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Wie steht es eigentlich um den Bürgerbus in der Region Heilbronn?

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In Kommunen des Landkreises Heilbronn gibt es ganz unterschiedliche Modelle des Fahrdienstes. Mal ist der Bürgerbus kostenlos, mal wird ein kleiner Obolus fällig. In Bad Wimpfen wurden in elf Jahren 150.000 Fahrgäste befördert.

Wo es einen festen Fahrplan und Haltestellen gibt, wie in Leingarten, sind die Stellen, an denen der Bürgerbus hält, auch mit dem Verkehrszeichen mit dem Kreis mit grünem Rand und einem Grünen H in der Mitte markiert.
Wo es einen festen Fahrplan und Haltestellen gibt, wie in Leingarten, sind die Stellen, an denen der Bürgerbus hält, auch mit dem Verkehrszeichen mit dem Kreis mit grünem Rand und einem Grünen H in der Mitte markiert.  Foto: Berger, Mario

Die Gemeinde Flein hat vieles probiert: Sie hat den Fahrpreis abgeschafft, den Fahrplan, die Routen und die Haltestellen mehrfach optimiert: ohne Erfolg. Die Auslastung ist nicht so gestiegen, dass sich die Kosten rechtfertigen ließen. Deshalb zog der Gemeinderat schweren Herzens die Reißleine. Das Omnibusunternehmen Gross wird spätestens zum 30. Juni das Fleinmobil, das es im Auftrag der Gemeinde steuert, streichen. Es soll ein anderes Modell für das Serviceangebot gesucht werden. Eine Umfrage nach ehrenamtlichen Fahrern hatte vor einiger Zeit jedoch keine große Bereitschaft ergeben. Im Landkreis Heilbronn gibt es die unterschiedlichsten Modelle in Sachen Bürgerbus. Mancherorts ist der Fahrdienst, den vor allem ältere Einwohner nutzen, nicht mehr wegzudenken.


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Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen

Sechs Fahrgäste beförderte das Fleinmobil am 2. Februar, neun am 9. Februar. Das war die jüngste Stichprobe. 2020 und 2021 wurden an jedem der beiden Tage, an denen der Bürgerbus läuft, durchschnittlich nicht einmal 15 Fleiner befördert. Dabei bezahlt die Gemeinde pro Fahrtag 335 Euro, seit dem Start im September 2017 summieren sich die Kosten auf 145.000 Euro. Ein zu schlechtes Kosten-/Nutzungsverhältnis, um das Angebot in dieser Form aufrecht zu erhalten. Da war sich der Gemeinderat einig.

Dieses System auf professionellen Beinen wurde in Ilsfeld 2018 nach einem Jahr ebenfalls eingestellt und von einer Art Ruftaxi abgelöst. In Talheim hingegen ist der Bürgerbus mit seinen 30 Haltestellen mit dem Kooperationspartner Gross ein Erfolgsmodell.

In Wüstenrot bestimmt Fahrgast Ziel und Zeit

Einen Fahrplan, eine festgelegte Route und Haltestellen gibt es in der Flächengemeinde Wüstenrot nicht. Hier bestimmt der Fahrgast, der direkt vor der Haustür abgeholt wird, Ziel und Zeit. Das Angebot gilt montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr. Zwölf Fahrer und drei Koordinatoren, die die Buchungen entgegennehmen, stehen zur Verfügung. Die Ehrenamtlichen bekommen eine Aufwandsentschädigung von sechs Euro pro Stunde. Das Fahrzeug hat die Gemeinde geleast, die plant, auf ein E-Mobil umzusteigen. 30.000 Euro pro Jahr lässt sich die Kommune diesen Fahrdienst für die Bürger kosten. "Der Bedarf ist absolut da", sagt Bürgermeister Timo Wolf zur Resonanz.

In Obersulm wird wegen Pandemie pausiert

Dieses Modell lässt Einzelfahrten zu, weshalb das Bürgermobil in Wüstenrot auch während der Pandemie keine Unterbrechung erfuhr. Im Gegensatz zu Obersulm. "Wir fahren seit fast zwei Jahren nicht mehr", gibt Hauptamtsleiter Jochen Dicht zur Auskunft. Den Ehrenamtlichen war nicht wohl bei der Sache. Ende März findet ein Gespräch darüber statt, ob es im April wieder los gehen soll. Drei Neuzugänge haben den Personenbeförderungsschein abgelegt, den die Gemeinde ebenso bezahlt wie Sprit und Versicherung. Entlohnt werden die Fahrer nicht, die Fahrgäste müssen nichts bezahlen, wenn sie in den Neunsitzer, der sonst als Kindergartenbusle eingesetzt wird, einsteigen. Sie können aber etwas spenden. 2013 wurde diese Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr in Obersulm eingeführt. Zwei Tage in der Woche werden die 30 Haltestellen in den sechs Ortsteilen bedient.

