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Missstände in Alloheim-Pflegeheimen aufgedeckt? Betreiber weist Vorwürfe zurück

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„Stern“ und „RTL“ recherchieren über Monate in Pflegeheimen der Alloheim-Gruppe. Ihrem Bericht nach sollen sie auf auf eklatante Missstände gestoßen sein. Alloheim dementiert und legt rechtliche Schritte ein.


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In mehreren Pflegeheimen der Alloheim-Gruppe soll es zu schweren Verfehlungen gekommen sein. Das berichten „Stern“ und „RTL“. Bewohner seien vernachlässigt worden. Das Pflegepersonal sei überlastet, in manchen Einrichtungen sei zu wenig Pflegepersonal vorhanden.

Alloheim reagiert. Die Vorwürfe seien ungerechtfertigt und unzutreffend. Man habe rechtliche Schritte eingeleitet. 

Vorwürfe gegen Alloheim: Pflegemissstände in mehreren Einrichtungen gemeldet

Alloheim betreibt in Deutschland 291 stationäre Pflegeheime und ist damit der größte Anbieter bundesweit. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf gehört einem schwedischen Finanzinvestor. In der Region betreibt es einen Standort in Heilbronn und einen in Untergruppenbach. Die Heimleitungen waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Mitarbeiter verweisen auf die Zentrale in Düsseldorf.

Die Vorwürfe des Recherche-Teams wiegen schwer. Ein von „RTL Team Wallraff – Reporter Undercover“ eingeschleustes Team berichtet von Heimbewohnern in einem westdeutschen Pflegeheim. Von abgelaufenen Medikamenten, ungewaschenen und vernachlässigten Bewohnern, die zum Teil stundenlang in ihren Ausscheidungen gelegen haben sollen, berichten die Reporter. Seniorinnen sollen sich wundgelegen haben. Von zu wenig Personal ist die Rede.

Sprecher von Alloheim: sehr gute Pflegequalität

Die Firmenzentrale in Düsseldorf weist die Vorwürfe allesamt zurück. Konkret zu den beiden Einrichtungen in der Region Heilbronn erklärt ein Sprecher, dass sich diese seit Jahren durch eine sehr gute Pflegequalität auszeichneten. Dies habe der Medizinische Dienst vergangene Woche bestätigt.

„Stern“ und „RTL“ hatten den Standort in Heilbronn auf einer Karte rot markiert. Rot bedeutet: massive Personal-Unterbesetzung. Heilbronn und Untergruppenbach seien 2024 und auch in diesem Jahr personell weit über den gesetzlich vorgegebenen Mindestpersonalschlüsseln besetzt, erklärt der Sprecher.

Undercover-Recherche berichtet von massiver Vernachlässigung: Passagen online geschwärzt

Alles nur aufgebauscht? Das Recherche-Team warf einen weiteren schwerwiegenden Verdacht auf. Um finanziell profitabel zu arbeiten, hätte Alloheim Pflegekräfte abgerechnet, die gar nicht im Einsatz gewesen seien. Dadurch habe Alloheim monatlich einen Millionenbetrag zu Unrecht eingestrichen. Die Magazine erheben den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs. Diese Passage ist in der Online-Version mittlerweile geschwärzt.

Eine Sprecherin von „RTL“ erklärt, dass derzeit weitere Untersuchungen stattfänden. Bis zu deren Abschluss habe man einen Passus im E-Paper des „Stern“ vorsorglich und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht vorläufig geschwärzt.

Staatsanwaltschaft ermittelt nicht wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs

Abrechnungsbetrug ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. „RTL“ und „Stern“ hatten die Recherche-Ergebnisse an die Ermittler in Wuppertal übergeben. Dort teilt ein Sprecher auf Nachfrage mit, dass man keine Ermittlungen aufgenommen habe. Die mögliche Personal-Unterschreitung sei strafrechtlich nicht relevant und eher ein Fall für den Träger, der zu viel bezahltes Geld für nicht geleistete Arbeit zurückfordern könne.

Die AOK Nord-West, in deren Gebiet die meisten Einrichtungen von Alloheim liegen, erklärt, man gehe den Vorwürfen im Interesse der Versicherten nach. Weiter wolle man sich nicht äußern. In Baden-Württemberg nimmt der Verband der Ersatzkassen vertragsrechtliche Aufgaben für einen bestimmten Anteil an Pflegeeinrichtungen wahr. Zu konkreten Fällen wolle man auch dort keine Auskunft erteilen.

Alloheim wehrt sich juristisch

„RTL“ erhebe seine Vorwürfe auf Basis veralteter, fehlerhafter und unvollständiger Daten, heißt es bei Alloheim zu dem Vorwurf, zu wenig Pflegerinnen seien in den Heimen tätig. Sie bildeten den tatsächlichen Personaleinsatz nicht korrekt ab. Man beschäftige Hunderte Vollzeitkräfte mehr in der Pflege als gesetzlich erforderlich.

Gegen die Berichterstattung im „Stern“ habe man rechtliche Schritte eingeleitet. „Gegen RTL tun wir dies ebenfalls“, heißt es.

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