Interview: Wie es um die Bäder in der Region steht
Der Heilbronner Stadtwerkechef Torsten Briegel spricht im Interview über die Zukunft der Hallen- und Freibäder zwischen Defizit und Sanierungsstau.

Viele Städte und Gemeinden tun sich mit dem Betrieb ihrer Hallen- und Freibäder schwer. Einige müssten teuer saniert oder gar neu gebaut werden, die jährlichen Defizite sind groß. Auch Personal ist schwer zu finden − wie aktuell in Langenbrettach machen sich auch andere Kommunen Gedanken über die Zukunft ihrer Bäder. Über die Herausforderungen spricht Torsten Briegel, er ist kaufmännischer Geschäftsführer der Heilbronner Stadtwerke. Die stadteigene Gesellschaft kümmert sich nicht nur um die fünf Heilbronner Bäder, sondern auch die beiden in Neckarsulm.
In der Region gibt es fast 40 Hallen- und Freibäder, das klingt nach Luxus.
Torsten Briegel: Die Dichte der Bäder hier ist in der Tat überdurchschnittlich. Viele davon sind in den 60er und 70er Jahren gebaut worden. Aber profitabel waren Bäder für die öffentliche Hand noch nie. Sie sind ein dauerhaft defizitärer Betrieb, jenseits einzelner Bereiche wie zum Beispiel des Saunabetriebs. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt das Betriebskostendefizit eines Freibads 250.000 bis 300.000 Euro. Dabei decken die Einnahmen nur 25 bis 35 Prozent der Ausgaben.
Sind die Eintrittspreise zu niedrig?
Briegel: Die Eintrittspreise auf ein Niveau zu heben wie das für die Bäder- und Thermenangebote privater Betreiber, ist nicht realisierbar und auch nicht unser Ziel. In solchen Anlagen kostet der Tageseintritt für eine vierköpfige Familie schnell 120 Euro oder mehr. Ein Tag Soleo oder Aquatoll kostet die Familie unter 20 oder 40 Euro.
Gibt es bei den Defiziten eine Schmerzgrenze?

Briegel: In Heilbronn haben wir das Bäderdefizit in den vergangenen Jahren deutlich reduzieren können, deswegen ist die Diskussion um Bäderschließungen vom Tisch. An den regelmäßig auftauchenden Gerüchten über eine Schließung der Freibäder in Kirchhausen und am Gesundbrunnen ist nichts dran. Die Freibäder bleiben erhalten. In kleineren, finanzschwächeren Kommunen kann das aber unter Umständen anders aussehen.
Aber nicht nur wegen des Defizits, sondern auch, weil die Bäder marode sind, oder?
Briegel: Nach 35 oder 40 Jahren Betrieb nähert sich manches Bad seiner maximalen Nutzungsdauer. Das reicht von Technik und Gebäudesubstanz bis zur Statik der Betonwanne unter dem Becken. Da stellt sich manchmal nur die Frage nach Schließung, grundlegender Sanierung oder Neubau.
Wurde die Instandhaltung vernachlässigt?
Briegel: Die regelmäßige Instandhaltung verhindert ja nicht, dass ein Bad in die Jahre kommt und eine grundlegende Sanierung nötig wird. Die Lebensdauer vieler Bauteile ist einfach begrenzt. Und da viele Bäder in derselben Phase gebaut wurden, kommt jetzt in vielen Orten die Frage auf, wie es weitergeht.
Sind Kooperationen von Kommunen sinnvoll?
Briegel: Ich sehe durchaus Potenzial für interkommunale Kooperationen, für wünschenswert halte ich sie auch. Geht es um den Bestand, sind sie aber aus verschiedenen Gründen nur schwer umzusetzen. Bei einem Neubau sieht es anders aus.
Oft ist auch die Suche nach Personal schwierig.
Briegel: Die Personalsituation bei den Fachangestellten ist nach wie vor angespannt. Das hat viel mit den deutlich gestiegenen Anforderungen zu tun. Technik und Aufsicht eines Bades sind anspruchsvoll und mit Verantwortung verbunden, auch die Arbeitszeiten entsprechen nicht den Vorstellungen vieler junger Menschen. Außerdem spielt die Frage der Haftung eine Rolle. Um als Betreiber eine rechtssichere Aufsicht zu gewährleisten, wird in vielen Bädern mittlerweile mehr Personal eingesetzt. Das erzeugt großen Bedarf.
Mehr Personal, weniger Besucher ...
Briegel: Von den 60er und 70er Jahre haben wir uns weit entfernt, das stimmt. Damals kamen an einem schönen Sommertag 7000 bis 8000 Menschen in die Neckarhalde, heute sind es noch 4000 bis 4500. Als ich Kind war, war das Freibad im Sommer der Ort, sich zu treffen. Heute ist die Konkurrenz durch andere Angebote größer. Trotzdem sind hohe Besucherzahlen der einzige Garant für den dauerhaften Bestand eines Bads. Es führt kein Weg daran vorbei, die Attraktivität zu stärken und für ein ansprechendes Bild zu sorgen. Von sauberen Duschen und WCs bis zum Sonnensegel über dem Babybecken. Dann fehlt nur noch stabiles Sommerwetter.
Zur Person
Torsten Briegel wird am 15. September 1977 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren. Er studiert von Betriebswirtschaftslehre an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. 2012 bis 2014 ist er als kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken Ellwangen beschäftigt. Seit Juli 2014 steht er als kaufmännischer Geschäftsführer an der Spitze der Stadtwerke Heilbronn. Briegel ist verheiratet und hat zwei Söhne.
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