Personalmangel: An Förderschulen wird Unterricht gestrichen

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Die Personalsituation an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren gilt schon lange als sehr angespannt. An den Förderschulen mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung ist die Lage besonders prekär. Unterricht fällt aus - das sagen Eltern der Paul-Meyle-Schule in Heilbronn.

Die Situation an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren gilt als angespannt.
Die Situation an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren gilt als angespannt.  Foto: Arne Dedert

Das Staatliche Schulamt in Heilbronn macht um die Situation an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung keinen Hehl: Die Personalsituation sei "besonders schwierig", sagt Amtsleiter Markus Wenz. Es habe sogar Unterricht gekürzt werden müssen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Elternvertreter der Paul-Meyle-Schule in Heilbronn wissen um die Belastung der verbliebenen Lehrer, denn die Situation sei schon länger angespannt. Der erste Vorschlag, den Unterricht an der Heilbronner Schule zusammenzustreichen, sei deshalb sogar von den Müttern und Vätern selbst gekommen, erzählt Björn Huber, der stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender ist. Man habe Rücksicht auf die Lehrer nehmen wollen, sie nicht noch weiter belasten wollen. Mittlerweile seien nur 60 Prozent der benötigten Lehrer da, im vergangenen Schuljahr seien es nur 50 Prozent gewesen, erzählt er.

Lehrer fehlen: Im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum werden die Klassen deshalb größer

Um das fehlende Personal abzufangen, werden die Klassen größer. Sechs Kinder sollten es eigentlich pro Klasse sein, dann ein Klassenlehrer sowie noch ein Sonderpädagoge und zwei Betreuer, zählt Gerhild Erbe auf, die Elternvertreterin der Betreuung ist. Davon ist keine Rede mehr: Acht bis neun Kinder seien es pro Klasse, und es gebe nur noch einen Lehrer. Die Eltern nehmen dabei das Kollegium ausdrücklich in Schutz, wissen um deren Mühen. "Die Lehrer versuchen alles", sagt Gerhild Erbe.

Die Situation mit vollen Klassen wirkt sich auf die Mädchen und Jungen aus, die speziell gefördert werden müssen. Das Kind der Elternbeiratsvorsitzenden Senay Bemmerer ist Autist. Durch die vollen Klassen werde er unruhiger, sagt sie. Das weiß auch Gerhild Erbe: "Die gewohnte Situation ist wichtig für Autisten, sie brauchen einen Schutzraum."

Wenn die Schule früher endet: Eltern können nicht mehr wie gewohnt arbeiten

Gab es früher Unterricht bis 16.30 Uhr, endet die Schule mit Betreuung jetzt um 15.30 Uhr. Die Betreuung könne nach Angaben der Elternvertreter nicht von allen Kindern genutzt werden. Weniger Zeit in der Schule stellt die Familien vor Probleme, deren Kinder eine besondere Art der Aufmerksamkeit benötigen. Nachbarn, Bekannte könnten nicht kurzfristig einspringen. Eltern fragten sich, wie sie nun im gewohnten Umfang arbeiten können, sagt Senay Bemmerer. 

Eltern der Paul-Meyle-Schule fühlen sich vom Land unzureichend unterstützt. Ihrer Meinung nach bekämen jene SBBZ im Landkreis mit einem ähnlichen Schwerpunkt mehr Lehrer. Markus Wenz vom Staatlichen Schulamt verspricht, mit den Eltern darüber zu sprechen. Nur: Viele Faktoren wirken sich auf die Personalsituation aus. "Wir versuchen, der Situation gerecht zu werden."

Unterricht fällt aus: Stadt Heilbronn übernimmt die Betreuung

Schuld an der Situation sei das Land, das für die Lehrer zuständig sei. "Die Stadt tut viel", sagt Gerhild Erbe und dankt für die Unterstützung bei der Betreuung. Die Verwaltung weiß, dass von Ende 2022 bis einschließlich dem Schuljahr 2023/2024 der Unterricht von 34 auf 31 Wochenstunden gekürzt wurde und jetzt noch einmal auf 25 Wochenstunden. "Beide Male hat die Stadt Heilbronn die ausfallenden Zeiten mit Betreuungsleistung der städtischen Kollegeninnen und Kollegen sowie der AWO aufgefangen, damit eine Betreuungszeit bis 15.30 Uhr sichergestellt werden konnte", betont Karin Schüttler, die das Schul-, Kultur- und Sportamt im Rathaus leitet. Die Verwaltung hält nichts von Schuldzuweisungen. "Wir sehen uns in der Verantwortungsgemeinschaft, für die Kinder und deren Eltern die unter gegebenen Umständen bestmögliche Lösung bereitzustellen."

Die Paul-Meyle-Schule hat viele Außenklassen, mittlerweile ist sie teilweise auch im Gebäude Ecke Weinsberger Straße/Oststraße untergekommen. "Aufgrund der Innenstadtlage, der bestehenden Leerstände und der Umbaumöglichkeiten wurde ein Teil des Gebäudes genutzt, um die beengte Raumsituation der Paul-Meyle-Schule interimsweise zu lösen", so Karin Schüttler. Weitere Räume im Erdgeschoss sollen angemietet werden. "Das Gebäude ermöglicht die für die Schule wichtige Barrierefreiheit."

Die Stadt befasst sich mit weiteren Investitionen in die Schule. Eine Machbarkeitsstudie prüft eine Erweiterungsoptionen am bestehenden Standort sowie einen Neubau. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres rathausintern abgestimmt werden.




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