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So viele Beschwerden gibt es gegen Pflegeheime im Landkreis Heilbronn

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Immer wieder fallen einzelne Pflegeheime mit Mängeln auf. Auch im Landkreis Heilbronn gibt es Beschwerden, denen die Heimaufsicht nachgeht. Doch die Informationslage für die Öffentlichkeit wirkt dünn.


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Während der Bedarf an Pflegeeinrichtungen wächst, geraten einzelne Betreiber wegen Personalengpässen und Mängeln bei gleichzeitig hohen Kosten bundesweit immer wieder in die Kritik. Der „Stern“ und das „RTL Team Wallraff“ recherchierten zuletzt etwa über Monate in „Alloheim“-Pflegeheimen und wollen dort auf eklatante Missstände gestoßen sein. Die erhobenen Vorwürfe wies der Betreiber damals zurück.

Für Senioren und Angehörige ist es nicht immer leicht, sich konkret über Einrichtungen und mögliche Mängel zu informieren. Die Stadt Heilbronn etwa veröffentlicht jährlich den Tätigkeitsbericht der hiesigen Heimaufsicht. Darin sind unter anderem auch Beschwerden aufgeführt – nicht aber, welche Heime davon betroffen waren. Wie ist die Situation im Landkreis Heilbronn?

Pflegeheime im Kreis Heilbronn: So viele Einrichtungen unterstehen der Heimaufsicht

Auf der Homepage des Landkreises Heilbronn finden sich nur wenige Informationen über den Arbeitsbereich der Heimaufsicht. Hintergrund sei die derzeitige Umstrukturierung der Seite, wie Pressesprecher Andreas Zwingmann auf Stimme-Nachfrage mitteilt. Eine Vorstellungsseite der Heimaufsicht sei jedoch geplant. Die Heimaufsicht ist Ansprechpartner für Bewohner und Angehörige und führt unangekündigte Kontrollen in Einrichtungen durch.

Haben Sie Hinweise? Dann nehmen Sie Kontakt auf unter vanessa.lutz@stimme-mediengruppe.de

Wie Zwingmann mitteilt, sind für den Landkreis Heilbronn drei Sachbearbeiterinnen und zwei Pflegefachkräfte zuständig. Ihnen unterliegen derzeit 49 Pflege- und Altenheime mit insgesamt 2882 Plätzen und acht Heime für Menschen mit Behinderungen mit insgesamt 590 Plätzen. Außerdem zwei Hospize mit 16 Plätzen und sieben Wohngemeinschaften mit insgesamt 80 Plätzen. 

Heimaufsicht kontrolliert Einrichtungen jährlich im Kreis Heilbronn 

Die Heimaufsicht führe jährliche Kontrollen im Landkreis Heilbronn durch. Hierbei überprüfe sie den baulichen Zustand der Einrichtung, die Einhaltung der Hygienevorschriften und die Personalbesetzung. Außerdem „die Einhaltung der sonstigen Anforderungen des Wohn-Teilhabe-und Pflegegesetzes (WTPG) sowie anhand von mehreren Stichproben der pflegerische Zustand der Bewohner“. Darüber hinaus würden bei Bedarf anlassbezogene Kontrollen stattfinden.

Den Bericht über die Prüfung, allerdings in anonymisierter Form, erhalte anschließend die örtliche Arbeitsgemeinschaft, teilt Zwingmann mit. Dabei handele es sich um die Pflegekassen, ihre Landesverbände, den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. und die zuständigen Träger der Sozial- und Eingliederungshilfe. „Sofern erforderlich, werden auch weitere Behörden oder Dienststellen mit eigener Zuständigkeit informiert, beispielsweise das Gesundheitsamt, die Lebensmittelüberwachung oder die Gewerbeaufsicht.“

Darum gibt es im Landkreis Heilbronn keine Tätigkeitsberichte der Heimaufsicht

Der Landkreis halte sich laut Zwingmann bei der Veröffentlichung der Tätigkeitsberichte "an die gesetzlichen Vorgaben des WTPG". Diese würden vorsehen, dass die Träger einer stationären Einrichtung den Prüfbericht der Qualitätsprüfungen "an gut sichtbarer Stelle in seinen Geschäftsräumen" auslegen oder aushängen. Auf Anforderung hätten die Träger diese auch künftigen Bewohnenden auszuhändigen. "Insoweit können sich Betroffene vollumfänglich über die Qualität der Einrichtungen informieren", erklärt Zwingmann.

Warum veröffentlicht der Landkreis, anders als die Stadt Heilbronn, keine öffentlich einsehbare Tätigkeitsberichte der Heimaufsicht? Laut Zwingmann seien umfangreiche Tätigkeitsberichte zwar informativ, ließen jedoch "keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Qualität in den Einrichtungen zu" und hätten somit in der Praxis "keine wirkliche Konsequenz". Hierfür seien die Qualitätsberichte vorgesehen, die von den Einrichtungen wie vorgeschrieben veröffentlicht werden. "Daher verzichten wir im Sinne der Arbeitseffizienz auf die Erstellung solcher Publikationen."

Landratsamt Heilbronn führt keine Statistik über Beschwerdezahlen in Pflegeheimen

Wie viele Mängel oder Beschwerden sind in den vergangenen Jahren jeweils konkret bei der Heimaufsicht eingegangen? Das ist offenbar unklar. „Hierzu wird keine Statistik geführt“, teilt Zwingmann mit. „Im Schnitt gehen zwischen 50 und 60 Beschwerden unterschiedlicher Qualität pro Jahr ein.“ Darüber, über welche Einrichtungen es in den vergangenen Jahren die meisten und wenigsten Beanstandungen gab, werde ebenfalls „keine Statistik geführt“.

Woran liegt es, dass es keine Statistik zu den Beschwerden gibt? Laut Zwingmann würden diese bei der Vorgangsakte der jeweiligen Einrichtung oder des jeweiligen Trägers erfasst." Eine kumulierte Gesamtstatistik der Beschwerdezahlen über alle Einrichtungen hinweg habe für die Arbeit der Heimaufsicht "keinen praktischen Mehrwert", sie würden "keinerlei Auskunft über die tatsächliche Qualität der Einrichtungen geben". Es gebe "in Einzelfällen" Beschwerden über "tatsächlich schwerwiegende Mängel", aber oft auf welche, die auf geringe Mängel oder "falsche oder missverständliche Wahrnehmungen" der Bewohner beruhen würden. "Eine bloße gesamthafte Auflistung der Beschwerdezahlen birgt daher das Risiko für ein verzerrtes Bild der Realität."

Sofern ein Einschreiten erforderlich war, seien von Seiten der Heimaufsicht gegenüber der Einrichtung „konkrete Anordnungen zur Behebung der beanstandeten Punkte“ getroffen worden. Um welche Mängel und Maßnahmen es sich dabei konkret gehandelt hat, blieb auf Stimme-Nachfrage allerdings unbeantwortet.

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