW-Professorin Nicole Graf. Auch die Betriebsporträts sind knapp und neutral gehalten.
Ein Held des guten Geschmacks aus dem Kraichgau
Sieben Personen, die sich um die heimische Genusskultur verdient gemacht haben, werden als "Helden des guten Geschmacks" ausgezeichnet, darunter als "Vordenker des ökologischen Weinbaus" Heinz Heiler, Besitzer der beiden Kraichgauer Weingüter Burg Ravenburg (Sulzfeld) und Heitlinger (Östringen).
Trauben für Winzer aus der Region Heilbronn-Hohenlohe
Das spannende am Gault Millau bleiben die Trauben. Hier fallen zwei besonders auf: der Neckarsulmer Jungwinzer Ludwig Berthold (drei, früher maximal eine) und die erstmals genannte Genossenschaftskellerei Heilbronn (zwei). Weitere Betriebe aus der Region Heilbronn-Hohenlohe sind mit vier Trauben deutsche Spitze: Dautel (Bönnigheim), Drautz-Able (Heilbronn), Heitlinger (Östringen), Graf Neipperg, Burg Ravensburg (Sulzfeld).
Drei Trauben (beeindruckend): Alt (Brackenheim) Adelmann (Kleinbottwar), Dr. Baumann (Affaltrach), Bentzel-Sturmfeder (Ilsfeld), Berthold (Neckarsulm), WG Cleebronn-Güglingen, Hohenbeilstein, Hirsch (Leingarten), GA Heinrich, Kistenmmacher-Hengerer (Heilbronn), Sankt Annagarten (Beilstein), Ungerer (Pfedelbach), Wachtstetter (Pfaffenhofen), Staatsweingut Weinsberg, Zipf (Löwenstein).
Zwei Trauben (sehr empfehlenswert): Birkert (Bretzfeld), Weinkonvent Dürrenzimmern, Eberbach-Schäfer (Lauffen), Frank (Brackenheim), Gaufer (Ingelfingen), Gemmrich (Beilstein), WG Heilbronn, Alexander Heinrich (Obersulm), Erich Hirth (Obersulm), Holzapfel (Neckarsulm), Landesvatter (Brackenheim), Martin Schropp (Erlenbach), Seybold (Lauffen), Seyffer (Weinsberg), WG Stromberg-Zabergäu, Supp (Weinsberg).
Eine Traube: Weihbrecht (Bretzfeld).
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