Dampf machen beim flüssigen Wasserstoff
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen bereitet sich auf seine Rolle als Know-how-Vermittler für die Region Heilbronn vor. Umweltministerin Walker beeindruckt, wie weit das Raumfahrtzentrum bei diesem Thema schon ist.

Wenn am 20. September 2022 der Kongress der Metropolregion Stuttgart in Heilbronn stattfindet, dann wird das Zukunftsthema Wasserstoff einen wichtigen Platz einnehmen. Beim 9. Wasserstoff-Tag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen zeigte sich, dass hier Großes entsteht. Das weckte auch die Aufmerksamkeit der neuen Umweltministerin Thekla Walker.
Rundfahrt mit dem Wasserstoff-Bus
Walker (Grüne) ist zum ersten Mal in Hardthausen. Und so freut sich auch Bürgermeister Thomas Einfalt, seine "ganz normale schwäbische Gemeinde" vorzustellen - "mit einem Metzger, zwei Bäckern und einem Raumfahrtzentrum". Was es damit auf sich hat, zeigt Stefan Schlechtriem, Direktor des DLR-Instituts für Raumfahrtantriebe, bei einer kurzen Rundfahrt. Auf Wasserstofftanks, Labore und dann vor allem die Triebwerksprüfstände in allen Größen geht er ein - passend zum Tag in einem Wasserstoff-Bus.
Am großen Prüfstand P5 soll künftig neben Wasserstoff auch die Kombination aus flüssigem Sauerstoff und Methan zum Einsatz kommen können. Hoffnungen macht sich Schlechtriem, dass wegen dieser Tests irgendwann auch die Amerikaner anklopfen.
Zudem werde Lampoldshausen natürlich bald von sich reden machen, was den grünen Wasserstoff angeht. "Vieles, was ich sonst so zu sehen bekomme, befindet sich ja noch im Versuchsstadium", kommentiert die Umweltministerin. Sie zeigt sich überrascht zu sehen, wie weit man hier in Lampoldshausen schon ist.
Auf den ersten Elektrolyseur soll ein zweiter folgen

Auf die Unterstützung des Landes zählt man hier - und konnte schon in der Vergangenheit auf sie zählen. Geld gab es bereits für die Installation eines ersten Elektrolyseurs, mit dem man Windstrom aus dem Harthäuser Wald in Wasserstoff umwandelt.
Die ersten Tonnen wurden bereits ins DLR-Netz eingespeist. Einen dicken Batzen steuerte das Wirtschaftsministerium bei. Zero Emission heißt das Projekt, mit dem der gesamte Standort klimaneutral betrieben werden soll.
Und zuletzt gab es im April den Zuschlag für Winregio-Mittel, mit denen das DLR zur Wasserstoff-Drehscheibe ausgebaut werden soll. Die Verantwortlichen stehen in den Startlöchern.
Angebot für Unternehmen, die auf die neue Technik setzen
Ein Projekt greift hier ins andere. Mit einem Teil der 16 Millionen Euro, die das Wirtschaftsministerium für "Zero Emission" bereitgestellt hat, ist ein sogenanntes H2-Technikum geplant. Dort sollen Unternehmen Anwendungen der Wasserstofftechnologie testen können, etwa Brennstoffzellen oder Kompressoren.
Mit dem Hydrogen-Hub aus dem Winregio-Projekt werden die Testmöglichkeiten dann auch um den flüssigen Wasserstoff erweitert. "Der Bedarf ist größer als gedacht", sagt der stellvertretende Institutsdirektor Klaus Schäfer.
Wissenschaftlich transparent im Umgang mit den neu gewonnen Erkenntnissen
Allein die Betankung eines Fahrzeugs mit hochkomprimiertem Wasserstoff sei ein Prozess mit zahlreichen Wechselwirkungen. "Nicht jeder Tankvorgang führt zum vollen Tank", sagt Schäfer.
Die Erkenntnisse, die man beispielsweise mit der mobilen Tankstelle auf dem DLR-Gelände gewinne, könne man den Unternehmen zur Verfügung stellen. "Die großen Hersteller wissen zwar, was da passiert, aber die teilen ihr Wissen nicht mit anderen."
Zusätzlich zu einem weiteren großen Elektrolyseur soll ein Verflüssiger am Standort errichtet werden. Das Problem: Selbst die vielen Millionen an Fördergeld, die zugesagt sind, werden von solcherlei Technik schnell aufgefressen. Denn um Wasserstoff zu verflüssigen, muss das Gas auf eine Temperatur heruntergekühlt werden, die dem absoluten Nullpunkt sehr nahe ist.
Verflüssiger als Eigenentwicklung?

