Ab Herbst wird der Besuch beim Tierarzt deutlich teurer
Die Novelle der Gebührenordnung tritt im November in Kraft. Für die Tierärzte bedeutet das nicht zwangsläufig Entlastung. Tierschützer bangt es vor Kosten.

Für Tierhalter wird der Besuch beim Tierarzt ab Herbst deutlich teurer. Grund dafür ist die Novelle der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die das Bundeskabinett im Mai beschloss und der der Bundesrat Anfang Juli zustimmte. Laut Bundestierärtztekammer kommen die Änderungen zum 22. November.
Nachdem sie zuletzt 1999 grundlegend verändert wurde, wurde die Gebührenordnung nun wesentlich angepasst und um neue Diagnostik- und Therapieverfahren ergänzt. "Jetzt werden unter anderem Leistungen wie CT oder MRT aufgeführt, die vorher gefehlt haben", sagt die Geschäftsführerin der Bundestierärztekammer, Dr. Katharina Freytag. Auch die Gebührensätze für die tierärztlichen Leistungen wurden angepasst.
Novelle basiert auf wissenschaftlicher Studie
Die Neufassung erfolgte nicht willkürlich: Grundlage für die Änderungen ist eine wissenschaftliche Studie, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 2020 bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Auftrag gab. Dabei sollten auch die Preise für die Leistungen anhand des Zeitaufwands ermittelt und gegebenenfalls angepasst werden.
Das Ergebnis: Es besteht eine "enorme Dringlichkeit, die GOT an den aktuellen technischen und wissenschaftlichen Stand in der Tiermedizin" anzupassen, heißt es in der Bundesratsvorlage. Und auch die Gebührenordnung muss "an die veränderten Rahmenbedingungen, die den Betrieb einer Tierarztpraxis beeinflussen" angeglichen werden.
Welche Kosten kommen nun ab Herbst auf die Tierhalter zu? Konkret lässt sich das schwer beziffern. Denn die Gebührenordnung legt statt Festpreisen einen Rahmen fest, bei dem maximal ein dreifacher Gebührensatz abgerechnet werden kann. Eine allgemeine Untersuchung mit Beratung bei Hunden kostete beispielsweise nach dem einfachen Satz rund 13 Euro, ab Herbst sind es 23 Euro. Faktoren wie Zeitaufwand, der Wert des Tieres und die örtlichen Verhältnisse fließen ebenfalls in den Betrag mit ein. Wird der Tierarzt etwa am Wochenende oder nachts gerufen, erhöht sich der einfache Gebührensatz bei Haustieren um 100 Prozent, bei landwirtschaftlichen Nutztieren um 75 Prozent. Dazu kommt eine Notdienstgebühr.
Die Tierärztin Dr. Susanne Haberkern-Chatzis von der gleichnamigen Kleintierpraxis in Neckarsulm-Amorbach sieht die Gebührenerhöhung indes als notwendig an. "Die letzte Anpassung liegt Jahre zurück, und überall steigen die Preise und Gehälter. Das ist nur zeitgemäß." Und weiter: "Wir liegen bei weitem nicht dort, wo wir eigentlich sein müssten." Manche Tierhalter dürften die höheren Kosten jedoch vor Herausforderungen stellen. Auch ohne die Anpassung der Gebührenordnung komme es vor, dass die Tierhalter entscheiden, bei größeren Eingriffen aus Kostengründen nur das Nötigste zu machen, sagt Haberkern-Chatzis. "Die Grundversorgungen finden aber immer statt." Dennoch: Dass sich die Situation bei dem einen oder anderen Tierhalter verschärft, kann sie sich gut vorstellen.
Bedauern bei Tierschützern
Tierschützer schlagen indes Alarm. Wer ohnehin knapp bei Kasse ist, der kann sich wichtige tiermedizinische Untersuchungen vielleicht nicht mehr leisten. Besonders die Tierschutzvereine werden von den geplanten Kostenerhöhungen hart getroffen, ist Martina Klausmann vom baden-württembergischen Landestierschutzverband überzeugt: "Aus finanzieller Sicht wird es für die Tierschutzvereine ein dickes Brett. Dem sehen wir mit Bedauern entgegen." Es stehe aber außer Frage, dass die Anpassung der Gebührenordnung angesichts der drastischen Situation bei den Tierärzten gerechtfertigt ist.
Susanne Haberkern-Chatzis wirbt für Verständnis. "Für uns Tierärzte ist die Gebührenverordnung eine wichtige Handhabe. Wir hoffen, dass die Menschen umdenken und wir leistungsgerechter bezahlt werden können."
Leidtragende
"Es ist Wahnsinn, was teurer wird", sagt Svenja Zeitz vom Tierschutzverein Grenzenlose Tierhilfe in Neckarsulm-Amorbach über die steigenden Tierarztgebühren. Verständnis für die Erhöhungen habe sie, sagt Zeitz, doch die Tiere seien die eigentlichen Leidtragenden. "Wir müssen zum Ende des Jahres abschätzen, welche und wie viele Tiere wir bei uns aufnehmen können." Die Tierschützer stemmen unter anderem die Kosten für die Kastration von Streunerkatzen. Zusätzlich zur finanziellen Belastung ist der Verein auf Spenden und auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. "Wir brauchen mehr aktive Mitglieder", so Zeitz.
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