In Bad Wimpfen wurde Angebot sofort angenommen

Am 28. Februar 2011 war der Bürgerbus zum ersten Mal in Bad Wimpfen unterwegs. Das Angebot, das Personen vom Berg bis ins Tal und zurück befördert, fand schnell großen Anklang. Vor allem Senioren nutzen den Bürgerbus, um zum Gesundheitszentrum und zum Supermarkt zu gelangen. "Schon nach wenigen Monaten haben wir unseren 1000. Fahrgast begrüßt", erinnert sich Reinhold Korb, der das Projekt gemeinsam mit Rudi Holzmann federführend betreut.

Nach kurzer Zeit entschied die Stadt, das Angebot fest zu etablieren. Im Oktober 2011 tauschte der Bürgerbusverein den geliehenen Bus gegen einen eigenen Kleinbus. Inzwischen hat sich sogar ein zweiter Kleinbus, der maximal acht Personen transportieren kann, hinzugesellt. "Dadurch können wir reagieren, sollte ein Bus einmal ausfallen", so Korb. Die Kosten für Reparatur und Service trägt die Stadt.

Unterwegs im Stundentakt

Unter der Woche fährt der Bürgerbus im Stundentakt 20 Haltestellen an. Samstags fährt er nur am Vormittag. "Ich denke, der Stundentakt ist auch das Erfolgsgeheimnis. Die Leute können sich darauf verlassen, dass jede Stunde ein Bus kommt, der sie zu ihrem Ziel bringt und wieder abholt." 34 Fahrer kümmern sich auf freiwilliger Basis um die Beförderung der Personen, die dafür einen Euro bezahlen. Morgens und am Mittag fahren auch Kindergartenkinder mit. "Im Durchschnitt befördern wir 300 Fahrgäste in der Woche", schätzt Korb. Mit den Supermärkten und Apotheken in Bad Wimpfen hält der Bürgerbusverein eine Kooperation: "Wer zu einem gewissen Betrag einkauft oder ein Rezept einlöst, bekommt in den entsprechenden Läden einen kostenlosen Rückfahrschein."

Masken und Abstand

Vor einem Jahr musste der Bürgerbus coronabedingt zwei Monate pausieren. "Das war für die Leute natürlich nicht schön." Als es um eine zweite Pause aufgrund von Corona ging, habe man sich dagegen entschieden. "80 Prozent unserer Fahrer haben gesagt, sie wollen trotzdem fahren", erzählt Korb. Hygienemaßnahmen wie Maskenpflicht und das Abstandsgebot gelten nach wie vor. Das halte die Fahrgäste aber nicht von der Nutzung des Bürgerbusses ab. So wurde am 22. Februar der 150.000. Fahrgast mit Blumenstrauß und zehn Freifahrt-Gutscheinen empfangen.


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Ehrenamtliche bringt Fahrgäste direkt zur Imfpung


Samstags ist Bürgerbustag in Bad Rappenau

In Bad Rappenau fahren den Bürgerbus seit Beginn im Jahr 2017 ausschließlich Ehrenamtliche. Jeden Samstag ab 9 Uhr ist das Fahrzeug im Stadtgebiet auf einer festen Route unterwegs. Seit dem Start der Corona-Impfungen 2021 bietet der Verein zusätzlich Fahrten zu den Impfzentren sowie zum Hausarzt an. Wegen der Pandemie gingen auch in der Kurstadt die Fahrgastzahlen zurück. Mittlerweile wurden über 5000 Personen von A nach B gebracht.

Blick in die Statistik in Leingarten

In Leingarten ist der Bürgerbus ein Erfolgsmodell, das beweisen die Zahlen, die das fünfköpfige Leitungsteam der Fahrer zusammengestellt hat. Seit dem Start am 10. Oktober 2017 sind bis 31. Dezember 2021 9018 Personen befördert worden, durchschnittlich 30 Fahrgäste pro Tag. 132 Kilometer kommen pro Fahrtag zusammen, insgesamt waren es 38 940. 2655 Stunden leisteten die Fahrer bis Ende 2021. Acht neue sind 2021 dazugekommen zum Pool, der sich aus 21 Männern und Frauen rekrutiert. bif

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