Die Anbieter solcher Gerätschaften lassen sich die Technik teuer bezahlen. "Wir denken deshalb darüber nach, selbst einen Verflüssiger zu entwickeln", erzählt Schäfer. Alles in allem werden zwar mehr als 25 Millionen Euro in den Standort fließen. Für solche Vorhaben könnte es allerdings immer noch zu wenig sein.
Wieder hofft man auf Fördergeld
In Stuttgart stehen weitere Mittel bereit. Erst Anfang Juli hat der Ministerrat beschlossen, in den kommenden fünf Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag bereitstellen, um europaweit bedeutsame Projekte im Wasserstoff- und Brennstoffzellenbereich mitzufinanzieren.
Sollte die Ministerin hier also nachhaltig beeindruckt worden sein, dann könnte Lampoldshausen auch bei weiteren Förderrunden eine wichtige Rolle spielen.
Walker sieht das Thema Wasserstoff in einem größeren Kontext. Bei der Klimaerwärmung gehe es de facto schon nicht mehr um die Begrenzung auf 1,5 Grad. "Wir reden inzwischen über zwei Grad, wenn man sich die nationalstaatlichen Pläne anschaut." Umso wichtiger sei, jetzt konsequent zu handeln.
Die Umweltministerin ist überzeugt: Klimaneutralität ist nur mit Energieeffizienz und grünem Wasserstoff zu erreichen. Es sei zwar eine Herausforderung, diesen Energiespeicher in großen Mengen herzustellen. Das könne kaum in Baden-Württemberg geschehen.
Walker: "Eine Chance für die heimische Wirtschaft"
"Aber die Weichen müssen wir jetzt stellen", so Walker, denn das Land solle hier eine Vorreiterrolle spielen. So ist es auch in der Wasserstoff-Roadmap beschrieben, die das Land vor einem Jahr vorgestellt hat. Um schnell voranzukommen, brauche es solche Wasserstoff-Zentren wie in Lampoldshausen. "Das ist auch eine Chance für die heimische Wirtschaft", so die Grünen-Politikerin.
Für das DLR ist es ein weiterer Baustein, die Zukunft des Standorts Lampoldshausen zu sichern. Anke Pagels-Kerp, seit wenigen Wochen Bereichsvorstandsmitglied Raumfahrt beim DLR, verweist zum einen auf Know-how aus vier Jahrzehnten Umgang mit Wasserstoff. Kernkompetenz bleiben aber die Triebwerkstests. Ziel sei deshalb auch eine umweltfreundliche Raumfahrt - mit grünem Wasserstoff.
Landrat Norbert Heuser sagt: "Wir müssen großräumiger denken." Er selbst wird beim Metropolkongress im kommenden Jahr die Arbeitgruppe H2-Ökosystem leiten. Er ist überzeugt: "Wir stehen an einem Punkt, an dem wir Maßnahmen ergreifen müssen."
Es muss günstiger werden
"Wasserstoff wird kommen, es ist nur eine Frage der Zeit", so lautet das Fazit von Zeag-Vorstandschef Franc Schütz. Er betont, wie schwierig es ist, grünen Wasserstoff zu vertretbaren Kosten herzustellen. Der entscheidende Faktor sind hier zum einen die Strompreise - und die steigen. Darauf zu warten, dass durch den Zubau an erneuerbaren Energien so viel überschüssiger Strom erzeugt wird, dass sich die Herstellung von Wasserstoff lohne, sei "eher ein Holzweg", so Schütz. Ein hoher CO2-Preis hingegen könne die Kostennachteile des grünen Wasserstoffs wettmachen.


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