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Agrarwirtschaft

Mercosur-Abkommen bereitet Südzucker Sorgen – Bauernverband sieht begrenzte Chancen

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Das Offenauer Südzucker-Werk arbeitet wie geplant weiter, dabei zeigt sich der Konzern über die jüngste Entwicklung auf dem Weltmarkt besorgt. Das Mercosur-Abkommen könnte den gesättigten Markt zusätzlich fluten. Was der Kreisbauernverband dazu sagt.


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Südzucker ist wegen möglicher erhöhter Zuckerimporte aus Südamerika in Sorge. Von „strukturellen Maßnahmen“ an den Werken einschließlich des Offenauer Standorts sieht der Konzern aber einstweilen ab. Das ist der Tenor aus der Konzernzentrale zum jüngst abgeschlossenen Mercosur-Abkommen.

Warum Südzucker die Stirn runzelt: Der europäische Zuckermarkt sei jetzt schon von einem Überangebot geprägt, berichtet Konzernsprecher Wolfgang Kraus auf Anfrage. Im Wirtschaftsjahr 2025/26 sei die erwartete Zuckerproduktion in der EU infolge guter Ernten und gestiegener Erträge deutlich angestiegen. Und das, obwohl die Anbaufläche gegenüber dem Fünfjahresschnitt um fünf Prozent reduziert worden war.

Was den Zuckermarkt zusätzlich zum Überlaufen bringt

Das Phänomen der Überproduktion nimmt laut Südzucker auch dadurch zu, dass der Zuckerverbrauch in der EU rückläufig ist. „Gleichzeitig gelangen zusätzliche zollfreie Zuckermengen über Importe – insbesondere aus der Ukraine und zukünftig auch aus Mercosur-Staaten – auf den EU-Binnenmarkt, die teilweise unter niedrigeren Sozial- und Umweltstandards und damit mit geringeren Kosten produziert werden“, stellt der Konzernsprecher fest.

Zollfreie Importe, die in Freihandelsabkommen vereinbart würden, belasteten den EU-Zuckermarkt. Auf das Mercosur-Abkommen bezogen seien dies 180.000 Tonnen Zucker aus Brasilien und 10.000 Tonnen aus Paraguay.

Warum der Heilbronner Bauernverband in Mercosur auch Chancen sieht 

Der Kreisbauernverband (KBV) Heilbronn-Ludwigsburg beurteilt das Mercosur-Abkommen überwiegend skeptisch, sieht aber auch punktuelle Vorteile. Chancen sieht der KBV-Vorsitzende Stefan Kerner bei der Vermarktung von Obst und Wein. Speziell für Äpfel gebe es einen Markt in Südamerika. Auch für bestimmte Stücke des Schweins, die in Europa eher schwer vermarktbar sind, könne das Mercosur-Abkommen von Vorteil sein.

Noch dampft der Schlot: Südzucker drosselt seine Werke, wie das in Offenau, derzeit nicht. Der Markt wird aber enger und Mercosur verursacht bei den Managern zusätzlich Kopfzerbrechen.
Noch dampft der Schlot: Südzucker drosselt seine Werke, wie das in Offenau, derzeit nicht. Der Markt wird aber enger und Mercosur verursacht bei den Managern zusätzlich Kopfzerbrechen.  Foto: Mario Berger

Insgesamt sieht Kerner das Abkommen eher skeptisch. Der Erlenbacher Landwirt befürchtet, dass Waren, die unter unvergleichbaren Standards hergestellt wurden oder unter Inkaufnahme von Umweltschäden, auf den hiesigen Markt geworfen werden. Als Beispiele nennt Kerner die Abholzung des Regenwalds oder den Einsatz von Wirkstoffen, die in der EU nicht oder nicht mehr zugelassen sind. 

Bauernvertreter: Es geht um die Ernährungs-Souveränität 

Der Bauernvertreter geht davon aus, dass die Folgen des Abkommens nach dessen Inkrafttreten als erstes bei Zucker und Ethanol festzustellen sein werden. Kerner gibt wie Südzucker zu bedenken, dass es hierzulande jetzt schon eine Marktsättigung gibt. Südamerikanische Produktionssteigerungen bei der Rinderzucht in Folge von Mercosur würden dagegen erst in etwa zwei Jahren in Europa aufschlagen. 

Um die Folgen des Mercosur-Abkommens für die deutsche Landwirtschaft abzufedern, fordert Kerner eine noch konsequentere Kennzeichnung und Transparenz der Nahrungsmittel. Handel und Politik seien in der Pflicht, den Fortbestand der Landwirtschaft zu sichern: „Jetzt geht es darum, Mechanismen zu  etablieren, um die Ernährungs-Souveränität in Deutschland und Europa abzusichern.“

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