Abendvorlesung zum Thema "Wann Brustkrebs heilbar ist"
SLK-Chefarzt Nikolaus de Gregorio macht den Auftakt zum neuen Semester nach einer langen Pandemie-Pause. Dabei verrät der neue Klinikdirektor auch viel Persönliches.
Professor de Gregorio - Mediziner dieses Namens und mit diesem Titel gibt es an der SLK-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Heilbronner Gesundbrunnen gleich doppelt. Seit wenigen Tagen arbeitet Oberärztin Professor Amelie de Gregorio hier - Diagnose und Therapie von Brustkrebs sind ihr Spezialgebiet. Ihr Ehemann Professor Nikolaus de Gregorio ist seit Mai 2021 Direktor der Klinik - in Nachfolge des langjährigen Klinikchefs Reinhard Hackenberg, der in Ruhestand gegangen ist. Sein Spezialgebiet ist die Operative Onkologie. Bei der Abendvorlesung unter der Pyramide der Kreissparkasse teilt er seine Expertise zum Thema Brustkrebs mit 200 Zuhörerinnen - das Publikum ist vorwiegend weiblich, einzelne Männer sind mitgekommen.
Nikolaus de Gregorio ist mit seiner Frau Amelie zu SLK gekommen
Doch zunächst gilt es, persönliche Dinge zu klären. Was ist Nikolaus de Gregorio für ein Typ, versucht Moderatorin Iris Baars-Werner herauszufinden, denn auch in der Zukunft werden Tausende Frauen in der Region auf seine Fachkenntnisse vertrauen - wenn sie in Heilbronn Kinder entbinden oder sich wegen Krankheiten bei SLK behandeln lassen. Der Professor präsentiert sich als "ganz normaler Mensch", wie Iris Baars-Werner nach einigen Minuten Befragung feststellt - 41 Jahre alt, eine Tochter, die Familie hat sich in einer Gemeinde im westlichen Landkreis niedergelassen und schon gut eingelebt.
"Wir wohnen direkt neben dem Spielplatz, das ist wichtig." Nikolaus de Gregorio spielt in seiner Freizeit Gitarre und spricht trotz seiner italienischen Vorfahren die Sprache nicht, wie er bedauernd einräumt, "dafür kann ich gut italienisch kochen". Die Tatsache, dass seine Frau aus demselben Fachgebiet kommt, sei ein großer Gewinn, sagt er: Vom fachlichen Austausch profitierten beide.
Dringender Appell: Nehmen Sie Vorsorgeangebote wahr!
Eine seiner Kernbotschaften zum Thema des Abends "Der Knoten in der Brust - wann Brustkrebs heilbar ist" lautet: "Nehmen Sie die Vorsorgeangebote wahr!" Wenn der Krebs in einem sehr frühen Stadium entdeckt werde, zum Beispiel im Rahmen der Mammographie-Untersuchungen für Frauen ab 50 Jahre, sei er sehr gut behandelbar. In den vergangenen 25 Jahren habe es unglaubliche Fortschritte gegeben. "Vor 25 Jahren war das noch ein sicheres Todesurteil." Heute liege die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem im ersten Stadium entdeckten Brustkrebs bei 100 Prozent, für einen im zweiten Stadium entdeckten noch bei 94 Prozent. Nach fünf Jahren gelte man in der Regel als geheilt, erklärt de Gregorio, "in den ersten zwei bis drei Jahren gibt es die meisten Rückfälle".
"Trotzdem heißt es, dass jedes Jahr 19 000 Frauen an Brustkrebs sterben, wie ehrlich sind die Statistiken?" hakte Iris Baars-Werner nach. Leider gebe es viele Patientinnen, die zu spät oder gar nicht zum Screening gingen, erklärt de Gregorio - etwa aus kulturellen oder religiösen Gründen oder weil sie durch Information und Aufklärung nicht zu erreichen sind. Bei jungen Frauen trete bisweilen auch ein sehr aggressiver, schnell voranschreitender Subtyp auf.
Der Lebensstil kann den Unterschied machen
Rund 70 000 Frauen und 700 Männer erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs - in der Altersgruppe über 50 steigt der Anteil der Fälle stark. Eine weitere gute Nachricht: Durch Lebensführung kann man das individuelle Erkrankungsrisiko senken. Normalgewicht, eine ausgewogene Ernährung mit wenig Alkohol und mehrmals die Woche körperliche Aktivität sind wichtige Bausteine in der Prävention. Wie wichtig die Komponente Lebensführung ist, zeigten Studien mit älteren Asiatinnen aus den USA, sagt de Gregorio. Für Frauen, die in Asien lebten, sei das Brustkrebsrisiko demnach deutlich geringer als für Asiatinnen, die seit mehr als 20 Jahren in den USA lebten. "Das gleicht sich dann an."
Ein anderer Fall: Familiärer Brust- und Eierstockkrebs. Nach den Operationen der Schauspielerin Angelina Jolie vor einigen Jahren wurde das Thema in der ganzen Welt diskutiert. Bei Vorliegen einer bestimmten Mutation betrage das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs bis zu 80 Prozent, für Eierstockkrebs bis zu 60 Prozent. Prophylaktische OPs seien möglich, sagt de Gregorio. An der Uniklinik Ulm, seiner letzten Station als Arzt, hat er viel Erfahrung mit dem Thema gesammelt: Dort leitete er das Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Bis zu 1200 Familien werden dort betreut, erzählt er, in manchen Familien seien ein bis zwei Personen betroffen, in anderen bis zu zehn. Eine von acht Frauen bekomme im Laufe ihres Lebens Brustkrebs, davon fünf bis zehn Prozent wegen solch familiär vererbbarer Konstellationen. In den meisten Fällen handele es sich aber um nicht genetisch vererbbare Formen.
Covid-Impfung
Wie ist es eigentlich um das Thema Corona-Impfungen und Fruchtbarkeit bestellt, will Moderatorin Iris Baars-Werner abschließend wissen. Nikolaus de Gregorio sagt, ihm seien keinerlei Studien bekannt, die auch nur irgendwelche Hinweise darauf geben, dass eine Covid-Impfung die Fruchtbarkeit negativ beeinflusse. "Ich weiß nicht, woher dieses Gerücht kommt." Vielmehr sei es so, dass bei SLK eine ganze Reihe von Schwangeren mit Covid behandelt würden und es deshalb auch zu Frühgeburten und dramatischen Situationen gekommen sei. "Das sind nicht wenige." Sein klares Plädoyer an alle Frauen mit Kinderwunsch, an Schwangere und Stillende: "Lassen Sie sich impfen." Er selbst habe sich die Spritze geben lassen, sobald der Impfstoff verfügbar war.
Nächste Abendvorlesung
Am Dienstag, 23. November, spricht Claas van Aaken, Chefarzt am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg, über jugendliche Depression bei der Kooperationsveranstaltung von Kreissparkasse, SLK-Kliniken und Heilbronner Stimme. Für die Abendvorlesung unter der Pyramide der Kreissparkasse gilt dann 2G.



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