Trotz Krieg und Anschlägen: Warum Faschingsumzüge gerade jetzt wichtig sind
Spätestens mit der Amokfahrt in Mannheim fragen sich viele: Sollte man Faschingsumzüge jetzt nicht generell absagen? Unser Autor meint: nein.
Krieg in der Ukraine, Attentäter bei Großveranstaltungen und nun auch noch die Amokfahrt von Mannheim. Spätestens jetzt ist vielen Menschen im Lande nicht mehr zum Feiern zumute. Verständlich, dass gerade im Rhein-Neckar-Gebiet viele Umzüge kurzfristig abgesagt wurden.
Trotz Krieg und Anschlägen: Warum Faschingsumzüge gerade jetzt wichtig sind
Gerade im direkten Umfeld der Opfer, ihrer Angehörigen und Freunde wäre es geschmacklos, einfach weiter auf die Pauke zu hauen, als wäre nichts geschehen.
Es gibt aber auch gute Argumente, trotz allem nicht alles ruhen zu lassen, zumindest in jenen Orten, die nicht unmittelbar vom Terror getroffen sind. Warum sollen ausgerechnet jene für solche Untaten büßen, die sich der Lebensfreude verschrieben haben, also in erster Linie Karnevalsvereine, für die der Faschingsdienstag der Höhepunkt ihrer Kampagne ist, die sie schon seit Monaten mit viel Herzblut sowie zeitlichem und finanziellen Aufwand vorbereitet haben? Wie soll man es Kindern erklären, dass der heißersehnte Umzug abgeblasen wird?
Nach Attentaten: Ein genereller Faschingsumzugs-Stopp würde niemanden helfen
Kaum jemand wäre mit einem generellen Umzugs-Stopp geholfen, außer womöglich den Tätern. Auch wenn ihre Motive diffus sein mögen, seien sie politisch oder persönlich, richtet sich ihr Terror nicht nur gegen einzelne Menschen, sondern gegen unser aller Zusammenleben, gegen unsere Werte.
Man kann diese Werte schützen, auf Großveranstaltungen etwa durch mehr Polizei, durch Kontrollen, durch Straßensperren. Eine hundertprozentige Sicherheit aber gibt es nicht. Womöglich müssen wir damit leben, so wie es viele Generationen vor uns getan haben, in Zeiten, da Kriege, Katastrophen und Krankheiten beinahe an der Tagesordnung waren – und viele in einer starken Gemeinschaft, vielleicht auch in der Religion Trost fanden.
In tiefer Überzeugung, dass alles Leid und Elend nicht das letzte Wort haben dürfen. Und: Dass jeder in seinem Umfeld etwas zum geglückten Zusammenleben beitragen kann, nicht nur beim Fasching, sondern im Alltag.
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