Schwierige Situation von Bädern: Vier Beispiele aus der Region

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Viele Städte und Gemeinden tun sich mit dem Betrieb ihrer Hallen- und Freibäder schwer. Einige müssten teuer saniert oder gar neu gebaut. Doch es gibt auch positive Entwicklungen.

Von Alexander Klug und Julia Neuert


  1. Ringen um die Zukunft des Aquatoll
    Foto: Manuel Maier
    Foto: Manuel Maier
    Nach 27 Betriebsjahren habe das Aquatoll Bedarf an Sanierung und größerer Attraktivität, bestätigt der Sprecher der Stadt Neckarsulm, Andreas Bracht. „Sowohl das Gebäude als auch die Technik sind in die Jahre gekommen. Es besteht Handlungsbedarf.“ Auch habe man es im Bäderbereich mit einem „sehr schwierigen Arbeitsmarkt“ zu tun, unter anderem setzt Neckarsulm auf Synergieffekte durch die Zusammenarbeit mit Heilbronn. Zudem habe sich der Wettbewerb verschärft. In den zurückliegenden Jahrzehnten hat die Stadt das Freizeitbad als „familienfreundliche Ruhe- und Wohlfühloase“, wie sie schreibt, weiterentwickelt – inzwischen habe sich die Finanzsituation aber geändert.
     
    „Die Stadt muss Prioritäten setzen und sich auf die kommunalen Pflichtaufgaben konzentrieren“, schreibt Bracht. Der Blick ist nicht mehr auf neue Attraktionen gerichtet, um mit der Konkurrenz im Umland Schritt zu halten. Vielmehr müssten sich Verwaltung und Gemeinderat der Frage annehmen, welchen Umfang sich die Stadt noch leisten kann und will – Daten und Informationen dafür seien zusammengetragen. „Der Prozess der Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen.“
  2. Kooperieren, wo andere konkurrieren
    Foto: Dennis Mugler
    Foto: Dennis Mugler
    Was Bäderfachmann Torsten Briegel mit möglichen Kooperationen zwischen Kommunen meint, zeigt das Beispiel des Mineralfreibads Oberes Bottwartal. Die Nachbarn Beilstein im Landkreis Heilbronn und Oberstenfeld im Landkreis Ludwigsburg haben sich 1968 zusammengetan, um gemeinsam ein Freibad zu bauen – in jenem Jahr gründeten sie den Zweckverband, der den Plan umsetzen sollte. „Vermutlich hätte weder Beilstein noch wir alleine ein eigenes Bad zustande bekommen“, sagt der Oberstenfelder Bauamtsleiter Volker Wanner. Er war einige Jahre Geschäftsführer des Verbands.
     
    Seit der Eröffnung im Jahr 1975 teilen sich die beiden Kommunen die Kosten entsprechend ihrer Einwohnerzahl – Oberstenfeld bezahlt etwas mehr als Beilstein. Sieben Jahre für Gespräche, Standortsuche, Planung, Genehmigungen, Bau. „Das würde heute viel länger dauern“, ist der Amtsleiter sicher. „Wenn es überhaupt klappen würde. Aber der Wille zur Umsetzung war da.“ Denn die Rolle der Freibäder hält er für wichtig: „Viele Kinder können gar nicht mehr schwimmen, das halte ich für bedenklich.“
  3. Verein rettet das Neudenauer Freibad
    Foto: Anita Ludwig
    Foto: Anita Ludwig
    „Was wir selbst machen können, machen wir auch selbst“, sagt Berthold Oßner. Der Vorsitzende des Vereins der Freibadfreunde Neudenau erzählt nicht ganz ohne Stolz die Geschichte des Freibads in Neudenau. 1967 eingeweiht, schloss es 1999 seine Türen – dann übernahmen die Freibadfreunde die Regie: Sie renovierten das in die Jahre gekommene Bad, eröffneten es 2004 neu und betreiben es bis heute. Dafür erbringen die Mitglieder viel Eigenleistung, vom Dienst an der Kasse und am Becken bis zum Schneiden der Hecke oder dem Mähen des Rasens. „Derzeit machen wir die Umkleidekabinen neu, auch das machen wir selbst.“
     
    Ungefähr 80 der insgesamt 200 Mitglieder seien Sommer für Sommer im Einsatz. „20 Prozent von jeder Rechnung übernimmt die Stadt“, sagt der Vorsitzende. Meistens geht es um Renovierungsarbeiten, aber auch Badtechnik. Den Rest bezahlt der Verein, Schulden und Defizit gebe es nicht. „Wir sind ein eingetragener Verein und ich hafte am Ende persönlich. Schulden gehen da nicht.“ Zum 50. Geburtstag des Bades im vergangenen Jahr hat Bürgermeister Manfred Hebeiß einen Scheck über 10.000 Euro vorbeigebracht.
  4. Langenbeutinger Bad vor dem Aus? 
    Foto: Julia Neuert
    Foto: Julia Neuert  Foto: Neuert, Julia
    Schon die Saison 2017 geriet für das Langenbeutinger Freibad zur Zitterpartie, nachdem die Gemeinde trotz überregionaler Ausschreibung keine Fachkraft für den Freibadbetrieb fand. Ein pensionierter Bademeister sprang kurzfristig ein – mit einiger Verspätung konnte die Saison starten. In diesem Jahr steht die Gemeinde vor noch größeren Herausforderungen: Auf die überregionale Stellenausschreibung ist nur eine einzige Bewerbung eingegangen, laut eines Gutachtens bräuchte es 3,5 Fachkräftestellen. Die Folge: Das Bad bleibt 2018 geschlossen, zumal das Gutachten dem Freibad erhebliche Mängel bescheinigt:
     
    Die Technik ist veraltet, die Bausubstanz marode und an vielen Stellen sind heutige Sicherheitsanforderungen nicht eingehalten. Ein rechtskonformer Betrieb ist so nicht möglich. Sanieren und verkleinern? Oder gar neu bauen? Ein neues Gutachten soll Alternativen prüfen. Gemeinderat und Verwaltung werden sich spätestens im März wieder öffentlich mit dem Thema Freibad beschäftigen. 
     
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