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 Corona: Analyse der Viruslast im Abwasser stockt noch 

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Wie sich die aktuelle Corona-Lage darstellt, ist gar nicht so leicht zu beurteilen. Im Hohenlohekreis sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz, doch die Zahl der Klinik-Patienten steigt. Ein Abwasser-Monitoring gibt es noch nicht. Und keiner weiß wirklich, wie viele Bürger eigentlich geimpft sind. 

Im Hohenlohekreis wird noch kein Abwasser auf Coronaviren untersucht.
Im Hohenlohekreis wird noch kein Abwasser auf Coronaviren untersucht.  Foto: Berger, Mario

Der Corona-Herbst 2022 ist da. Doch wie stark ist der Hohenlohekreis betroffen? Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100000 Einwohner war seit Mitte September gestiegen und ist seit 12. Oktober von 1035 auf 749 gesunken. Ihr Aussagewert ist aber nur noch begrenzt. Also müssen andere Faktoren her, etwa die Analyse des Abwassers. Doch das Landratsamt des Hohenlohekreises meldet dazu: Fehlanzeige. In keiner kommunalen Kläranlage sei das Abwasser bisher auf Coronaviren untersucht worden. 

Stand Freitag werden im Öhringer Krankenhaus 17 Corona-Patienten behandelt

Fest steht: Die Zahl der Corona-Patienten im Hohenloher Krankenhaus Öhringen ist zuletzt gestiegen. So wie in ganz Baden-Württemberg. Diese „Hospitalisierungsinzidenz“ ist für das Land ein wichtiger Indikator. Öhringen meldete am Freitag 17 Corona-Patienten, davon musste einer auf der Intensivstation behandelt werden. Vor drei Wochen waren es nur vier Corona-Fälle. In Baden-Württemberg lagen am Donnerstag 2164 Coronafälle auf Normalstationen (plus 299 zur Vorwoche) und 168 in Intensivabteilungen (plus zwölf). 

Das ist der Stand beim bundesweiten Abwasser-Monitoring

Neu aufgenommen in den ausführlichen Tagesbericht des Sozialministeriums, der immer donnerstags erscheint, wurden Infos des Robert-Koch-Instituts (RKI) über die Viruslast im Abwasser, die aber nicht repräsentativ sind. Aus Baden-Württemberg aufgeführt seien nur die Standorte Stuttgart und Tübingen, sagt Florian Mader, Sprecher des Ministeriums. „Darüber hinaus soll das Abwasser-Monitoring bundesweit auf zusätzliche Standorte ausgeweitet werden.“ Das Land wolle ebenfalls nachziehen und die Abwasser-Analysen auf weitere Standorte ausdehnen. Nach der jüngsten RKI-Grafik lag die Viruslast zuletzt bei 57,1 Prozent und ist „gegenüber der Vorwoche“ um 9,6 Prozent gesunken. Als letzter Stand wird 6. Oktober angezeigt.


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Ist der Herbst-Peak schon überschritten?

Das Land sieht gerade keinen Grund, die Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg zu verschärfen – etwa um eine Maskenpflicht in Innenräumen. Der Ministerpräsident habe das in der Regierungspressekonferenz am Dienstag deutlich gemacht. „Wir haben eine stagnierende, und keine steigende Lage“, sagt Mader. Es könnte sein, „dass wir den Herbst-Peak schon überschritten haben“. Auch das aktuelle Abwasser-Monitoring spreche dafür. 

Sozialministerium bleibt in „Habacht-Stellung“ 

„Allerdings müssen wir diesen Trend mit Vorsicht genießen und sind in Habachtstellung.“ Hinzu komme, dass „auf Bevölkerungsebene und im niedergelassenen Bereich“ aktuell sehr viele Atemwegserkrankungen erfasst seien. „Auch die Belastung der Krankenhäuser ist hoch und wird, selbst wenn die Corona-Dynamik abnimmt, vorläufig hoch bleiben.“ Grund dafür seien Personalausfälle und viele Patienten, die mit Atemwegsproblemen klinisch behandelt werden müssten.

Sieben-Tage-Inzidenz spiegelt Lage nur noch bedingt wieder 

Auch in Baden-Württemberg ist die Sieben-Tage-Inzidenz seit 12. Oktober gesunken: von 796 auf 641. In dieser Statistik werden aber nur laborbestätigte Fälle erfasst, die auf einem positiven PCR-Test beruhen. „Die tatsächliche Infektionsrate dürfte höher sein“, sagt Sascha Sprenger, Sprecher des Landratsamts Hohenlohekreis. Experten glauben, dass die Dunkelziffer vier- bis zehnmal höher liegen könnte. Die Aussagekraft sei deshalb „eingeschränkt“, so Sprenger. „Dennoch lassen sich darüber Daten und Trends zum aktuellen Infektionsgeschehen ableiten.“ 

So sieht es bei den Impfungen aus

Derzeit impfen nur niedergelassene Ärzte. Die Impfkoordinatoren der Kreise sollen vom Land noch besser über Impftermine informiert werden, damit Impfangebote bei Bedarf aufgestockt werden können. Wie viele Kreisbürger geimpft sind, ist unklar. Das Sozialministerium hatte seine Statistik vor vier Monaten eingestellt. Sie sei ohnehin unvollständig gewesen, so Mader. Der letzte Stand vom 13. Juni war, dass im Hohenlohekreis 67,7 Prozent zwei Impfungen und 54,7 Prozent eine Auffrischung erhalten haben.

 

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