Therapieoptionen werden individuell geprüft
An den SLK-Kliniken wird der Fall jedes Patienten von einem Expertengremium in einer Tumorkonferenz besprochen.

Es ist die erste Vorlesung nach einer knapp zweijährigen Zwangspause durch die Corona-Pandemie - und das Thema ist kein einfaches. "Mir ist die Moderationsvorbereitung noch nie so schwergefallen", räumt Iris Baars-Werner ein. Vielfaches Nicken im Publikum. Auch die Bilder, die Referent Nikolaus de Gregorio in seiner Präsentation zeigt, sind nicht leicht zu verkraften - aber sie transportieren doch eine Botschaft, die Mut macht.
Früher zog die Diagnose Brustkrebs oft verstümmelnde OPs nach sich, heute ist das anders
Früher, das wird klar, war Brustkrebs eine Erkrankung, die häufig verstümmelnde Operationen bedeutete. "Und trotzdem sind die Frauen gestorben." Denn lange habe man nicht begriffen, dass Brustkrebs eine systemische Erkrankung sei und sich der Krebs über das Blut im Körper verteilen könne. Deshalb habe man nur lokal behandelt und den Tumor entfernt - der Krebs konnte weiter wachsen und Metastasen bilden. Heute ist man deutlich weiter. Es gibt zwei Möglichkeiten der Behandlung: eine lokale, also mit einer Operation oder Bestrahlung, und eine systemische, etwa mit Chemotherapie. Auch wenn die Brust ganz oder teilweise entfernt werden müsse, sei durch plastische Chirurgie ein Wiederaufbau möglich. Auch hierzu zeigt de Gregorio Fotos. Der Eingriff ist für Laien kaum erkennbar. Es gelte: "Wenn die Brust erhalten wird, muss sie bestrahlt werden." Nur so sei sichergestellt, dass man auch kleine, optisch nicht erkennbare Knoten erwische. Ansonsten sei die Therapie inzwischen eine sehr individuelle Sache.
Angst vor der Chemotherapie nehmen
In einer Tumorkonferenz mit Fachleuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen werde bei SLK der Fall jeder Patientin besprochen, erklärt er. "Manchmal wird da auch richtig gestritten, aber das nutzt der Patientin." Er bemüht sich auch, den Anwesenden die Angst vor der Chemotherapie zu nehmen: "Das ist kein Handyvertrag, aus dem Sie zwei Jahre lang nicht rauskommen." Wenn die Therapie nicht vertragen werde, gebe es viele Möglichkeiten zur Umstellung.
Wovor de Gregorio eindringlich warnt, ist so genannte Alternativmedizin. Er zeigt ein Foto von einem Berg von Mitteln, die angeblich gegen Brustkrebs helfen sollen. In den meisten Fällen seien solche Angebote der Versuch, "mit Angst Geld zu machen". Er rät: "Lassen Sie sich nicht abzocken." Die meisten angepriesenen Hilfen wie spezielle Diäten, um den Krebs "auszuhungern" oder eine hochdosierte Vitamin-D-Gabe nützen nichts oder richteten Schaden an. Davon zu unterscheiden seien ergänzende Methoden wie Akupunktur, um Beschwerden zu mildern.
Es wird viel geforscht und die Behandlungsmethoden werden immer besser
De Gregorios Ausblick ist hoffnungsvoll: Die erste Veröffentlichung zu Brustkrebs habe es 1789 gegeben, heute werde so viel publiziert, dass er nach zwei Wochen Urlaub manchmal schon Sorge habe, etwas Wichtiges verpasst zu haben. "Es gibt heute wahnsinnig viele Therapieoptionen und wir werden immer besser." vbs
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