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Lieferengpässe bei Medikamenten: Auch Apotheken im Raum Heilbronn sind betroffen

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Neue Regelungen sollen dafür sorgen, dass es zu weniger Engpässen zum Beispiel bei Arzneien für Kinder kommt. Apotheker aus der Region zweifeln jedoch an der schnellen Wirkung der Regeln.

Ob wichtige Krebsmedikamente oder Fiebersäfte für Kinder: Bei Hunderten von Medikamenten gibt es derzeit Engpässe in Deutschland. Die Bundesregierung hat in diesem Jahr zwar mit neuen Regelungen reagiert, um dem entgegenzuwirken, Apotheker und Verbände zweifeln jedoch an einer schnellen Besserung beziehungsweise Wirkung.

Beispielsweise sollen für bestimmte, wichtige Medikamente größere Vorräte als bisher gehalten werden. „Wenn die Arzneimittel nicht lieferbar sind, können wir auch keinen größeren Vorrat anlegen“, kritisiert Dirk Homann, Geschäftsführer der Harfensteller Apotheke in Heilbronn.


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Antibiotika für Kinder sind wegen der Lieferengpässe nur "ganz schwierig" zu bekommen 

Um Lieferengpässen nachhaltig entgegenzusteuern, müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, künftig in Europa zu produzieren, „vom Rohstoff bis zum fertigen Medikament“. Dann sei man nicht mehr von Ländern wie Indien oder China abhängig. Dirk Homann betont aber auch: „Das ist nichts, was von heute auf morgen umgesetzt werden kann. So etwas dauert Jahre.“

„Lieferengpässe sind auch bei uns ein Thema“, sagt Christoph Schwedler, Inhaber der Apotheke im EKC Neckarsulm. An Blutdrucksenker, Diabetesarzneimittel wie Trulicity oder Antibiotika für Kinder zu kommen sei derzeit „ganz schwierig“. Oftmals könne nicht auf andere Medikamente umgestiegen werden. Im schlimmsten Fall gibt es „keine Ausweichmöglichkeiten. Dann stehen selbst die Ärzte auf dem Schlauch.“

Medikamente: Entspannung, von der Lauterbach spricht, ist nicht in Sicht

Christoph Schwedler erzählt, dass er das Warenlager seiner Apotheke vor allem rund um Erkältungsmedizin großzügig aufgestockt habe. „Möglichst viel zu bestellen“, so laute auch die Empfehlung der Hersteller. „Die Entspannung, von der Gesundheitsminister Karl Lauterbach ständig spricht, ist nicht in Sicht.“

Im vergangenen Winter sei die Lage „ganz schlimm“ gewesen. Die Ursache sieht Christoph Schwedler vor allem im Immunsystem: Das sei bei vielen Menschen besonders anfällig geworden, als sie während der Corona-Pandemie so oft Masken tragen mussten.

Nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente fehlen

Auch die pharmazeutisch-technische Assistentin Swetlana Schiffner von der Rats-Apotheke in Brackenheim erzählt von Lieferengpässen, zum Beispiel bei Cholesterinsenker, Antibiotika oder Fiebermittel für Kinder. Ist ein Medikament nicht lieferbar, muss Rücksprache mit dem Arzt gehalten und ein neues Rezept bestellt sowie abgeholt werden. „Das kostet viel Zeit.“

Aber nicht nur der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente sei leer gefegt, es gebe auch Engpässe, „wo wir es gar nicht erwartet haben“. Als Beispiel nennt Schiffner die Trinknahrung Fresubin, die oft bei krebskranken Menschen zum Einsatz komme, oder Magentropfen wie Iberogast oder Gasteo. Die Situation rund um Fiebermittel habe sich mittlerweile etwas entspannt. Von optimistisch sein könne aber noch nicht gesprochen werden, so Schiffner mit Blick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit.

 

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