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Heilbronn

Absage des Weihnachtszirkus trifft auch die Stadt

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Von dem Großevent hätten viele Branchen in Heilbronn profitiert. Die HMG verliert Mieteinnahmen, der Handel fürchtet weitere Frequenzeinbußen. Der Zirkusveranstalter hofft nach zwei Ausfällen auf einen erfolgreichen Neustart zum Jahreswechsel 2022/2023.

Rote Ampel und parkende Autos − wo längst das Zirkuszelt stehen müsste. Die Großveranstaltung wurde abgesagt. Foto: Ralf Seidel
Rote Ampel und parkende Autos − wo längst das Zirkuszelt stehen müsste. Die Großveranstaltung wurde abgesagt. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Die erneute Absage des Heilbronner Weihnachtszirkus schmerzt viele. Zuallererst die Macher der Charles Knie GmbH, die das Großevent auf der Heilbronner Theresienwiese ein Jahr lang geplant, organisiert und vorbereitet hatten.

Hauptleidtragende sind auch die zahlreichen Artisten, Musiker und Künstler aus ganz Europa, die sich seit Wochen auf das Event vom 17. Dezember bis 9. Januar vorbereitet hatten und die praktisch unmittelbar vor der Anreise nach Heilbronn von der Absage informiert wurden.

Auch Handel und Gastronomie profitieren

Aber auch für die Stadt Heilbronn hat die Absage spürbare Auswirkungen. Rund 80.000 Besucher werden in guten Jahren für die 44 Vorstellungen in Heilbronn erwartet. Besucher, die auch die Innenstadt besuchen und Restaurants, Hotels und dem Einzelhandel Umsätze und Gewinne beschert hätten. Doch es sind keine guten Jahre. "Wir wissen aufgrund der Buchungen über unsere Tourist-Information, dass eine beachtliche Anzahl an Gästen den Weihnachtszirkus mit einem Zusatzprogramm wie Museum, Experimenta, Weihnachtsmarkt und Stadtführung in Heilbronner verbinden", sagt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH.

Die Künstler und das Management des Zirkus hätten zudem mit ihrem rund vierwöchigen Aufenthalt die Heilbronner Hotellerie belebt. Ganz handfest schlägt zudem der Wegfall der Platzmiete auf der Theresienwiese zu Buche. Laut Schoch: "ein niedriger fünfstelliger Betrag". Fehlen wird auch die Provision, die über den Kartenverkauf erzielt wird.


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Reißleine gezogen

Für die unmittelbar betroffenen sind die Folgen noch deutlich dramatischer. "Die Situation ist eine Katastrophe", betont Sascha Melnjak, der den Heilbronner Weihnachtszirkus seit 20 Jahren organisiert und verantwortet. Bis zuletzt hatte der Zirkusdirektor gehofft, dass das Großevent mit Einschränkungen und unter Corona-Hygienemaßnahmen stattfinden könnte. Doch am 30. November zogen die Verantwortlichen dann endgültig die Reißleine. "Die immer strengeren Verordnungen und zusätzlichen Auflagen haben uns vor enorme zusätzliche Probleme gestellt", sagt Melnjak. Vor allem die Einführung der 2G-plus-Regel Ende November hatte die Situation noch einmal deutlich verschärft.

"Als wir merkten, dass es daraufhin reihenweise Stornierungen gab, mussten wir einfach reagieren", erklärt Melnjak, zumal in der vergangenen Woche schon der Aufbau des Zirkuszelts und die Anreise der Künstler auf dem Plan stand. Damit wären weitere hohe Kosten für das Unternehmen entstanden. "Es war wie ein Kuchen, bei dem plötzlich immer mehr Stücke fehlten", sagt Melnjak. Ihm täten vor allem auch die russischen Partner leid, die jetzt ebenfalls vor ungewissen Wochen stünden.


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Lichtblicke in extremen Zeiten

Auch persönlich sind es für den Zirkusdirektor, der normalerweise mit seinem Team acht Monate im Jahr auf Tournee ist, extreme Zeiten. "Das eigentliche Geschäft ist seit zwei Jahren tot", sagt Melnjak. Im Winterquartier der Charles Knie GmbH im niedersächsischen Einbeck findet derzeit immerhin noch eine Freizeit-Show mit Kinderprogramm statt - das sei immerhin ein kleiner Lichtblick.

Zudem kümmern sich die verbliebenen Mitarbeiter um die Rückabwicklung der Heilbronner Veranstaltung. Sie setzen darauf, dass zahlreiche Besucher ihre gekauften Karten auf das Folgejahr umbuchen. Und die Hoffnung ist nach wie vor groß, dass es im kommenden Jahr endlich Russische Weihnachten auf der Heilbronner Theresienwiese gibt.


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