Breitenauer See fast leer: Helfer setzen Fische um
Viel ist nicht mehr übrig, nur eine Lache im Vergleich zur üblichen Fläche des Breitenauer Sees. Bevor das Gewässer ganz abgelassen ist und die Sanierung beginnen kann, haben Helfer des örtlichen Fischereivereins am Wochenende damit begonnen, Aale, Zander und Co. in sichere Gefilde zu befördern.
Bis hierher und nicht weiter. Sicherheitsleute haben am Ufer rot-weiße Strippen gezogen. Ins abgegrenzte Areal und zum See, der nurmehr ein Teich ist, dürfen nur die Angler vom Fischereiverein Breitenauer See. Bis zu 70 Helfer sind im Einsatz. "Am ersten Tag haben sie wenige Hundert Kilogramm Fisch rausgeholt", berichtet Stefan Thoma, Weinsberger Bürgermeister und Vorsitzender des Wasserverbands Sulm. Da geht noch was. Auf bis zu zehn Tonnen wird der Bestand geschätzt. "Ob es wirklich so viel ist, werden wir sehen", sagt Sabrina Theel, Betriebsbeauftragte des Verbands.
Schauspiel gibt es nur alle zwei Jahrzehnte
Es ist ein seltenes Schauspiel am größten See des Regierungsbezirks Stuttgart. Er ist in normalen Zeiten ein beliebtes Badegewässer, technisch gesehen aber ein Rückhaltebecken zum Hochwasserschutz. Als solches muss er alle zwei Jahrzehnte abgelassen werden, damit Anlagen und Ufer geprüft, ergänzt und saniert werden können. Zuletzt wurde der See 1995 trocken gelegt. Auch da rückten die Fischer an. "Es war etwas einfacher", erinnert sich Thilo Busch, Gewässerwart der Fischer. Der Schlamm am Grund sei seinerzeit nicht so tief gewesen. Derzeit ist der Schlick tückisch. "Man bleibt schnell stecken", warnt der Verbandsvorsitzende Thoma.
Einige paar Schuhe haben die Helfer schon gefunden. Deren Träger haben sich wohl auf Socken zum Ufer gerettet. Im Schlamm tummeln sich auch Welse. Ein paar Exemplare hatten die Fischer an der Angel. Sie werden nicht wieder in den See gesetzt, weil die Raubfische allen anderen Arten das Leben schwer machen. Aal, Zander, Karpfen, Hecht und ein paar andere Spezies werden in einen Bottich verfrachtet mit dem Traktor abtransportiert und größtenteils in die Vorsperre befördert, die nicht abgelassen wird.
Gefährliche Krebse werden aussortiert
Ist der See wieder voll, kehrt das Getier zurück. Doch nicht alle haben eine Rückfahrkarte. Rote Amerikanische Sumpfkrebse, die ins Netz gehen, werden aussortiert und abgekocht. Sie schleppen die Krebspest ein, die anderen Arten zum Verhängnis wurde.
Damit die invasive Art, die weltweit als Speisekrebs gezüchtet wird, die Pest nicht über Land trägt, wurden bereits Amphibienzäune installiert. "Wir werden sie weiterhin im See haben", erwartet Betriebsbeauftragte Theel. Die Zahl wird aber reduziert. So bleibt mehr Platz für Galizische Sumpf- oder Marmorkrebse. Kamberkrebse, die ebenfalls aus Nordamerika stammen, sind jetzt beim Ablassen erstmals im Breitenauer See entdeckt worden.
See läuft voraussichtlich bis Ende 2022 wieder voll
Rund 70.000 Kubikmeter Wasser sind noch übrig im See, der sonst ein Vielfaches fasst. Bis Ende April soll auch die Lache abgelassen sein. Dann starten die auf 400.000 Euro geschätzten Sanierungsarbeiten. Unter anderem werden abgebrochene Uferbefestigungen erneuert. Zwei bis fünf Monate soll das dauern. "Dann wird der Schieber am Abfluss wieder geschlossen", erklärt Thoma.
Der See läuft dann voll. Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie häufig und wie heftig es regnet. "Die Badesaison 2022 fällt mit ziemlicher Sicherheit noch aus", erwartet Thoma. Freizeitsport wird wohl frühestens Ende des kommenden Jahres wieder möglich sein. Dann darf der Breitenauer See sein Wasser wieder zwei Jahrzehnte lang behalten.
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