Sind die Tage des Aquatolls gezählt?

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Die Schwarz-Gruppe würde den Umbau des Aquatolls zum Fitness-Center mit einem Millionenbetrag unterstützen. Der Neckarsulmer Gemeinderat will im Mai über die Zukunft des Erlebnisbads entscheiden. Bisher gehen die Meinungen stark auseinander.

Von Christian Gleichauf und Julia Neuert
Die Stadt Neckarsulm plant die Zukunft des Aquatolls. Eine Option: Der Spaßbereich des Bads könnte abgerissen werden. Foto: Archiv/Dennis Mugler
Die Stadt Neckarsulm plant die Zukunft des Aquatolls. Eine Option: Der Spaßbereich des Bads könnte abgerissen werden. Foto: Archiv/Dennis Mugler

Die Tage des Aquatolls in seiner jetzigen Form sind gezählt. Der Neckarsulmer Gemeinderat wird im Mai über die Zukunft des 27 Jahre alten Spaßbads entscheiden. Drei Varianten stehen zur Diskussion. Neben einer teuren Sanierung kommt offenbar auch der Komplettabriss infrage.

Die dritte Möglichkeit: Die in Neckarsulm ansässige Schwarz-Gruppe beteiligt sich an einem Umbau zum Schwimm- und Fitness-Zentrum. Eine Sanierung würde nach Stimme-Informationen 15 Millionen bis 25 Millionen Euro kosten.

Zwei Jahre bleiben den Mitarbeitern als Schonfrist. So lange soll das Erlebnisbad auf jeden Fall weiterbetrieben werden. Das Aquatoll Sportbad und das Ernst-Freyer-Freibad im Stadtteil Obereisesheim werden in unveränderter Form weiter betrieben. Darüber wurde die Belegschaft gestern in einer Versammlung informiert.

OB Steffen Hertwig wirbt für das Angebot der Schwarz-Gruppe

OB Steffen Hertwig wirbt für das Angebot der Schwarz-Gruppe, „denn ich würde mir eine Lösung wünschen, die in die Zukunft gerichtet ist“. Die sähe so aus: Die Schwarz-Gruppe bietet der Neckarsulmer Verwaltung an, einen finanziellen Beitrag in Millionenhöhe zu leisten, wenn das Erlebnisbad zum großen Teil abgerissen und an gleicher Stelle ein Fitness-Center gebaut wird.

„Dieser Fitness-Bereich wäre etwas Großes“, erklärt Hertwig. Er stünde sowohl der Bevölkerung zur Verfügung als auch den Lidl- und Kaufland-Mitarbeitern oder Beschäftigten anderer Unternehmen. Sie bekämen im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements Zugang nicht nur zum Fitness-Center, sondern auch zu einem erweiterten Saunabereich und dem Aquatoll-Sportbad, das durch einen unterirdischen Gang schon jetzt mit dem Spaßbad verbunden ist.

Erste Stimmungstests

Wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt, habe „diese Handlungsoption in einem ersten Stimmungstest den meisten Zuspruch“ erfahren. In einer Umfrage unserer Zeitung bestätigte sich dieser Eindruck allerdings nicht.

„Es gibt Vertreter für alle Varianten“, sagt Eberhard Jochim, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Keine Fraktion wird schon eine einhellige Meinung haben.“ Angesichts der finanziellen Situation müssten unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Einen kompletten Abriss hält er für unwahrscheinlich, die Kosten für eine Sanierung zugleich für unkalkulierbar. In Sinsheim werde eine Erweiterung gebaut, mit der Neckarsulm nicht konkurrieren könne. „Der Trend geht hin zu Wellness und Gesundheit.“ Auf eine Variante festlegen will Jochim sich nicht: „Wir müssen jetzt offen und breit diskutieren.“

Eble: Totalabriss als die konsequente Lösung

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Joachim Eble, sähe für sich den Totalabriss als die konsequente Lösung angesichts der finanziellen Einschränkungen, auf die sich Neckarsulm weiter einstellen muss. „Das Aquatoll ist eine klar freiwillige Aufgabe.“ Die Fraktion sehe das aber teilweise anders.

Horst Strümann (Die Grünen) befürwortet den Umbau-Vorschlag mit Schwarz-Unterstützung. „Wir werden uns nicht messen können mit Sinsheim, wenn das Rutschenparadies dort eröffnet.“

Öffentliche Infoveranstaltung im April

SPD-Rat Rolf Härdtner macht sich für den Erhalt des Aquatolls stark, auch wenn die Zahlen dagegen sprechen. „Mein Herz schlägt für das Aquatoll, ich werde dafür kämpfen.“ Aber man müsse das Bad anders und besser vermarkten – zum Beispiel mit dem neuen Fitnessbereich. Auch andere Gemeinderäte können sich einen Teilerhalt der Badelandschaft in Kombination mit Fitness- und Gesundheitsangeboten vorstellen. Die SPD-Fraktion habe sich jedenfalls ebenso wie die anderen noch nicht für eine Variante entschieden.

In einer öffentlichen Einwohnerinformationsversammlung im April stellt die Verwaltung die drei Varianten im Detail und mit Kostenberechnungen vor.

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Zahlen rund ums Aquatoll

Das Aquatoll belastet den städtischen Haushalt. Im Wirtschaftsplan 2018 sind Ausgaben von 7,6 Millionen Euro vorgesehen. Diesen stehen aber nur Einnahmen von vier Millionen Euro gegenüber. Teil dieser 3,6 Millionen-Euro-Lücke sind die Abschreibungen, die mit knapp 1,4 Millionen Euro zu Buche schlagen. Und: Die Zahlen beziehen sich auch auf das Sportbad. Die Stadt erwartet 2018 rund 288.000 Besucher im Freizeitbad. Zum Vergleich: 2016 waren es 291.000. Für das Sportbad beim Aquatoll unterstellt die Stadt eine stabile Entwicklung und geht von 110.000 Besuchern aus.

 

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