Direkt neben der Baustelle der Johannes-Diakonie wird ebenfalls gebaut. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, gehört das Areal aber nicht zum künftigen Pflegeheim. Das Haus in der Neckarsulmer Straße 33 wird zu einem Achtfamilienhaus umgebaut. Die Pläne dazu wurden im August 2025 im Gemeinderat vorgestellt. Bauamtsleiterin Stefanie Miene betonte damals, dass das dreigeschossige Gebäude niedriger sein werde als das Pflegeheim.
Aus Gaswerk-Brache wird Pflegeheim
Rohbau der Johannes-Diakonie in Neuenstadt wird im Mai fertig. 28 Menschen mit Behinderung ziehen ab 2027 ein

Das alte Gaswerk an der Neckarsulmer Straße in Neuenstadt war einst ein imposantes und prägendes Gebäude. Seit der Stilllegung in den 1980er Jahren wurde das Areal jedoch immer mehr zu einer unansehnlichen Brache. Umso erfreulicher, dass sich mit der Johannes-Diakonie Mosbach ein Investor gefunden hat. Nach einer aufwendigen Altlastenentsorgung konnte der Bau eines Fachpflegeheims für Menschen mit Mehrfach-Behinderung im September 2025 beginnen. Inzwischen neigen sich die Rohbauarbeiten dem Ende zu, im Mai sollen sie abgeschlossen sein. Die Johannes-Diakonie investiert in Neuenstadt circa 9,5 Millionen Euro, sagt Projekt- und Bereichsleiter Thomas Böhm bei einem Baustellenbesuch

Bewohner des Pflegeheims sollen auch aus Neuenstadt und Umgebung kommen
„Der Bau läuft planmäßig.“ Zum Jahresende soll das dreistöckige Gebäude fertig sein. Die 28 Bewohner ziehen im ersten Halbjahr 2027 ein. Ungefähr die Hälfte von ihnen wird aus bestehenden Wohnangeboten der Johannes-Diakonie umziehen, weitere Personen – im Idealfall aus Neuenstadt und Umgebung – kommen hinzu, erläutert Andreas Lang, Referent der Unternehmenskommunikation.
Die Johannes-Diakonie habe eine Reihe solcher Fachpflegeheime, die es den Bewohnern ermöglichten, in der Nähe ihrer Heimat und ihrer Familien zu bleiben. Von der Altersstruktur wird das Klientel in Neuenstadt ganz unterschiedlich sein, sagt Thomas Böhm. Sowohl junge Menschen, die erstmals von zu Hause ausziehen, als auch Ältere, die schon lange im Pflegeheim leben, kommen in die neue Einrichtung.
Da es sich um Menschen handelt, die eine kognitive Beeinträchtigung und zusätzlichen Pflegebedarf haben, steht der medizinische und pflegerische Aspekt im Fokus, erläutert Thomas Böhm. Deshalb werde es vor Ort auch eine Pflegedienstleitung geben und die Hälfte der Mitarbeiter müssten Pflegefachkräfte sein. Die Suche nach Personal beginne jetzt. „Einzelne Interessenten haben sich schon gemeldet.“ Die Belegschaft werde eine Mischung aus vorhandenen Diakonie-Mitarbeitern und neuem Personal sein.
Personalsuche ist eine Herausforderung – Initiativbewerbungen willkommen
Die Ausschreibungen würden derzeit vorbereitet, Initiativbewerbungen seien aber immer möglich. Die Suche werde eine Herausforderung, sagt Thomas Böhm mit Blick auf den Fachkräftemangel. In verschiedenen Zeitmodellen rechnet er mit rund 50 Personen, die am neuen Standort arbeiten.
Im Erdgeschoss des Pflegeheims sind Räume für „tagesstrukturierende Maßnahmen“ geplant, berichtet Andreas Lang. Damit sind Freizeitangebote gemeint wie Basteln, Kochen, Bewegung und vieles mehr. Da die künftigen Bewohner durch ihre Beeinträchtigungen nicht in einer Werkstatt arbeiten können, erhalten sie zu Hause Beschäftigungsangebote, erläutert Thomas Böhm. Im Garten solle es zum Beispiel ein Hochbeet geben.

Auch wenn rund um das Gebäude noch viel Baumaterial gelagert ist und das Gerüst den Blick verstellt, kann man bereits die großzügigen Räume im Erdgeschoss mit Blick auf den Garten erahnen. Dort steht auch noch ein Relikt aus den Zeiten des alten Gaswerks: ein Pumphäuschen. Dieses soll saniert und über einen barrierefreien Zugang mit dem Neubau verbunden werden. „Das soll eventuell noch mit Spenden realisiert werden“, sagt Thomas Böhm. Denn im Bau des Pflegeheims sei es derzeit nicht einkalkuliert. Versorgungsleitungen gebe es aber bereits.
In den zwei Obergeschossen entstehen Wohnbereiche für insgesamt vier Gruppen. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer und teilt sich das Bad mit einer weiteren Person. Zusätzlich gibt es spezielle Pflegebäder. Den privaten Raum kann sich jeder so gestalten, wie er möchte, betont Thomas Böhm. Wer dabei keine Unterstützung von Eltern oder anderen Angehörigen hat, dem helfen die Diakonie-Mitarbeiter. Wichtig sei auch der Kontakt zur städtischen Gemeinschaft. Erste Kontakte wurden bereits bei einem gemeinsamen Gottesdienst mit der evangelischen Kirchengemeinde geknüpft.

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