Mehr Lehrer für die Region Heilbronn: „Den richtigen Durchschlag hat es noch nicht gegeben“
Ausbau der Ganztagsbetreuung, Unterstützung durch die Schulträger: So schätzen Lehrerverbände in der Region Heilbronn die Situation in den Klassenzimmern im Jahr 2025 ein.

Schulen stehen in den nächsten Monaten vor Umbrüchen. Die allgemeinbildenden Gymnasien sollen wieder in neun, statt wie bislang in acht Jahren zum Abitur führen. Werkrealschulen müssen sich neu positionieren, weil für künftige Fünfer der Werkrealschulabschluss wegfällt. Für Viertklässler gibt es neue Übergangsregeln an die weiterführenden Schulen, ein umstrittener Test entscheidet unter Umständen über den Zugang an Gymnasien.
Aus Sicht der Lehrer bleibt dabei ein Problem bestehen: „Generell ist der Lehrkräftemangel noch vorhanden“, sagt Matthias Schinko vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Es heiße zwar, dass es besser werde. „Den richtigen Durschlag hat es noch nicht gegeben“, so der VBE-Ansprechpartner im Schulamtsbezirk Heilbronn. Die Folge seien überlastete Lehrer, Fehltage könnten kaum ausgeglichen werden.
Mehr Lehrer: Das fordert der Verband Bildung und Erziehung
Unterricht finde statt. „Wir tragen es“, sagt Matthias Schinko. „Der Schulbetrieb findet statt.“ Nur sei man weit entfernt vom VBE-Wunsch, die Lehrerversorgung auf 110 Prozent zu bekommen. Matthias Schinko ergänzt: Die Prozentpunkte über 100 Prozent bedeuteten nicht, dass Lehrer weniger arbeiten. Im Gegenteil: Mit diesen zehn Prozentpunkten können man wieder Veranstaltungen stemmen, die ansonsten gar nicht erst stattfinden.
Besonders angespannt sei die Situation weiterhin an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Laut Matthias Schinko ist es dort „sehr gravierend“.
Der neue Übergang an weiterführende Schulen steht in der Kritik
Mehr Gelassenheit wünscht sich der VBE-Vertreter von der Politik in Richtung Schulen. Als Beispiel dafür nennt Matthias Schinko die neuen Übergangsregeln an die weiterführenden Schulen (Kompass 4). Bei einem Test wurden Viertklässler in Mathe und Deutsch geprüft. Wie sich erst danach herausstellte: Der einheitliche Mathe-Test galt als zu schwer, das erkennt sogar das Kultusministerium an. Das werfe dann kein gutes Licht auf die Schulen, sagt Matthias Schinko. Wenn man etwas einführe, dann solle es richtig sein. Das Gegenteil sei der Fall: Lehrer fühlten sich wie im Hamsterrad.
Um an Gymnasien zu kommen, müssen zwei von drei Kriterien für ein Gymnasium sprechen: Test-Ergebnisse, Elternwunsch oder Einschätzung der Lehrer. Bislang war allein der Elternwunsch ausschlaggebend.
Belastet: Das sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur Ganztagsbetreuung
Einen Wunsch für 2025 zu finden, das fällt Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) leicht: „Dass wir motiviertes und qualifiziertes Personal bekommen“, sagt der GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn. An vielen Schulstandorten würde die Ganztagsbetreuung ausgebaut. Wenn dann aber das Personal für die Betreuung fehle, sprängen die Lehrer ein. „Das belastet“, sagt er.
Aus Gesprächen mit Kollegen weiß Harald Schröder, dass es viele von ihnen aus der Region Heilbronn wegzieht. Der Rhein-Neckar-Kreis sei beliebter, die Versorgung an Schulen liege da bei über 100 Prozent. „Es ist dort einfach besser.“
Kollegen sind laut GEW motiviert
In der Region habe sich die Personalsituation nicht verbessert, so Harald Schröder. Bessere Möglichkeiten für Quereinsteiger wünscht er sich. „Wir haben motivierte Kollegen, die wollen arbeiten“, sagt er. Nur: Sie stünden ohne systematische Einführung vor den Kindern. Unterstützung gebe es von erfahrenen Kollegen nebenher – sofern die dafür Zeit hätten.
Fürs Personal ist das Land zuständig, für Investitionen in Gebäude der jeweilige Schulträger. Und auch da sieht die GEW durchaus Handlungsbedarf. An einer Schule regne es durchs Dach, an einer anderen funktioniere die Lautsprecheranlage nicht, so Harald Schröder. Auf Hinweise reagiere die Verwaltung aber nicht. Das schlägt auf die Stimmung im Kollegium durch. „Das macht keinen Spaß.“
Leuchttürme allein genügen Lehrerverband nicht
Bezogen auf die Stadt Heilbronn sagt Harald Schröder: Es gebe dort „tolle Leuchttürme“, doch die seien alle privat finanziert. Für städtische Schulen könne man mehr machen, sie müssten in den Fokus genommen werden. Bei der Bausubstanz bestehe Handlungsbedarf.
Nicht erwähnt wird dabei: Die Stadt Heilbronn investiert – unter anderem in die Grundschule in Altböckingen oder in eine neue Grundschule für die Innenstadt.
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