Die Stadtwerke Neuenstadt richten im Rahmen der Bodensanierung des ehemaligen Gaswerks drei Grundwassermessstellen ein, zwei bestehende werden verschlossen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde die Firma Goller Bohrtechnik damit zum Angebotspreis in Höhe von 48.400 Euro vergeben. Der Abriss der Gebäude kostet nach Informationen von Stefanie Miene rund 60.000 Euro. Laut Sitzungsvorlage steht den Stadtwerken für die Sanierung des Gaswerkgeländes eine Rückstellung von 500.000 Euro zur Verfügung. Zudem gebe es einen Zuwendungsbescheid des Landes Baden-Württemberg. 60 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben werden übernommen.
Altes Gaswerk in Neuenstadt ist abgerissen – was auf dem Gelände entstehen soll
Das frühere Gaswerk in der Neckarsulmer Straße in Neuenstadt ist Geschichte. Es folgt eine aufwendige Altlastenentsorgung .

Das alte Gaswerk an der Neckarsulmer Straße in Neuenstadt war einst ein markantes und stattliches Gebäude. Der Zahn der Zeit nagte jedoch seit der Stilllegung in den 1980er Jahren an ihm. Nun wurde das marode Haus abgerissen. Lediglich das frühere Pumphäuschen erinnert noch an die Zeit, als die Stadtwerke Neuenstadt selbst Gas produzierten. "Es geht damit schon ein Stück Stadtgeschichte zu Ende", sagt Bürgermeister Andreas Konrad.
Das Gaswerk war 1907 in Betrieb gegangen. Betreiber war damals eine Aktiengesellschaft, bei der die Stadt Hauptaktionärin war. Aber auch mehrere Einwohner hatten sich Anteile gekauft. Weitere Aktien hielt die Firma Carl Francke in Bremen, informiert Miriam Brütsch von der Stadtverwaltung.
Altes Gaswerk in Neuenstadt ist Geschichte: Steinkohle kam über die Eisenbahnlinie Jagstfeld-Neuenstadt

Sogenannte Retorten-Gaswerke wie in Neuenstadt habe es damals auch in Neckarsulm, Weinsberg und Bönnigheim gegeben. Die für den Betrieb notwendige Steinkohle sei über die ebenfalls im Jahr 1907 eröffnete Eisenbahnlinie Jagstfeld-Neuenstadt angeliefert und vom Bahnhof Neuenstadt-West an der Kochendorfer Straße mit Pferdefuhrwerken ins Gaswerk gebracht worden. 1925 pachtete die Stadt das Gaswerk komplett, ab etwa 1935 war sie alleinige Besitzerin, fasst Brütsch weiter zusammen. 1957/58 sei von Kohlengas auf Flüssiggas umgestellt worden, in den 1970er-Jahren auf eine Flüssiggas-Luft-Mischung. Als Neuenstadt jedoch im Sommer 1980 an das landesweite Erdgasnetz angeschlossen worden war, wurde das Gaswerk nicht mehr gebraucht. Das Anwesen wurde 1986 verkauft.
Es wurden jedoch Altlasten aus der Zeit der Kohlevergasung festgestellt. In der Folge kaufte die Stadt das Anwesen 1994 zurück, informiert Brütsch weiter. "Bei der Erhitzung der Steinkohle waren Schlacken und Teere entstanden, die nach heutigem Wissensstand unsachgemäß auf dem Betriebsgelände gelagert wurden." Es seien Messstellen eingerichtet worden, so dass Teile des Gebäudes noch genutzt werden konnten. Zuletzt unter anderem als Flüchtlingsunterkunft und Lagerraum. Eigentümer sind heute die Stadtwerke Neuenstadt.
Die Entsorgung des kontaminierten Bodens kostet knapp 680.000 Euro
Nach dem Abriss steht nun eine aufwendige Bodensanierung an, für die der Gemeinderat kürzlich die Firma Geiger Umweltsanierung beauftragt hat. Diese soll für den Angebotspreis in Höhe von knapp 680.000 Euro das Gelände von schädlichen Rückständen befreien, damit es in einwandfreiem Zustand an die Johannes-Diakonie Mosbach übergeben werden kann. Diese plant ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Die Altlastensanierung soll laut Stefanie Miene im Januar starten und bis Mai dauern.
Die Arbeiten dauerten deshalb so lang, weil der kontaminierte Boden nicht einfach abgegraben und weggefahren werden könne, erklärt Bauamtsleiterin Stefanie Miene bei einem Ortstermin. "Alles, was weggefahren wird, muss beprobt werden." Auch die Fahrzeuge müssten gereinigt werden, bevor sie auf die öffentliche Straße fahren.

Der Bauantrag für ein Wohnheim mit Behinderung ist eingereicht
Wenn die Altlastensanierung abgeschlossen ist, kann die Johannes-Diakonie Mosbach auf dem 2680 Quadratmeter großen Gelände mit dem Bau des Wohnheims starten. Der Bauantrag ist bereits eingereicht, sagt Andreas Konrad. Das Bebauungsplanverfahren ist abgeschlossen. Im geplanten Gebäude sollen Wohnungen für 28 Menschen entstehen sowie eine Tagesstruktur.

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