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Audi legt bei den Elektroautos den Schalter mit Nachdruck um

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Audi baut sein Angebot an Stromern bis 2027 deutlich aus. Das Prestigeprojekt Artemis verzögert sich um ein Jahr. Ist das eine neue Chance für den E-Tron GT Avant aus Heilbronn?

 Foto: Audi

Zuerst kommen zwei Sicherheitsschleusen, das Smartphone muss draußen bleiben, bevor sich die Tür endlich öffnet. Auf dem riesigen Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg befindet sich einer der am besten gehüteten Orte des Zwölf-Marken-Konzerns. Ein fensterloser Raum so groß wie eine Turnhalle. In der Mitte ist eine riesige Video-Leinwand angebracht, im Boden sind Drehteller eingelassen. Intern nennen sie diesen Ort Walhalla. In der nordischen Mythologie ist damit der Ruheort gefallener Kämpfer gemeint, also eine Ruhmeshalle. In der Walhalla von Volkswagen wird Vorständen der verschiedenen Marken, Aufsichtsräten und anderen Entscheidern in regelmäßigen Abständen präsentiert, was in einigen Jahren auf die Straße kommen soll. Oder eben nicht. Hier wird Autogeschichte geschrieben.

Rivalität zwischen Audi und Porsche

Nicht immer sind sich alle einig, wenn die Tücher von den Autos gezogen werden. So war es vor ein paar Jahren, als Audis Designchef Marc Lichte einen neuen Kombi vorgestellt hat. Nicht irgendeinen Kombi, sondern den E-Tron GT Avant - eine zweite Variante des ersten Elektroautos aus der Region, das am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn produziert wird. Während Lichte dem Vernehmen nach mehrheitlich Lob für das wunderschön gezeichnete Auto erntete, gab es bei Anwesenden der Schwestermarke Porsche lange Gesichter. Zur Erinnerung: Porsche Taycan und Audi E-Tron GT teilen sich die Plattform und 60 Prozent der Bauteile. Das spart Entwicklungskosten. Dennoch existiert zwischen den beiden sportlichen Marken immer noch eine gewisse Rivalität.


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Entscheidung soll nochmal auf Tagesordnung

Nach langen Diskussionen im Anschluss an die Präsentation stand damals fest: Der Taycan erhält eine zweite Karosserievariante, den Cross Turismo - der E-Tron GT nicht. Am Ende hatte die Porsche-Familie als Miteigner des Konzerns ein Machtwort gesprochen. "Das Auto ist denen bei Porsche zu gut, die wollen den Absatz dann lieber bei sich haben", erzählt ein leitender Ingenieur, der schon für beide Unternehmen gearbeitet hat. Nun kommt nach Informationen der Heilbronner Stimme aber doch noch einmal Bewegung in die Sache. In Ingolstadt und Neckarsulm regt sich vermehrt Widerstand. Der elektrische Audi-Kombi soll noch einmal zur Entscheidung auf die Tagesordnung kommen.

Viertüriges Luxus-Coupé kommt mit 700 Kilometern Reichweite

Markus Duesmann will bei der Elektro-Offensive keine Zeit verstreichen lassen. Wenngleich sich der Audi-Chef beim Prestigeprojekt des Konzerns, der neuen Entwicklungseinheit Artemis, nun doch etwas mehr gedulden muss als ihm lieb ist. Die Projektphase für das Modell mit der internen Bezeichnung Landjet ist nun abgeschlossen. Das viertürige Coupé für die Luxusklasse soll mehr als 700 Kilometer Reichweite bieten und löst perspektivisch den A8 aus Neckarsulm ab, der keinen direkten Nachfolger erhalten soll. Weil es aber mit der neuen, im Konzern selbst entwickelten Software nicht so vorangeht, wie man sich das vorgestellt hat, wurde der Serienstart dem Vernehmen nach von 2024 auf 2025 verschoben.


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17 Milliarden Euro für Transformationsthemen

So oder so: Bei den E-Autos legt Audi den Schalter endgültig um. "In diesem Jahr werden mehr als die Hälfte der neu eingeführten Modelle elektrifiziert sein", sagt Audi-Chef Markus Duesmann. In den nächsten fünf Jahren investiert Audi insgesamt 35 Milliarden Euro. 17 Milliarden Euro davon entfallen auf die Transformationsthemen Elektrifizierung und Digitalisierung. Nächster wichtiger Meilenstein ist an diesem Mittwoch die Weltpremiere des elektrischen Kompakt-SUVs Q4 E-Tron, mit dem die Marke mit den vier Ringen erstmals eine größere Stückzahl lokal emissionsfreier Fahrzeuge erreichen will.

2022 geht die neue Plattform PPE an den Start

Der nächste wichtige Schritt folgt 2022. Dann ist die zusammen mit Porsche entwickelte neue Plattform PPE (Premium Platform Electric) fertig, die Fahrzeugen der Oberklasse vorbehalten ist. Erstes Modell wird bei Audi der Q6 E-Tron sein, bei Porsche die nächste Generation des Macan, die dann elektrifiziert an den Start geht. 2023 folgt der A6 E-Tron, der - wie es der Name sagt - von der Größe her in etwa dem aktuellen A6 aus Neckarsulm entspricht. Das Einstiegs-Modell in die Elektrowelt lässt noch bis 2025 auf sich warten: Dann soll der Nachfolger des kleinsten SUVs im Modellprogramm, der Q2, ebenfalls zum E-Auto werden. Für 2027 sind dann Stromer in Größe der heutigen Modelle A1 und A3 geplant.

Marktbeobachter sieht Audi vor seinen Konkurrenten

Insgesamt will Audi die Zahl seiner elektrifizierten Autos bis 2025 auf 30 Modelle steigern. In einer Analyse für "Auto, Motor und Sport" kommt der Marktbeobachter IHS Markit zum Schluss, dass Audi unter den deutschen Premiumherstellern mittelfristig die Nase bei den Stromern vorne haben wird. In absoluten Zahlen rechnet IHS Markit bei BMW im Jahr 2030 mit einer Autoproduktion von knapp 2,4 Millionen, davon aber nur mit 411 000 Elektrofahrzeugen. Mercedes wird der Prognose zufolge rund 2,84 Millionen Autos herstellen, davon 683 000 E-Fahrzeuge. Den höchsten E-Anteil erreicht demnach Audi: Bei einer Produktion von 2,08 Millionen sollen es 717 000 E-Autos sein.


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