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Apotheker sauer auf Gesundheitsminister Lauterbach – "Das bringt den Berufsstand auf die Palme"

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Beim Deutschen Apothekertag zeigt sich die große Unzufriedenheit des Berufsstands mit Karl Lauterbach (SPD). Dem Bundesgesundheitsminister geben viele Apotheker bezüglich dessen Rede die Schulnote sechs. Vor allem wegen der Themen flächendeckende Versorgung und Honorierung gibt es Ärger.

von Julia Haaga

Auf dem Deutschen Apothekertag kamen Vertreter von Kammer und Verband zusammen, um politisch etwas für den Berufsstand zu bewegen. „Auch dieses Jahr wurde Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wieder eingeladen und kam nicht in Persona, sondern ließ sich per Videoschalte zuschalten“, sagt Rouven Steeb vom Baden-Württembergischen Landesverband der Apotheker.

„Auf unsere Forderungen wurde nicht eingegangen“, erzählt Steeb direkt im Anschluss der Veranstaltung unserer Redaktion. Es gehe darum, die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland aufrecht zu erhalten. Die Vergütung der Apotheken müsse angepasst werden – seit 13 Jahren sei diese unverändert. Es gehe um Lieferengpässe, „für die wir keine Honorierung finden. Wir wollten Lauterbach fragen: Warum weigern Sie sich, die Honorierung anzupassen?“ Die Situation habe sich durch die hohe Inflation noch verschärft. „Im Gegensatz zum Handwerk beispielsweise können wir die Preise nicht anpassen. Ich kann keinen anderen Preis für verschreibungspflichtige Arzneimittel festsetzen.“


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Apotheken: Kaum Spielraum für Honorarerhöhung


Honorierung als eine zentrale Frage für Apotheker

An Lauterbach habe man vor dem Protesttag einen Fragenkatalog adressiert: Sechs Fragen, wie er sich die Zukunft der Branche vorstellen könne. Zentrale Aspekte waren die Honorierung, Lieferengpässe sowie die flächendeckende Arzneimittelversorgung. „Tag der Antworten nennen wir das,“ sagt Steeb, der in Bad Rappenau, Gundelsheim und Möckmühl mehre Apotheken betreibt.

Bundesweit waren am Mittwochnachmittag viele Apotheken geschlossen. Die Pharmazeuten verfolgten auf den Bildschirmen mit, was Lauterbach zu sagen hatte. Etwa 400 Pharmazeuten waren vor Ort, um sich anzuhören, wie Lauterbach auf die Fragen einging.

Lauterbach bringt Apotheker auf die Palme: "Versorgung zweiter Klasse"

„Die Antworten waren ausweichend,“ erklärt Steeb. Lauterbach habe „wenn überhaupt, nur eine beantworten können. Der Bundesgesundheitsminister kam auf die Frage, wie er sich die flächendeckende Versorgung vorstelle, immer wieder zurück auf Pseudostrukturen. Sein Vorschlag: Apotheken light: ohne Labor, Notdienst und Rezepturen. Das bringt den Berufsstand auf die Palme.“ Das verbessere die Lage nicht, sondern mache es noch schlechter. „Wir haben dann eine Versorgung zweiter Klasse.“

Auf die Honorarforderungen sei der Bundesgesundheitsminister nicht eingegangen. Steeb: „Er geht davon aus, dass wir zusätzliche Leistungen bringen können. Das ist keine Anpassung für Preissteigerungen. Beispielsweise beim Impfen. Ich leiste dann nur mehr für dasselbe Geld.“ Außerdem spalte dies die Apotheker und die Ärzte.

Unzufriedene Apotheker: 98 Prozent stimmen für Protestaktionen in großen Städten

Im Anschluss an die Rede wurde die gesamte Apothekerschaft dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, wie zufrieden sie mit den Aussagen Lauterbachs sei. „Es ging um die generelle Zustimmung zu seiner Rede. Dreiviertel aller Pharmazeuten vergab die Schulnote sechs."

Massive Bedenken, Zweifel und Unmut wollen die Pharmazeuten bei weiteren Protestaktionen kundtun. Deutschland soll in vier Bereiche eingeteilt werden und die Demonstrationen mittwochs dann an zentralen Orten stattfinden. Sowohl die Zuschauer im Saal als auch vor den Bildschirmen wurden aufgefordert, ihre Protestbereitschaft anzuzeigen: „Die Bereitschaft liegt bei 98 Prozent“, sagt Steeb.

 

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