Radschnellwege in Baden-Württemberg: Erst 26 von 350 Kilometern fertig
Obwohl der Ausbau der Radschnellwege in Baden-Württemberg nur langsam vorankommt, hält das Land an seinen Zielen bis 2030 fest. Ende April wird ein Teilstück bei Bad Wimpfen eröffnet.
Vier Meter breit, kreuzungsfrei, durchgehend asphaltiert: So ausgebaute Radschnellwege können nach Überzeugung der grün-schwarzen Landesregierung einen Beitrag dazu leisten, Berufsverkehr vom Auto aufs Rad zu holen. Vereinbart ist, bis 2030 landesweit 20 Verbindungen zu realisieren. Mittlerweile laufen Planungen für 23 Projekte mit einer Gesamtlänge von 350 Kilometern.
Fertig sind davon gerade einmal 26 Kilometer in vier Abschnitten, ein längerer zwischen Stuttgart und Böblingen, einer zwischen Reichenbach und Ebersbach im Filstal, ein Stück bei Tübingen, ein weiteres in Mannheim. Ist angesichts dessen der Zeithorizont bis 2030 realistisch? „An diesem Ziel halten wir weiterhin fest“, heißt es auf Nachfrage aus dem Landesverkehrsministerium.
Radschnellwege in Baden-Württemberg: Planung so komplex wie im Straßenbau
„Radschnellverbindungen sind mit Blick auf die komplexen und zeitintensiven Planungsprozesse mit Straßen vergleichbar“, räumt das Ministerium ein. „Nicht immer ist alles sofort perfekt, manches bleibt ein Kompromiss, aber mittlerweile arbeiten viele zusammen an guten Lösungen“, ist Verkehrsminister Winfried Hermann trotz der Verzögerungen optimistisch.
„Bewährte und erfolgreiche Praxis“ sei es, die Schnellradwege abschnittsweise zu realisieren. In der Region ist ein Radschnellweg zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn geplant. Ein 1,7 Kilometer langes Teilstück zwischen dem Brunnenweg in Bad Wimpfen und dem Yachthafen am Neckar bei Bad Friedrichshall ist fertig und soll Ende April von Staatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) offiziell eingeweiht werden.
Den nördlichen Teil des als RS3 titulierten Radschnellwegs im Neckartal plant das Regierungspräsidium Stuttgart, im Stadtgebiet hat die Stadt Heilbronn die Planungshoheit. Als es 2021 hieß, die Verbindung werde nicht vor 2028 komplett fertig, war das ein Dämpfer. Mittlerweile ist selbst dieses Ziel ehrgeizig. Einen neuen Zeitplan will die Staatsekretärin bei ihrem Vor-Ort-Termin in der Region präsentieren.
Schnellradweg zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn: Ergänzung mit Route neben dem Audi-Werk?
Derweil kommen die Planer offenbar den Kritikern entgegen. Moniert wurde, dass beim geplanten Verlauf der Trasse westlich des Neckarkanals, bestehenden Radwegen folgend, große Arbeitgeber wie Audi außen vor bleiben. Jetzt wird geprüft, ob ergänzend östlich des Kanals zwischen Neckarufer und Audi-Werk ein Weg für Radler möglich ist. So „würde das Potenzial im Bereich von der Schleuse Kochendorf bis zur Wehrbrücke geteilt werden“, teilt das RP gegenüber der Stimme mit. Weder Audi noch die Stadt Neckarsulm wollen die Pläne zum aktuellen Zeitpunkt kommentieren.
Der schleppende Fortschritt beim Ausbau der Schnellwege ist für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) „nicht überraschend“, sagt der Landesvorsitzende Matthias Zimmermann. „Bei Straßen spricht man immer von einem Planungshorizont von 40 Jahren.“ Trotzdem drückt die Radler-Lobby aufs Tempo. „Wir verstehen die Ungeduld“, verteidigt er die Schnellwege gegen Kritik. Nicht alle würden mit Tempo 20 die volle Länge anfahren, um zur Arbeit zu kommen. „Aber in Teilstrecken ist das durchaus relevant.“
Man dürfe nicht den Radwegausbau in der Fläche gegen die Schnellwege ausspielen, fordert Zimmermann. „Als Zeichen, dass sich etwas ändern muss, ist es wichtig, dass man so etwas wie Radschnellwege umsetzt.“
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