In der Region werden Pflegefamilien dringend gesucht

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Über die Voraussetzungen zur Aufnahme eines Pflegekindes informiert das Heilbronner Landratsamt. Wir haben auf der Infoveranstaltung mit Interessenten gesprochen und auch Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Eheleute getroffen.

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Anna M. ist alleinerziehend, berufstätig und lebt bei ihren Eltern. Die unterstützen sie, auch bei ihrem großen Wunsch: Weil sie keine Kinder mehr bekommen kann, sitzt sie heute beim Infonachmittag für angehende Pflegefamilien im Landratsamt Heilbronn. "Ich möchte kein Baby, sondern am liebsten ein etwas größeres Mädchen", sagt die 35-Jährige und lächelt hinter der Maske. Gezögert mit diesem Schritt hat sie bislang vor allem wegen der Vorstellung, dass ein Pflegekind auch wieder in seine Herkunftsfamilie zurückgehen könnte - wenn sich dort die Situation verbessert hat. Dass die Mädchen und Jungen, die vermittelt werden, teils Probleme oder schlimme Erlebnisse mitbringen, schreckt sie nicht. "Jedes Kind hat sein Päckchen zu tragen."

Zehn Haushalte, sieben Paare und drei Frauen, sind an diesem Sommertag zur Infoveranstaltung gekommen, wie sie bei entsprechender Nachfrage alle drei Monate stattfindet. Laufend suchen das Landratsamt und die Stadt Heilbronn Pflegefamilien, hier ist der Bedarf besonders groß.

Grundsätzlich gibt es keine Altersgrenze

Zuhörer mit den unterschiedlichsten Hintergründen sind darunter. Das Paar, dessen Kinderwunsch bislang unerfüllt geblieben ist und das aktuell mit dem kleinen Neffen zusammenlebt, der das Bedürfnis noch befeuert. Die Eheleute in den Fünfzigern, die sich "erst vor drei Jahren kennengelernt haben" und sich freuen, von Simone Offenborn vom Pflegekinderfachdienst des Landratsamts zu hören: "Grundsätzlich haben wir keine Altersgrenze."


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Vom Glück, ein Kind in Pflege großzuziehen


Die Alleinerziehende, deren siebenjähriger Sohn findet, dass sie genug Platz hätten, um ein Kind aufzunehmen. Oder der dreifache Familienvater, der bei der Adoption seiner Tochter vom Jugendamt den Satz hört: "Sie wären die optimale Pflegefamilie." Es sind sehr erfahrene Eltern darunter, solche, die vier Kinder großgezogen haben und deren Haus sich leert. "Wir haben Kapazitäten frei, Energie und Erfahrung", sagt die Mutter. Und jene, die eher zufällig zu dem Thema gekommen sind wie die zwei Frauen, die einer Freundin mit großen gesundheitlichen Problemen helfen und sich seit Monaten um deren Baby kümmern. Auch sie wünschen sich nach diesem Erlebnis ein Pflegekind.

Ziel ist immer der Verbleib in der Familie

220 Pflegekinder gibt es im Landkreis, verteilt auf 170 Pflegefamilien. Gewalt, Drogen, seelische Gewalt und psychische Erkrankungen sind Gründe, warum Eltern sich nicht um ihr Kind kümmern können. "Das Ziel ist aber immer grundsätzlich der Verbleib in der Familie", sagt Simone Offenborn. Trotzdem werden mehr als die Hälfte der Kinder auf Druck des Jugendamts aus ihrem Zuhause herausgenommen.

"Das Pflegekind ist ein Kind mit zwei Familien", das steht als große Überschrift über dem Vortrag. Vieles bedarf der Absprache. Nicht jeder Elternabend, jedes Lehrergespräch und jedes Fieberzäpfchen. Impfungen oder gar Operationen aber sehr wohl.


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Leo und seine Schwester Alice legen ihre Hände auf die ihrer Pflegeeltern. Die beiden Elfjährigen leben, seit sie ein paar Monate alt waren, bei dem Ehepaar Schneider im Kreis Offenbach (Namen der Kinder und des Ehepaars geändert). +++ dpa-Bildfunk +++
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Pflegeeltern werden in Heilbronn dringend gesucht


Schlafstörungen, Wutanfälle und Einnässen können vorkommen

"Manche Kinder sind in großer seelischer Not", sagt Simone Offenborn. "Sie machen sich Sorgen um Vater oder Mutter oder Vorwürfe. Sie sagen sich vielleicht: ,Wäre ich nicht so wild gewesen in der Schule, wäre das nicht passiert."" Schlafstörungen, Einnässen, Wutanfälle, Austesten der Grenzen: "Da sind Sie als Pädagoge gefragt." Manche Kinder müssten herausfinden: "Halten die mich aus?" Dazu komme: "Sie werden als Familie öffentlich, wir machen Termine aus, wir haben das Wächteramt", sagt die Jugendamts-Mitarbeiterin.

Unterlagen zum Durcharbeiten, Lebensbericht schreiben, Führungszeugnis organisieren: Die Teilnehmer werden mit Aufgaben aus dem Infonachmittag entlassen. Anna M. freut sich. Nur eins von zehn Kindern geht in die Herkunftsfamilie zurück, hat sie erfahren. "Jetzt kann es losgehen." Zum zweitägigen Seminar, das voraussichtlich im Oktober stattfindet, hat sie sich schon angemeldet.

Auch das Paar in den Fünfzigern will bei der Stange bleiben. "Die Beziehung, auch zu den leiblichen Eltern, das wird schon eine Herausforderung", sagt Andreas F. Trotzdem findet er: "So ein Kind hat doch ein gutes Leben verdient."

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