Gitterlädle der JVA Heilbronn: Häftlinge backen "legendäres Weihnachtsgebäck"
Das Gitterlädle ist der Verkaufsladen der Justizvollzugsanstalt Heilbronn und bei den Kunden sehr beliebt. Selbst die Anstaltsleitung schwärmt von den Vanillekipferl. Ein Besuch vor Ort.

Eine große Warteschlange im Heilbronner Gitterlädle bestätigt, was die Anstaltsleitung der Justizvollzugsanstalt Heilbronn (JVA) verspricht: "Das Weihnachtsgebäck ist legendär. Vanillekipferl sind der Verkaufsschlager schlechthin", sagt Andreas Vesenmaier. Schon im September würden Menschen anrufen und sich nach Plätzchen und Co. erkundigen.
Oftmals stünden die Kunden bis raus zu den Anstaltsmauern, weiß auch Helmut Fietz . Er ist Technischer Leiter und für die Organisation in den Arbeitsbetrieben zuständig. Jeden Freitag von 10 bis 16.30 Uhr öffnet das Gitterlädle - der Verkaufsladen der JVA Heilbronn - seine Türen.
Sechs Häftlinge der JVA Heilbronn helfen beim Backen
Von Mitte November an bis zum Ende des Heilbronner Weihnachtsmarktes werden rund 1,5 Tonnen Weihnachtsgebäck gebacken. Bis zu 7000 Tüten Plätzchen gehen in dieser Zeit über den Tresen. In diesen Summen inbegriffen ist neben dem Gitterlädle auch der Stand auf dem Weihnachtsmarkt. "Beides ist unser Schaufenster nach draußen", sagt Helmut Fietz.
Man zeige, mit welcher Arbeit Gefangene beschäftigt werden. "Ab Oktober zieht der ganze Duft an Gebäck durch die Anstalt. Dann weiß man: Bald ist Weihnachten." Sechs fest eingeteilte Insassen helfen die ganze Woche über beim Backen, denn neben dem Verkaufsladen steht auch die Hausversorgung auf dem Programm.
Brot, Brötchen und Süßes im Gitterlädle
Margot Natter arbeitet seit 13 Jahren jeden Freitag als Verkäuferin im Gitterlädle. "Man kennt sich. Es ist sehr familiär", sagt die 70-jährige Rentnerin, die gemeinsam mit Annette Weber und Monika Hieber für einen reibungslosen Ablauf hinter der Theke sorgt.
Man nehme sich Zeit für jeden Kunden, kenne dessen Lebensgeschichte. Das familiäre Miteinander hebt sie hervor. Wie lange sie die Arbeit noch machen will? "Das bleibt mein Geheimnis", sagt sie und lacht. "Ich hänge an der Arbeit." Die Auswahl ist groß: Es gibt Brot, Brötchen, jede Menge süße Stückchen, Marzipan- oder Nusskranz und Hefezopf.

Häftlinge der JVA Heilbronn fertigen auch weitere Erzeugnisse
Letzteres steht bei Anna Brester auf der Einkaufsliste. Die Sontheimerin wartet geduldig in der Schlange. Seit vier Jahren kommt sie jeden Freitag ins Gitterlädle. "Die Qualität ist gut, der Preis günstig", sagt sie. Von ihrem Nachbarn habe sie von dem Verkaufsladen erfahren. Mittlerweile bringe sie ihm jede Woche seinen Einkauf mit, weil er nicht mehr so mobil sei.
Wer seinen Blick im Gitterlädle schweifen lässt, sieht unter anderem auch Wein, Nudeln, Taschen oder Fruchtaufstriche: Es gibt eine große Auswahl an Erzeugnissen, die von den Strafgefangenen in den Werkbetrieben des Vollzuglichen Arbeitswesens (VAW) per Hand gefertigt werden. Ausstellungsraum nebenan stehen Dekoartikel, Weinhalter, Spardosen oder Büromöbel zum Verkauf.
Lieber arbeiten statt Hofgang
Manch ein Insasse finde so großen Gefallen an der Arbeit, dass er auf eine warme Dusche oder den Hofgang verzichten möchte, weiß Fietz. "Sie genießen es, raus aus der Zelle zu kommen und sich kreativ einbringen zu können." Fietz zeigt auf die "Jailers" - Taschen. Sie werden aus Lkw-Planen gefertigt. Die Idee sei entstanden, als die Schuhmacherei schließen musste und 40 Arbeitsplätze verloren gingen. Man habe nach einer Alternative suchen müssen, Arbeitsplätze zu erhalten. Jahre später machen die Gefangenen "aus jeder Tasche ein Unikat".
Im Inneren der Tasche können sie eine Notiz hinterlassen, beispielsweise, weswegen sie einsitzen. Käufer wiederum können online darauf antworten. Von: "Du sitzt zu Recht, du Schwerverbrecher" bis: "Danke für diesen Einblick in deine Lebensgeschichte" sei alles an Rückmeldungen dabei, so Fietz. Aber: Mit Negativem konfrontiert zu werden, gehöre eben auch zur Resozialisierung.
Ausgezeichnter Glühwein beim Weihnachtsmarkt-Stand der JVA
Jedes Jahr findet ein Glühwein-Wettbewerb statt, zu dem die Heilbronn Marketing GmbH (HMG) eine Jury aus Winzern, Gastronomen, Touristikern und Medien rekrutiert, die das Glühwein-Angebot im Käthchen-Weihnachtsmarkt testet. Dieses Mal hatte der Stand auf dem Kiliansplatz "Rote Winzerglühwein" der Justizvollzugsanstalt Heilbronn mit der Außenstelle Hohrainhof aus Talheim die Nase vorn.
Im Geschmack erinnere er an 1001 Nacht und an fruchtige Südsee, im Abgang an Marzipan und Mandel, so die Moderatoren Carolin Bordon, Sommeliere der Genossenschaftskellerei Heilbronn, und Nicolas Sigloch (Sitt Weinbar im Deutschhof).

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