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Neckarsulm

Aquatoll-Zukunft: Zwischen Bedauern und Schulterzucken

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Wie stehen Besucher und Menschen aus der Region zu den Plänen für das Freizeitbad Aquatoll in Neckarsulm? Stimme.de hat sich vor Ort umgehört. Auf wenig Begeisterung stößt die Variante, an Stelle des Spaßbads ein Fitnesszentrum zu bauen.

Von Heike Kinkopf und Alexander Klug
 Foto: Gleichauf, Christian

Der Oedheimer Markus Villinger erzählt, regelmäßig im Aquatoll gewesen zu sein. „Wir haben früher mal in Neckarsulm gewohnt, das ist schon schön mit dem Bad in der Stadt. Das war etwas Besonders, mit der Kuppel und dem Wildwasserfluss.“ Aber der 68-Jährige räumt ein, schon länger nicht mehr dort gewesen zu sein.

Für ein weiteres Fitnessstudio sieht Michaela Schwabe keinen Bedarf. „Ich gehe in eines in Heilbronn, davon gibt es genug.“ Wenn sie die Wahl hätte, würde die 32-Jährige Neckarsulmerin lieber das Freizeitbad in ihrer Stadt haben wollen – auch wenn sie selbst eher selten dort zu Gast ist. „Es wäre schon schade, wenn es nicht mehr da wäre.“

Lieber nach Biberach

Karen Milerski sagt, dass sie früher oft im Aquatoll gewesen sei. „Das ist aber schon ganz schön langer her. Mit den Enkelkindern gehen wir lieber nach Biberach, die Kinder sind noch klein“, sagt die 54 Jahre alte Obereisesheimerin. „Und dort gibt es einfach mehr Spielsachen für die Kleinen.“

Bei ein paar Partys im Aquatoll war Steven aus Neckarsulm. „Das war immer sehr cool“, sagt der 19-Jährige, seine Kumpels nicken. „Hat Spaß gemacht.“ Sie würden auch wieder hingehen, finden aber sicher auch andere Orte zum Feiern in der Nähe.

Artikel zum Thema: Sind die Tage des Aquatolls gezählt? 

Ein ersatzloser Abriss des in die Jahre gekommenen Aquatolls würde Emil Hehr (73) „deprimierend“ finden. In all den vielen Jahren in der Vergangenheit habe die Stadt Neckarsulm viel Geld in das Freizeitbad gebuttert und dann ein plötzliches Aus? Nostalgie spricht aus seinen Äußerungen. „Früher hat man gesagt: Wir gehen ins Aquatoll. Das war was.“ Hehr besucht seit etwa zehn Jahren nahezu jeden Mittwoch die Dampfsauna, erzählt der Mann aus Großaspach. Er sieht nach eigenen Angaben häufig  Schüler, die ins Aquatoll gehen. „Ich würde es vorziehen, dass es bleibt, wie es ist.“ Ein Fitnessstudio – darauf legt der Senior keinen Wert.

Möglicher Abriss weckt kaum Emotionen

Darauf kann auch eine 33 Jahre alte Gundelsheimerin verzichten. Sie arbeitet bei Lidl und möchte ihren Namen nicht öffentlich machen. Wenngleich sie am Mittwochmorgen aufhorcht, als sie von der Idee erfährt, dass dort eine Fitnesszentrum für die Mitarbeiter des Unternehmens entstehen könnte. „Ich finde die Idee interessant.“ Möglich, dass der eine oder andere Mitarbeiter das Angebot auch nutzen würde, überlegt sie. Die Gundelsheimerin selbst jedoch geht lieber ins Sportbad und zieht dort ihre Bahnen. Im Sommer sei sie vielleicht zwei, drei Mal im Aquatoll, mit dem Freund. „Die Rutsche kenne ich seit meiner Kindheit“, sagt sie und lacht. Es habe sich ja nicht wirklich viel verändert.  Sollte das Freizeitbad verschwinden, würde sie dies nicht berühren. „Ob es da ist oder nicht, ist für mich zweitrangig.“ 

Kommentar zum Aquatoll: Tiefe Risse 

Ein Bad – wie topsaniert auch immer - sei besser als ein Fitnesszentrum, meint Stephan Kienle. Der 51-Jährige arbeitet bei Fujitsu in Neckarsulm. Früher sei er häufig mit den Kindern, die inzwischen groß sind,  im Aquatoll gewesen. Heute  besucht er „fast jede Woche“ das Freizeitbad. Ab und zu isst er dort auch etwas zu Mittag. Dass es verschwinden könnte, löst bei ihm keinen Sturm der Entrüstung aus. 

Dass es in die Jahre gekommen ist und mit dem Wellnesstemperl in Sinsheim starke Konkurrenz bekommen hat, sieht Kienle. Dennoch: Am Wochenende, im Sommer seien die Parkplätze immer belegt. Ein Hinweis, dass das Badangebot bei vielen Menschen ankomme. Was die Unterhaltungs- und Investitionskosten für das Bad angehen, bringt er ein Beispiel aus seiner Heimatgemeinde Besigheim ins Spiel. Mindestens zwei kleinere Nachbarkommunen hätten dort ihre Bäder geschlossen. Sie führten einen finanziellen Beitrag an Besigheim ab, im Gegenzug nutzten die Bewohner der Nachbarkommunen das Besigheimer Bad kostengünstiger.

 

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