Corona-Frühwarnsystem in Kläranlagen kommt schleppend voran
Corona-Frühwarnung aus der Kloake: Wissenschaftler machen gute Erfahrungen damit, das Infektionsgeschehen durch Tests im Abwasser von Kläranlagen nachzuweisen. Trotzdem geht es damit nur schleppend voran, ein bundesweites Pilotprojekt läuft noch bis zum Frühjahr. Die Region ist bislang außen vor.

„Karlsruhe hat sehr gute Erfahrungen mit dem Abwassermonitoring gesammelt“, teilt das dortige Rathaus mit. Die Stadt gehört zu den Pionieren der Methode. Dort untersuchen Mikrobiologen des Technologiezentrums Wasser (TZW) seit 2020 systematisch das Abwasser der Kläranlage auf sogenannte Biomarker des Coronavirus. Ihre Erfolge haben sie Anfang des Jahres in einem Fachaufsatz dargelegt.
System liefert frühzeitig Hinweise auf Wellen
Die so gewonnenen Erkenntnisse nahmen das durch Tests festgestellte Infektionsgeschehen um etwa zwölf Tage voraus. „Die Kosten sind überschaubar“, heißt es aus Karlsruhe, „der Nutzen überwiegt bei weitem“. Nach Einschätzung von Experten kann das Frühwarnsystem besonders hilfreich sein, wenn Corona in die endemische Phase übergeht, also zum ständigen Begleiter wird.
Von einem flächendeckenden Monitoring-Netz in Deutschland kann derweil keine Rede sein. Ein Pilotprojekt mit 48 Standorten soll bis März 2023 laufen, berichtet das Bundesforschungsministerium auf Stimme-Anfrage. „Über den Ausbau soll erst nach Abschluss der Pilotphase entschieden werden.“
Ergebnisse aus den Abwasseruntersuchungen ergänzen bereits die Berichte des Robert-Koch-Institut (RKI) zur Corona-Lage. Nach bisherigen Erkenntnissen kommt das Ministerium zum selben Schluss wie die Stadt Karlsruhe: „Die erhobenen Daten der Kläranlagen und Labore erlauben Rückschlüsse zum Trend der Infektionsdynamik.“
Laut Bundesgesundheitsministerium, das für die Finanzierung zuständig ist, werden im bundesweiten Projekt 20 Standorte mit EU-Geld, 24 mit Bundesmitteln und vier weitere von einzelnen Ländern gefördert. Der Bund steckt bis März 5,8 Millionen Euro in die Förderung, die EU 3,7 Millionen Euro.
Fördersumme unter zehn Millionen Euro
Für 44 Standorte stehen also in Summe 9,5 Millionen Euro zur Verfügung. Manche Länder haben eigene Projekte, die aber wie in Thüringen zum Teil schon wieder ausgelaufen sind. Für den bundesweiten „Pandemie-Radar“ arbeitet das Gesundheitsministerium nach eigenen Angaben mit Umweltbundesamt und RKI „intensiv an einer Ausweitung der bestehenden Messstellen“.
Heilbronn In den Kläranlagen der Region wird Abwasser nicht auf Corona-Marker untersucht. Man habe sich „um eine Teilnahme an der Pilotstudie beworben, falls diese ausgeweitet werden sollte“, so eine Sprecherin der Stadt Heilbronn. Man sei deswegen in Kontakt mit dem Landesgesundheitsamt. Für die laufende Studie habe sich das Land auf zwei Standorte festgelegt.
Bedenken wegen großem Einzugsgebiet
Die Stadt hat aber auch Zweifel, ob die Methode trennscharfe Ergebnisse liefert. In der Heilbronner Kläranlage wird auch Abwasser aus Brackenheim, Cleebronn, Eppingen-Kleingartach, Flein, Leingarten, Massenbachhausen, Nordheim, Schozach, Schwaigern und Talheim aufbereitet.
„Die Interpretation der Messergebnisse wird nicht nur durch die Größe des Abwasser-Einzugsgebietes erschwert, sondern bei einer Erkrankung mit einer hohen Dunkelziffer auch durch den Pendlerverkehr“, sagt Dr. Peter Liebert, Leiter des städtischen Gesundheitsamts. „Zudem müssen Standards bei der Probenaufbereitung und der Interpretation der Messergebnisse national erst noch etabliert werden.“
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