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Missstände in Pflegeheimen? So ist die Lage in Heilbronner Einrichtungen

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Mängel in Pflegeheimen gibt es immer wieder. Auch in Heilbronner Einrichtungen kommt das vor. Der Tätigkeitsbericht der Heimaufsicht ermöglicht Einblicke – und warnt zudem vor explodierenden Kosten in der Zukunft.


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Zu wenig Personal, hohe Kosten, Beschwerden: Immer wieder geraten Pflegeheime bundesweit in die Kritik. Der „Stern“ und das „RTL Team Wallraff“ recherchierten zuletzt etwa über Monate in „Alloheim“-Pflegeheimen und wollen dort auf eklatante Missstände gestoßen sein. Der Betreiber wies die erhobenen Vorwürfe damals allesamt zurück.

Doch Meldungen wie diese verunsichern Bewohner und Angehörige in Einrichtungen. Wie ist also die Lage in den Pflegeheimen in Heilbronn? Der Tätigkeitsbericht der Heimaufsicht zeigt, dass es zwar einzelne Mängel und Beschwerden gibt. Allerdings herrschen viel größere Sorgen vor explodierenden Kosten, die Senioren bis an das Existenzlimit treiben könnten.

Die Heimaufsicht gibt in ihrem Bericht Auskunft über die Lage in Heilbronner Pflegeheimen.
Die Heimaufsicht gibt in ihrem Bericht Auskunft über die Lage in Heilbronner Pflegeheimen.  Foto: Marijan Murat/dpa

Pflegeheime in Heilbronn: Zahl der Beschwerden gestiegen

Einmal pro Jahr kommen alle Daten rund um die Pflegeheime in Heilbronn auf den Tisch, wenn die Heimaufsicht ihren Tätigkeitsbericht im Jugend- und Sozialausschuss vorstellt. Zuletzt geschah dies am 24. November für das Jahr 2024, wie Claudia Küpper, Pressesprecherin der Stadt Heilbronn, auf Stimme-Nachfrage mitteilt. Die Heimaufsicht ist Ansprechpartner für Bewohner und Angehörige und führt bei Bedarf unangekündigte Kontrollen durch. Der Tätigkeitsbericht wurde am Montag, nach einem Hinweis durch unsere Redaktion, auf der Stadt-Website publiziert.

Daraus geht hervor, dass sich die Heimaufsicht im Jahr 2024 mit insgesamt 124 Beratungen, Anfragen oder Beschwerden befasste. Diese Zahl ist, nach einem kleinen Einbruch während der Corona-Zeit, konstant gestiegen. Im Jahr 2020 lag sie bei 43, 2021 bei 42. Bereits 2022 zählte die Heimaufsicht 80 Beratungen, Fragen oder Beschwerden, im Jahr 2023 waren es 109 und 2024 schließlich 124.

Beschwerden in Heilbronner Pflegeheimen: Das steckt dahinter

Gründe und Anzahl der Beschwerden sind im Bericht dargelegt – welche Pflegeheime in Heilbronn konkret bemängelt wurden, jedoch nicht. Beanstandet wurde dort oftmals das Essen. Die Heimaufsicht zählte hierzu im Jahr 2024 insgesamt 17 Beschwerden in 13 Einrichtungen. „Auch fällt auf, dass sich viele Bewohner dahingehend äußern, dass zu wenig Personal da sei oder sich dieses zu wenig Zeit nähme“. Das betreffe ebenfalls Einrichtungen, in denen „objektiv ausreichend Personal eingeplant“ sei. Hierüber gab es 19 Beschwerden in elf Heilbronner Heimen. Die pflegerische und soziale Betreuung wurde 26 Mal in neun Heimen beanstandet.

Der Heimaufsicht unterlagen 2024 insgesamt 15 stationäre Einrichtungen für Menschen mit Pflege und Unterstützungsbedarf mit insgesamt 1526 Plätzen. Außerdem 17 stationäre und ambulant betreute Einrichtungen für Menschen mit Behinderung mit insgesamt 261 Plätzen sowie insgesamt 32 Einrichtungen und Wohngemeinschaften mit 1787 Plätzen.

Die Heimaufsicht kämpft derzeit mit Engpässen. Wegen der „personellen Situation“ konnten 2024 und 2025 nicht so viele Begehungen stattfinden, wie geplant. Von Januar bis Juni 2024 waren nicht alle Stellen besetzt. Nachdem im Juli 2024 ein zusätzlicher Sachbearbeiter eingestellt wurde, sei dessen Stelle seit April 2025 krankheitsbedingt erneut vakant, heißt es. Auf Stimme-Nachfrage teilt Stadt-Sprecherin Claudia Küpper mit, dass ab April dieses Jahres eine neue Kraft ihre Arbeit aufnehme. "Trotz der personellen Vakanz ist die Heimaufsicht jederzeit ihrer Pflichten nachgekommen", teilt Küpper mit. "Jeglichen Beschwerden geht die Heimaufsicht selbstverständlich nach."

Einzelne Beschwerden von Bewohnern und Angehörigen erwiesen sich jedoch als unbegründet. Wie die Heimaufsicht berichtet, rührten diese von „falschen oder überzogenen Erwartungen“ her – etwa, wenn Bewohner wegen Änderungen oder Krankheitsfällen nicht mehr vom gewohnten Pflegepersonal versorgt wurden.

Heimaufsicht machte Begehungen in Heilbronn – Personalgewinnung in Heimen "erhebliches Problem"

Die Heimaufsicht führte 2024 außerdem 20 Begehungen durch und stellte dabei einzelne Mängel, etwa bei der Hygiene oder der Betreuung, fest. Fast alle Einrichtungen seien kooperativ gewesen, sodass die Heimaufsicht keine weiteren Maßnahmen einleiten musste. Laut dem Bericht würden pflegerische Defizite häufig mit Personalmangel einhergehen. Neue Mitarbeiter zu finden, sei „weiterhin ein erhebliches Problem“, welches „viele Einrichtungen“ betreffe.

Dennoch: Während der vertraulichen Gespräche hätten die meisten Pflegeheimbewohner in Heilbronn berichtet, dass sie sich „mit ihren Lebensumständen arrangiert“ hätten und sich grundsätzlich wohlfühlten. Ebenso stellte die Heimaufsicht „ein hohes Engagement vieler Pflegekräfte“ fest.

Haben Sie Hinweise? Dann nehmen Sie Kontakt auf unter vanessa.lutz@stimme-mediengruppe.de

Heimaufsicht in Heilbronn: Pflegeheim für viele „kaum noch bezahlbar“

Ein Punkt bereitet jedoch Sorgen: Die immer höheren Kosten in der Pflege. Weil die Aufwendungen für Betrieb und Personal steigen, erhöhen sich auch die Eigenanteile für die Bewohner. Laut Stimme-Recherchen beträgt dieser bei Senioren in Heilbronn teilweise über 3000 Euro monatlich. 

Die Heimaufsicht wird in ihrem Bericht deutlich: „Viele Bewohner werden im Laufe ihres Lebens in einer Pflegeeinrichtung zu Sozialhilfeempfängern.“ In den vergangenen Jahren habe beobachtet werden können, dass Senioren immer später in Pflegeheime ziehen und die Dauer kürzer werde. Die Heimaufsicht nennt einen möglichen Grund: Ein Leben im Pflegeheim sei für viele Menschen „kaum noch bezahlbar“.

Sein Übriges tue der demografische Wandel, wie weiter ausgeführt wird. Auf immer mehr Pflegebedürftige komme perspektivisch immer weniger Personal.




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